Smoothie-Experte Holger Jensen schenkt den Initiatoren des Pader-Veggidays Eckard Müller und Franz-Josef Kotecki einen Mix aus Mango, Banane und Spinat ein. - © FOTO: FREDERIK GRABBE
Smoothie-Experte Holger Jensen schenkt den Initiatoren des Pader-Veggidays Eckard Müller und Franz-Josef Kotecki einen Mix aus Mango, Banane und Spinat ein. | © FOTO: FREDERIK GRABBE

PADERBORN Fleischgegner machen Dampf

Pader-Veggieday-Initiative wirbt für fleischfreien Tag in der Woche

VON FREDERIK GRABBE

Paderborn. Mit der Einführung eines fleischfreien Tages in der Woche wollen Paderborner Vegetarier und Veganer den Fleischkonsum drosseln - zugunsten des Klimas, des Tierschutzes oder der eigenen Gesundheit. Mit dem Pader-Veggieday soll die breite Masse angesprochen werden - am Ende steht, so die Hoffnung einiger Radikaler, die vegane Ernährung.

"Pader-Veggieday - Fleischfreier Donnerstag" heißt die Initiative, die den Menschen in Paderborn einen fleischfreien Tag in der Woche schmackhaft machen will. "Und wenn es ein Dienstag ist: Eigentlich ist es egal, an welchem Tag sie kein Fleisch essen", sagte Eckard Müller, einer der Initiatoren des Paderborner Veggiedays. In der Aula des Gymnasium Theodorianum referierten jetzt am Aktionstag der Initiative verschiedene Redner zum Thema fleischlose Ernährung. Ein Thema, das aktuell ist, wie die knapp 200 Interessierten in der übervollen Aula zeigten.

Weit gereist war etwa Silke Bott, Lehrerin aus Karlsruhe und Kampagnenleiterin des Vegetarierbundes (VeBu) für den Veggieday. "Umfragen haben ergeben, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen Massentierhaltung, Qualzuchten oder Tiertransporte ist", referierte Bott. Eigentlich ein guter Grund, um auf Fleisch zu verzichten. Dennoch tun es die meisten nicht. Nicht nur auf den Tierschutz wirke sich Fleischverzicht aus: "Um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen, braucht man 10 Kilo Getreide. Daraus könnte man ebenso 15 Kilo Brot backen - dass viel mehr Menschen ernährt", spielte Bott auf ungerechte Nahrungsmittel-Verteilung zwischen Erster und Dritter Welt an. Auch die eigene Gesundheit leide unter zu großem Verzehr von Fleisch: In Deutschland esse man knapp doppelt so viel, wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen (300-600 Gramm pro Woche). Die Folgen können sein: Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Störungen, Bluthochdruck oder Fettleibigkeit.

Information

Buchempfehlung

"Peace Food: Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt", von Rüdiger Dahlke, Gräfe und Unzer Verlag, 19,90 Euro.

China Study: Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise, von Thomas und Colin Campbell, Verlag Systemische Medizin, 29,90 Euro.

Warb Bott vor allem für den Verzicht auf Fleisch, ging dies Rüdiger Dahlke, Arzt, Psychotherapeut und Autor von Peace Food, ein Buch über vegane Ernährung, nicht weit genug. In seinem Vortrag legte er Ergebnisse von Studien dar, die Tierprotein generell, also auch Eier und Milch, als Ursachenherd für Krebserkrankungen, Diabetes und Osteoporose darstellten. Zu großen Milchkonsum etwa bringt Dahlke mit Diabetes Typ 2 in Verbindung.

Um dies zu untermauern, stellte er eine Studie vor, die die Zahl der Diabeteserkrankungen in Japan, wo man kaum Milch trinke, mit der in Finnland verglich, wo man international pro Kopf am meisten Milch verzehre. In Japan erkranken demnach deutlich weniger Menschen an diesem Diabetes-Typ. Auch sei das Osteoporose-Risiko bei jenen, die häufig Tierprodukte zu sich nehmen, deutlich höher als bei jenen, die sich vorwiegend pflanzlich ernähren.

"Das sagen Wissenschaftler - und keine Esotherik-Heinis", so Dahlke. Doch damit nicht genug: Burnout, Depression, Panikattacken - diese psychischen Krankheitsbilder gehen nach dem Mediziner auch auf Fleischkonsum zurück. Minutiös schilderte er das Leid von Tieren in Massentierhaltung und beim Schlachtvorgang: Hochsensible Schweine, die ihr Leben im eigenen Kot und Urin fristen müssen, Rinder, die bei Bewusstsein gehäutet und zerstückelt werden. "Bei der Schlachtung sind Tiere randvoll mit Angst- und Stresshormonen. Und deren Fleisch isst man." Kein Wunder, dass sich Panik, Apathie und Lethargie der Tiere auf den Menschen übertragen, leitete Dahlke her - dieses Mal ohne akademischen Befund. Vertreter von Landwirtschaftsverbänden würden bei solchen Worten wohl Sturm laufen.

Im Gegensatz zu seiner Vorrednerin ("Wir müssen tolerant gegenüber denen sein, die noch nicht so weit sind, sich fleischlos zu ernähren"), haute Dahlke öfter mal auf die Polemik-Pauke: Ein von der Decke hängender Parmaschinken sei ein "Leichenteil", Fleischesser bezeichnet er als Aasfresser von denen wegen der vielen Angsthormone im Fleisch ohnehin ein Drittel Psychiatrie landeten und die verantwortlich seien für den Hungertod von Unterernährten in Drittwelt-Ländern.

Ob mit solchen Rundumschlägen Menschen vom Vegan- oder Vegetariersein überzeugt werden können, ist fraglich. Letztendlich fühlte man sich aber doch angeregt, sich mit Ernährung auseinanderzusetzen - ob nun durch Polemik oder Argumente. Oder beides.

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