Norbert Schulz und Chin-Ning Schulz-Lee sammelten Pilze am Rande des Truppenübungsplatzes Senne. Bei der Suche in einem angrenzenden Waldstück betraten sie aus Versehen das Militärgelände. Warnschilder, wie hier im Hintergrund, hätte es da nicht gegeben, sagen sie. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Norbert Schulz und Chin-Ning Schulz-Lee sammelten Pilze am Rande des Truppenübungsplatzes Senne. Bei der Suche in einem angrenzenden Waldstück betraten sie aus Versehen das Militärgelände. Warnschilder, wie hier im Hintergrund, hätte es da nicht gegeben, sagen sie. | © FOTO: REINHARD ROHLF

PADERBORN 350 Euro Strafgeld für Pilzesammler

Ehepaar gerät im Wald aus Versehen auf den Truppenübungsplatz Senne / Streit geht wohl vor Gericht

VON JENS MÖLLER

Paderborn. Das war die teuerste Pilzpfanne im Leben von Norbert Schulz und Chin-Ning Schulz-Lee. 351,20 Euro sollen sie zahlen, weil sie beim Pilzesammeln auf dem Truppenübungsplatz Senne erwischt worden sind. Das findet das Ehepaar unverschämt.

Teutoburger Straße zwischen Sennelager und Hövelhof, in Hörweite rauscht der Verkehr der A33 vorbei. Eine Frau in roter Regenjacke geht mit ihrem Hund seitwärts an der Schranke vorbei, die hier die Straße absperrt. Dahinter beginnt der Truppenübungsplatz Senne. Militärgebiet, Sperrgebiet.

"Das sehe ich immer wieder", sagt Norbert Schulz. Die Schranke halte viele nicht vom Gassigehen auf verbotenen Pfaden ab. Er würde das nicht tun. Auch am 28. September 2011 hätten er und seine Frau keine Schranke und keinen Zaun übertreten. In einem Waldstück, deutlich auf zivilem Gebiet, suchte das Ehepaar nach Schirmlingen. Chin-Ning Schulz-Lee brät diese großen Pilze wie Schnitzel in der Pfanne.

90 Minuten sind die Sammler an diesem Tag im Wald unterwegs. "Wir haben ein bisschen die Orientierung verloren." Ein schwarzer Geländewagen mit gelbem Seitenstreifen rollt heran. Darin sitzen zwei Mitarbeiter der Range Control. "Sie warfen uns vor, dass wir in Kenntnis des Verbots auf Militärgelände gelaufen seien. Das stimmt aber nicht. Uns war nicht bewusst, dass wir auf Sperrgebiet geraten waren."

Im Wald hätte er keine Warnschilder gesehen, sagt Schulz. Aber die Pilzesammler haben die grüne Grenze übertreten. Fast ein Jahr später bekommen sie Post. Beide sollen je 150 Euro Ordnungsgeld zahlen - wegen unbefugten Betretens einer militärischen Anlage. Mit Gebühren macht das 351,20 Euro. "Man hätte uns doch einfach verwarnen können", sagt Schulz. "30 oder 40 Euro Warngeld wären auch noch ok gewesen." Er sieht nicht ein, für ein Versehen so zur Kasse gebeten zu werden.

Warum müssen unbedachte Pilzesammler in etwa so hohe Strafen zahlen wie Raser, die mit Tempo 90 in einer Wohnstraße ertappt werden? Hat sich die Zahl der abgesperrten Straßen und Flächen erhöht, wie manche Anwohner des Sperrgebiets berichten? Diese Fragen übermittelte die NW nach Bonn an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die den Truppenübungsplatz besitzt. Zwei Wochen tat sich nichts, bis gestern. Da erst sagt Pressesprecher Guido Déus, nach "intensiver Prüfung" stehe fest, dass in diesem Fall nur das britische Militär zuständig sei.

Schulz will jetzt vor Gericht gehen. "Andere sollten gewarnt werden, was einem passieren kann."Die Hundehalterin mit der roten Jacke ist inzwischen zurück von ihrem Spaziergang. Erwischt worden sei sie noch nie, sagt sie. Sie zeigt auf das Waldstück. "Da ist doch nie ein Manöver. Das ist doch albern."

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