Schulministerin Sylvia Löhrmann (Mitte) und Susanne Bornefeld im Gespräch mit einer Mutter, die dankbar ist für Hefte und Stifte. - © FOTOS: REINHARD ROHLF
Schulministerin Sylvia Löhrmann (Mitte) und Susanne Bornefeld im Gespräch mit einer Mutter, die dankbar ist für Hefte und Stifte. | © FOTOS: REINHARD ROHLF

PADERBORN Zum Auftakt ein Appell an die Schulen

Wunsch nach Marken-Fabrikaten von Materialienkammer schwer zu erfüllen / Ministerin zu Gast

VON PETER HASENBEIN

Paderborn. Das Lob kommt von höchster Stelle: "Was Sie tun und wie Sie es tun – das ist absolut beeindruckend", betonte NRW-Ministerin Sylvia Löhrmann gestern beim Besuch in der Schulmaterialienkammer. Die Einrichtung der Diakonie Paderborn-Höxter stellt zum Schuljahresbeginn in dieser Woche wieder (fast) kostenlos Hefte, Stifte und vieles mehr für Kinder bereit. Dabei hat sich in den vergangenen Jahren so einiges geändert.

"Seit zwei, drei Jahren kommen immer häufiger Kinder aus Familien, die Unterstützung erhalten, obwohl die Eltern einer geregelten Arbeit nachgehen", weiß Susanne Bornefeld. Die Leiterin der Schulmaterialienkammer verweist darauf, dass Schulen mit höchst unterschiedlichen Wünschen und Listen auf die Einrichtung zukommen, manche sogar mit kostspieligen Sonderwünschen. "Es muss nicht der Marken-Farbkasten sein. Auch viele preiswertere Fabrikate bieten gute Qualität", hofft Bornefeld darauf, dass Schulen Einsicht zeigen und nicht auf bestimmte Fabrikate bestehen, die dann an die Kinder der jeweiligen Schulen herausgegeben werden müssen. Keinen Zweifel lässt Ministerin Löhrmann daran, dass es besser wäre, wenn solche Unterstützungsaktionen für Familien erst gar nicht nötig wären. "Aber wenn geholfen werden muss, dann auf diese professionelle und diskrete Art und Weise", lobt die Ministerin.

Noch besser wäre allerdings, wenn die Schulen selber über ausreichend Materialien verfügen würden und es an die Schüler weiterreichen könnten. "An dieser Stelle wäre eine institutionelle Förderung besser als eine individuelle", bringt die Paderborner Landtagsabgeordnete Sigrid Beer (Grüne) dieses Problem auf den Punkt. "Dann müssen aber mehr Schulsozialarbeiter eingesetzt werden. Solche Aufgaben können Lehrer nicht auch noch nebenbei erledigen", betont Uli Graben, Grünen-Ratsherr und Vorsitzender des Schulausschusses. Da hakte erneut die Ministerin ein. Sie plant, dass ab 2014/2015 ohnehin mehr Sozialarbeiter und Erzieher an den Schulen aktiv werden sollen: "Lehrer müssen für die Bildung zuständig sein. Daher brauchen wir multifunktionale Teams in den Schulen, um künftig alle Aufgaben bewältigen zu können", so Löhrmann. Zurück zur Schulmaterialienkammer: Zwischen 2.100 und 2.200 Schüler wurden in den vergangenen Jahren versorgt.

Wie Schuldezernent Wolfgang Walter zu berichten weiß, gibt es allein in der Stadt Paderborn zwischen 6.500 und 6.800 Kinder, deren Eltern Sozialleistungen beziehen und damit berechtigt wären. 30.000 bis 40.000 Euro braucht die Schulmaterialienkammer jedes Jahr an Spenden, um den Bedarf abdecken zu können. Dazu kommen zahlreiche Sachspenden. Wer auf Hefte, Stifte oder Tornister von der Kammer zurückgreift, muss sich morgens eine Nummer am Laugrund 5 abholen: "Ab 8.30 Uhr, vorher macht es keinen Sinn, weil noch kein Mitarbeiter da ist", versichert Susanne Bornefeld. Rund 30 freiwillige Helfer sind in dieser Woche damit beschäftigt, die Materialien an die Kinder herauszugeben. "Ohne die Helfer und ohne die Unterstützung der Stadt könnten wir das hier gar nicht leisten", betont Bornefeld.

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