Die Fotos der Gruppenmitglieder zeigen die Straßenbahn, die früher auch durch Elsen fuhr, die guten, alten Snobbies, die nicht mehr verkauft werden, die Polizei, als sie 1980 unangemeldete Film-Dreharbeiten in der Marienstraße stoppte, das Nuko Musikland, den "Heidedollar", der beim Schützenfest in der Stadtheide früher die härteste Währung war und die Autos, die früher über den Rathausplatz und die Westernstraße fahren durften. - © MONTAGE: THOMAS LÖHRIG
Die Fotos der Gruppenmitglieder zeigen die Straßenbahn, die früher auch durch Elsen fuhr, die guten, alten Snobbies, die nicht mehr verkauft werden, die Polizei, als sie 1980 unangemeldete Film-Dreharbeiten in der Marienstraße stoppte, das Nuko Musikland, den "Heidedollar", der beim Schützenfest in der Stadtheide früher die härteste Währung war und die Autos, die früher über den Rathausplatz und die Westernstraße fahren durften. | © MONTAGE: THOMAS LÖHRIG

PADERBORN Du lebst schon lange in Paderborn, wenn...

Im Minutentakt tauschen NW-Leser ihre Erinnerungen auf der Facebook-Nostalgie-Seite aus

VON ANNIKA FALK

Paderborn. Wieder das leckere Eis von "Favretti" auf der Zunge spüren, sich freuen über die Berliner Weiße, die im Capitol per Knopfdruck bestellt werden konnte oder gemeinsam daran denken, wie man als Kind in den Ruinen der Kaiserpfalz spielte – den mehr als 1.100 Mitgliedern laufen bei diesenErinnerungen wohlige Schauer über den Rücken. In der Facebook-Gruppe "Du lebst schon lange in Paderborn, wenn..." tauschen sie sich aus.

In der Samstagsausgabe der NW

Die Resonanz ist überwältigend. Im Minutentakt schreiben die jungen und älteren Paderborner ihre Erinnerungen auf – der Älteste ist Jahrgang 1947. Sie erinnern sich: an Läden, die aus dem Stadtbild verschwunden sind. An Lehrer, die besonders waren. An Partynächte, die in Kneipen oder Diskotheken verbracht wurden, die längst nicht mehr so heißen wie in Jugendtagen.

60 Pfennig für drei Kugeln Eis

Holger Budde schreibt: "...wenn Du bei Schatka (jetzt Kreispolizeibehörde) einkaufen warst und Dich auch noch an den quergestreifeten Rot-Orange-Anstrich erinnerst." Birgit Grote hat sich damals beim Warten auf den Bus am Rathausplatz die Nase an der Schaufensterscheibe des Zoogeschäfts Schmandt plattgedrückt.

Information

Beteiligen auch Sie sich

Auch in den kommenden Wochen werden wir versuchen, die Erinnerungen der Nostalgiker, Melancholiker und all derer, die Paderborn einfach gern haben, in die Zeitung zu holen. Bestimmt können auch Sie etwas dazu beitragen. Denn es gibt viele tolle Erinnerungen an Paderborn, die es verdient haben, geteilt zu werden.
Posten Sie auf Facebook Ihre Fotos, Erinnerungen und Anekdoten rund um die Paderstadt. Natürlich geht es auch ohne Facebook. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit Betreff "Facebook" an paderborn@nw.de. Die schönsten Beiträge und Fotos stellen wir Ihnen vor.
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Ein anderes Mitglied kann sich noch gut an Erzbischof Hans-Josef Becker erinnern, als er Vikar und Religionslehrer war. Ein weiterer daran, dass er damals auf den Bundespräsidenten Gustav Heinemann bei Nixdorf an der Pontanusstraße gewartet hat.

Oder an die vierstellige Postleitzahl 4790. An die Zeit, als man noch mit dem Auto über die Westernstraße fahren konnte. Birgit Müller schreibt: "...du für 60 Pfennig noch drei Kugeln Eis bei Favretti gekauft hast."

Der "Liftboy" im Kaufhaus

Elke Fensome ist die Adventszeit im Gedächtnis geblieben: "Ich kann mich noch so gut an die schöne Adventszeit zum Ende der 70er Jahre mitten in der Einkaufsstraße erinnern, denn ein lang ansässiges Bekleidungshaus öffnete so gegen 17 Uhr über dem jetzigen Eingangsbereich ein großes Fenster und warf für die wartenden Kinder Geschenke runter. Das war für einige Jahre für mich als Kind immer ein sehr schönes Highlight."

Julio Costales erinnert an den Tante-Emma-Laden "Risse" im Riemeke. Marcel Kaup daran, dass er seine Elektrogeräte "bei Micus auf dem Kamp oder bei Beverungen am Domplatz" gekauft hat. Werner Freitag an einen Obdachlosen, der für "Hasse ma ne Mark?" Schillers "Die Kraniche des Ibykus" aufgesagt hat.

Wolfgang Seitz schreibt von der Zeit, "als im Kaufhof noch ein etwas älterer ,Liftboy’ beschäftigt war und den ganzen Tag auf seinem schwarzen Hocker in dem Fahrstuhl saß und die Kundschaft von oben nach unten und zurück beförderte."

Liebesbekenntnis zur Heimt

Neben den Erinnerungen kamen aber auch Fragen auf, etwa warum das Glockenspiel bei Klingenthal nicht mehr spielt. Die Beiträge gingen sogar bis hin zu Suchmeldungen nach aus den Augen verlorenen Schulfreundinnen.

Die "Du lebst schon lange in..."-Nostalgie hat neben Paderborn auch andere Städte erreicht: In Bielefeld (gestern 9.312 Mitglieder), Herford (4.566), Bünde (3.695) und anderen Städten laufen die Seiten ebenso gut. Großstädte wie Köln (158) und Berlin (38) haben dagegen noch etwas Nachholbedarf.

Man hätte es nicht gedacht: Ein modernes Medium, das den Ruf hat, dass dort junge Menschen ihre Zeit unnötig tot schlagen, hilft bei einem Liebesbekenntnis zur Heimatstadt. Und wie Wilfried Fuchs treffend feststellt: "Ist schon schön, in Erinnerungen zu schwelgen. Die Realität hat einen leider immer viel zu schnell wieder eingeholt."

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