Stefan Werth (CDU-Stadtverband Paderborn), Ute Schäfer (SPD), Ingrid Pieper-von Heiden (FDP), Heinz Willi Räpple (Bildungsministerium Rheinland-Pfalz), Sigrid Beer (Grüne), Ralf Wesel-Linnemann (Schulpflegschaft Paderborn) und Anja Nostadt, Psychotherapeutin und Mitglied der Bonner Bürgerinitiative für familiengerechte Schule und Bildung (v. l.). - © FOTO: HOLGER KOSBAB
Stefan Werth (CDU-Stadtverband Paderborn), Ute Schäfer (SPD), Ingrid Pieper-von Heiden (FDP), Heinz Willi Räpple (Bildungsministerium Rheinland-Pfalz), Sigrid Beer (Grüne), Ralf Wesel-Linnemann (Schulpflegschaft Paderborn) und Anja Nostadt, Psychotherapeutin und Mitglied der Bonner Bürgerinitiative für familiengerechte Schule und Bildung (v. l.). | © FOTO: HOLGER KOSBAB

"Dieses Turbo-Abi wollen wir nicht"

Emotionale Diskussion um Schulzeitverkürzung im Pelizaeus-Gymnasium

VON HOLGER KOSBAB

Da Werth aufs Podium kam wie NRW zum Turbo-Abi, hatte er einen Bonus – ausbaden durfte es die FDP-Dame neben ihm. Die in Art und Aussehen ein wenig an die verantwortliche Ministerin Barbara Sommer erinnerte, sich ebenso den Zorn der Menschen auf sich zog und einfach nicht rechtfertigen konnte, weshalb das G8 gut für Kinder sei. Denen es die Chance raube auf das Erlernen eines Instruments, Sport und die Ausbildung sozialer Kompetenzen.

Bei solchen Vorlagen hatten die Vertreter von SPD und Grünen leichtes Spiel, zu punkten. Das G8 sei den völlig unvorbereiteten Schulen vor die Füße gekippt worden, kritisierte die Grünen-Schulexpertin, Sigrid Beer. Sie forderte, dass Schulen selbst entscheiden dürfen, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahren anbieten. Eltern würden zu Aushilfslehrern der Nation, um die Mängel wettzumachen. Lernen unter Druck führe nicht zu echten Lernerfolgen, monierte sie das "Fast-Food-Lernen".

Ute Schäfer, schulpolitische SPD-Sprecherin sagte, dass die CDU/FDP-Regierung zwar von der rot-grünen Vorgänger-Koalition einen G8-Plan vorgefunden habe. Jedoch habe es darin bis Klasse 10 keine Veränderungen gegeben. Diese habe Schwarz-Gelb vorgenommen. Schäfer forderte in der G8-Diskussion eine stärke Einbindung der Kommunen. Für die Wahlfreiheit – ob eine Schule verkürzt oder nicht – ist die Stadtschulpflegschaft und die Psychotherapeutin Anja Nostadt. Wie in Rheinland-Pfalz, das hatte Heinz Willi Räpple vom dortigen Bildungsministerium zuvor erklärt.

In Bonn ist Nostadt in einer Bürgerinitiative gegen das G8. Sie empfahl den Eltern, die G8-Entscheidung nicht hinzunehmen und sich in politische Entscheidungsprozesse einzumischen. "Es muss eine Veränderung geben und sobald wie möglich." Auch dürften sie die Erziehung der Kinder "nicht zu sehr aus der Hand geben". Jeder Schüler habe nur eine Bildungskarriere, die unter den chaotischen Abi-Verhältnissen leide. Nostadt habe in ihrer Praxis zunehmend Kinder und Jugendliche, die an Kopfschmerzen, Ein- und Durchschlafstörungen und anderen Problemen litten. "Schule darf nicht krank machen", sagte Beer. Unbekannt ist, ob die Schüler des Gymnasiums Schloß Neuhaus Kopfschmerzen haben. Schulleiter Bernhard Gödde jedenfalls nannte seine Schule als ein Beispiel dafür, dass es auch gut laufen kann.

Unabhängig davon brachte eine Mutter den Tenor des Abends am Ende auf den Punkt: "Die Politiker erkennen nicht, dass wir das G8 nicht wollen."

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group