Manfred Jäger und seine Gruppe der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" protestierten auf dem Domplatz mit Papp-Panzern und -Minen gegen den Handel mit Waffen. - © FOTOS: FREDERIK GRABBE
Manfred Jäger und seine Gruppe der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" protestierten auf dem Domplatz mit Papp-Panzern und -Minen gegen den Handel mit Waffen. | © FOTOS: FREDERIK GRABBE

PADERBORN Gegen Panzer, für Menschlichkeit

Aktionen auf dem Domplatz zum bundesweiten Start des Monats der Weltmission in Paderborn

VON FREDERIK GRABBE

Paderborn. Minen und Leopardpanzer auf dem Domplatz - Ausnahmezustand in Paderborn? Mitnichten. Am Sonntag machte die katholische Friedensbewegung Pax Christi mit Papp-Imitationen auf deutsche Waffenverkäufe ins Ausland aufmerksam. Dies geschah im Rahmen der bundesweiten Aktion zum Monat der Weltmission durch das internationale Missionswerk "missio".

"In den kommenden Jahren sollen bis zu 800 Panzer des Typs Leopard 2 von Deutschland an Saudi Arabien verkauft werden", schildert Manfred Jäger von Pax Christi. Ein Unding für die Friedensbewegung. Denn sie sieht das Land regiert von einer menschenrechtsverachtenden "Königshaus-Diktatur". Die Aktion fordert grundsätzlich, den Handel mit Waffen zu stoppen. "Eigentlich dürften nach dem Grundgesetz gar keine Waffen exportiert werden", sagt Jäger. Denn der Paragraf 26 schreibt vor, dass Handlungen, die das friedvolle Zusammenleben der Völker stören, verfassungswidrig sind. Dies schließe den Waffenhandel generell aus. Die Friedensbewegung beruft sich auch auf zwei der zehn Gebote. ",Liebe deinen Nächsten’ und ,Du sollst nicht töten’. Aus diesen Grundsätzen heraus richten wir uns gegen den Waffenexport", begründet Jäger.

Auch stand die Situation der Flüchtlinge im Ost-Kongo im Blickpunkt. In einem Truck des Missionwerkes "missio" konnten Besucher Stationen der Flucht in dem afrikanischen Land nachempfinden. "Wir stellen acht Charaktere vor, deren persönliche Flucht über Monitore dargestellt wird", erzählt Annalena Groppe von "missio". Über direkte Ansprachen aus den Installationen soll Flucht erlebbar gemacht werden. "Du bist eine junge Frau und gerade von 100 Rebellen vergewaltigt worden", sei eine dieser direkten und schonungslosen Ansprachen. "Man erfährt, was es heißt, durch Krieg seine Heimat zu verlieren", schildert Elmar Sandten aus Warburg ergriffen. "Ich stelle es mir schwer vor, nichts weiter als das eigene Leben zu haben. Das beschäftigt einen sehr."

Der "missio"-Truck besucht normalerweise Schulen und wird für Projekte im Religionsunterricht von Schülern ab 13 Jahren benutzt. "Es geht uns darum soziale Hintergründe von Flucht und Migration zu vermitteln", schildert Groppe. Der Truck machte unter anderem auch schon vor der Realschule Lichtenau halt. Dort haben Schüler Plakate über das Leben in Papua Neuguinea für die "missio"-Aktion entworfen, die in diesem Jahr vor allem auf das Land in Südostasien aufmerksam machen will. In einer Collage hat die Zehntklässlerin Stefanie Agethen Bilder von verwüsteten Landschaften und intakten Korallenriffen gegenübergestellt. "Durch diese Zerrissenheit will ich auf die Umweltzerstörung durch Erdöl- und Erdgasförderung aufmerksam machen", erläutert sie.

Da "missio" ein Missionswerk ist, durften die Missionare nicht fehlen. "Ich war ein Jahr lang in Indonesien", erzählt die "Missionarin auf Zeit" Mirjam Klauke. "Dort habe ich in einem Rehazentrum mit Behinderten gearbeitet." Die 21-Jährige sei über die Franziskanerinnen in Salzkotten nach Indonesien gegangen. In Indonesien habe sie eine andere Art von Glauben kennengelernt. Über Taizé-Gebeten habe sie sich an Gott gewandt. "Das ist viel lebendiger als der Gottesdienst hierzulande und man singt mehr", beschreibt sie. Ein "Lebensgefühl", das sie in die Heimat tragen will.

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