Auf die Auseinandersetzung am Bahnhof folgte der von der Polizei eskortierte Fußmarsch zum Stadion. Einige Berliner trugen Blaumann, weil eine der Wurzeln des 1. FC Union in einem Arbeiterviertel-Verein namens "Schlosserjungs" liegt. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Auf die Auseinandersetzung am Bahnhof folgte der von der Polizei eskortierte Fußmarsch zum Stadion. Einige Berliner trugen Blaumann, weil eine der Wurzeln des 1. FC Union in einem Arbeiterviertel-Verein namens "Schlosserjungs" liegt. | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Steine und Flaschen kontra Schlagstöcke und Reizgas

Polizei und Fans des 1. FC Union Berlin werfen sich wegen der Auseinandersetzungen beim Sonntag-Spiel gegenseitig aggressive Attacken vor

Paderborn (st). Die um 40 Minuten verspätete Zugabfahrt in Berlin um 7.20 Uhr tat der Stimmung am Sonntagmorgen keinen Abbruch. Eine entspannte Atmosphäre hätten sie in Paderborn erwartet und deshalb schon auf der Hinreise "gemütlich feiert". ,,Denn es gibt keine Feindschaft mit Paderborner Fans", sagt Lars Schnell. Doch nach der Ankunft des mit 800 Anhängern des 1. FC Union Berlin besetzten Sonderzuges am Sonntagmittag in Paderborn ging es ganz und gar nicht entspannt zu. Es ging so hart zur Sache, dass möglicherweise ein gerichtliches Nachspiel droht.

Lars Schnell (37), der Fan-Beauftragte des Drittliga-Spitzenreiters von der Spree, erhebt schwere Vorwürfe. Bei dem "massiven Polizeieinsatz" in Paderborn sei es zu ,,strafbaren Übergriffen" der Beamten gegen Anhänger der Berliner Mannschaft gekommen. Gezielt seien Schlagstöcke in Kopfhöhe eingesetzt worden, Pfefferspray sei direkt in die Gesichter von Fans gesprüht worden. Er selbst habe nur noch die Arme hochreißen können, um einen solchen ,,aus dem Nichts heraus" geführten Schlag abzuwehren, und sei dabei unsanft zu Boden gegangen, schilderte Schnell gestern im Gespräch mit der NW.

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Ein bei ihm stehender Polizeibeamter des Berliner Landeskriminalamtes aus der Einsatzgruppe Hooligans, der den Sonderzug begleitete, sei von einem knüppelnden Polizisten am Kopf verletzt verletzt worden. Dieser Beamte, der im Krankenhaus behandelt werden musste, habe inzwischen Strafanzeige gegen die in Paderborn eingesetzten Kollegen erstattet. Die Attacken sollen von einer Einsatzhundertschaft aus Bochum ausgegangen sein.

Der 1. FC Union und dessen Fan- und Mitgliederabteilung (FuMA) riefen gestern über die Internetseite des Vereins betroffene Fans auf, sich erlittene Verletzungen ärztlich attestieren zu lassen und Anzeige gegen unbekannt zu erstatten. ,,Zwischen 20 und 30 Fans" hätten inzwischen Fotos und Videos zwecks Dokumentation der Vorfälle zur Verfügung gestellt. Das Bildmaterial werde einem Rechtsanwalt übergeben, kündigte Lars Schnell an. Ein ähnlich brutaler Vorfall gegen ,,Unionisten" am Stadion in Chemnitz, der sich vor ein paar Jahren ereignete, habe zu einer Verurteilung beteiligter Polizisten geführt, sagte der Fan-Beauftragte.

Ulrich Krawinkel, Pressesprecher der Paderborner Polizei, lieferte eine völlig andere Version der brutalen Vorfälle am Bahnhof. Einsatzbeamte seien mit Steinen, Flaschen und Bierbechern beworfen worden. Gewalttätige Fans hätten versucht, über Zäune zu klettern, um auf die Polizisten loszugehen. Krawinkel: "Zum Schutz vor den gewalttätigen Übergriffen setzte die Polizei sowohl Schlagstöcke als auch Pfefferspray ein. Dabei zogen sich sowohl Polizeibeamte als auch Fans Verletzungen zu." Der Einsatz des Schlagstocks sei dabei "immer gegen den Oberkörper oder die Beine des Angreifers gerichtet" worden. Situationsbedingt habe aber nicht immer verhindert werden können, dass im Einsatzgeschehen auch Schläge gegen den Kopf erfolgten. Vorwürfe wie die von Lars Schnell, wonach Beamte gezielt gegen Köpfe von Fans geschlagen haben sollen, entbehrten "jeglicher Grundlage".

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