Stefan Werth (CDU-Stadtverband Paderborn), Ute Schäfer (SPD), Ingrid Pieper-von Heiden (FDP), Heinz Willi Räpple (Bildungsministerium Rheinland-Pfalz), Sigrid Beer (Grüne), Ralf Wesel-Linnemann (Schulpflegschaft Paderborn) und Anja Nostadt, Psychotherapeutin und Mitglied der Bonner Bürgerinitiative für familiengerechte Schule und Bildung (v. l.). - © FOTO: HOLGER KOSBAB
Stefan Werth (CDU-Stadtverband Paderborn), Ute Schäfer (SPD), Ingrid Pieper-von Heiden (FDP), Heinz Willi Räpple (Bildungsministerium Rheinland-Pfalz), Sigrid Beer (Grüne), Ralf Wesel-Linnemann (Schulpflegschaft Paderborn) und Anja Nostadt, Psychotherapeutin und Mitglied der Bonner Bürgerinitiative für familiengerechte Schule und Bildung (v. l.). | © FOTO: HOLGER KOSBAB

"Dieses Turbo-Abi wollen wir nicht"

Emotionale Diskussion um Schulzeitverkürzung im Pelizaeus-Gymnasium

VON HOLGER KOSBAB

Paderborn. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte es sich so schön gedacht. In acht Jahren zum Abitur, wie in anderen Ländern Europas. Doch seit die Schulzeitverkürzung durch ist, ist vor allem eins klar. Das Turbo-Abi ist mit quietschenden Reifen angefahren worden, ohne Rücksicht auf Abrieb, ohne Spritqualität. Die meisten Eltern, Kinder – und Lehrer – waren und sind gegen das G8. Das ist das Resultat einer emotionalen Diskussion der Stadtschulpflegschaft am Mittwochabend.

Dabei konnten die meisten der mehr als 200 Zuhörer im Pelizaeus-Gymnasium gewisse Passagen nur mit schwarzem Humor oder Kopfschütteln ertragen. Was ihnen die schulpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Ingrid Pieper-von Heiden, zu erklären versuchte, war zunächst Kauderwelsch und später Herunterbeten von Stundentafeln oder Kernlehrplan-Details. "Ich möchte G8 nicht umsetzen, weil es an einigen Stellen hakt. Ich möchte, dass es nicht mehr hakt", sagte sie. Sie stehe zum G8, doch viele Schulen müssten sich an die neuen Pläne gewöhnen. Deren Umsetzung habe man den Lehrern zugetraut. Für solche Aussagen erntete sie lauten Spott von Lehrern – und Eltern. So laut, dass Moderator Peter Hasenbein, Lokalchef der Neuen Westfälischen, die Menge beruhigen musste.

Dem gegenüber standen so viele ernste Fragen von Ralf Wessel-Linnemann (Stadtschulpflegschaft Paderborn) und Rainer Eilermann (Pelizaeus-Schulpflegschaft) zum "Zwangs-Abi, das Kinder zu "Sklaven der Schulpolitik" mache. Etwa, ob eine 54-Stunden-Woche in der Mittelstufe sein müsse? Oder ob der zusätzliche Stress nötig sei? Wie sieht es mit der Durchlässigkeit für Schulformwechsler aus? "Kinder werden zu einem Experimentierfeld", so Eilermann.

"Prinzipiell ist die CDU für das G8 – und ich bin es auch", sagte Christdemokrat Stefan Werth vom Stadtverband Paderborn. Der Lehrer am Ludwig-Erhard-Berufskolleg war eingesprungen, weil kein CDU-Landespolitiker Zeit hatte. Schnell war ihm klar, dass es "keine leichte Veranstaltung" werde. Er selbst versuche, Spaß am Lernen auch in den Unterricht zu bringen, sagte Werth und gestand, unter Eltern "eine zum Teil aufgeheizte Stimmung wahrzunehmen". Auch wenn er glaube, dass Schüler nach zwölf Jahren reif wären fürs Studium, seien bestimmte Dinge beim G8 "im Hauruck-Verfahren durchgeboxt worden". Die Ergebnisse des Abends werde er der Düsseldorfer CDU präsentieren.

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