Bekenntnis zur Willkommenskultur: Martin Strätling und Gisela Weitekamp von MiCado. - © Flüter/Caritasverband Paderborn
Bekenntnis zur Willkommenskultur: Martin Strätling und Gisela Weitekamp von MiCado. | © Flüter/Caritasverband Paderborn

Paderborn MiCado fordert: Flüchtlinge nicht in zwei Klassen einteilen

Neue Herausforderungen: Caritas-Migrationsdienst MiCado legt Jahresbericht vor

Paderborn. Ein Ausrufzeichen hinter dem Wort "Welcome" - "Willkommen" - bestimmt den Titel des neuen Jahresberichts von MiCado, dem Caritas-Fachdienst für Integration und Migration. Damit reagiert MiCado auf den Stimmungsumschlag in der öffentlichen Wahrnehmung von Flüchtlingen. An der Willkommenskultur in der Arbeit des Fachdienstes hat sich jedoch nichts geändert, betont Leiter Martin Strätling. "Wir heißen alle Zuwanderer willkommen", sagt Martin Strätling. "Das gilt für Menschen, die ihren neuen Lebensmittelpunkt auf Dauer in Deutschland gefunden haben, und für jene, deren Bleibeperspektive ungünstig ist." MiCado kritisiert die Einteilung von Menschen nach Bleibeperspektive. "Das schafft Flüchtlinge erster und zweiter Klasse. Das ist aus unserer Sicht kein menschenwürdiger Umgang mit den Betroffenen", betont Martin Strätling. "Die neuen Herausforderungen waren für MiCado nur zu stemmen, weil es eine breite Unterstützung durch die Stadt und den Kreis Paderborn gegeben hat", betont Friedhelm Hake, Bereichsleiter Soziale Dienste im Caritasverband. Politik, Verwaltung, Kirchen, Ehrenamt und freie Träger hätten erhebliche Anstrengungen unternommen, um Flüchtlingen ein neues Zuhause zu schaffen: "Darauf können wir alle zu Recht stolz sein." MiCado hat sich verstärkt um die langfristige Integration der geflüchteten Menschen gekümmert. "Viele Probleme der Flüchtlinge sind erst dann deutlich geworden, als die unmittelbare Erstversorgung nicht mehr alle Kräfte absorbierte", sagt die stellvertretende MiCado-Leiterin Gisela Weitekamp. Themen wie Schule, Ausbildung und Beruf, Gesundheitsprobleme oder die Suche nach Wohnungen rückten in den Vordergrund. Die Unterstützung vieler Ehrenamtlicher war dabei unverzichtbar. "Die Menschen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren, haben sich nicht von dem Stimmungswechsel in den Medien, der Politik und Teilen der Bevölkerung beeindrucken lassen", hält Gisela Weitekamp fest. Mehrere Dienste wie die Beratungsstelle für Flüchtlinge und das Psychosoziale Zentrum (PSZ) wurden personell ausgebaut. Dies war nur durch die Unterstützung von Stadt und Kreis Paderborn sowie durch einen erneuten Personalkostenzuschuss des Landes NRW möglich. Einen festen Platz hat der Sprachmittlerpool CariLingua in der Integrationslandschaft in Stadt und Kreis Paderborn eingenommen. In der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) Rüthen hilft MiCado Bewohnern mit einer Verfahrensberatungsstelle, dem Dezentralen Beschwerdemanagement und einer Betreuung für Frauen. MiCado kritisiert die Praxis, Flüchtlinge bis zu zwei Jahre in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen unterzubringen. "Die Kinder können dort keine Schule besuchen, es gibt keinen Zugang zu Sprachlern- und Qualifizierungsangeboten", beschreibt Gisela Weitekamp die Situation. "Hier wird wertvolle Zeit vergeudet, die für die Integration genutzt werden könnte." Der Jahresbericht mit vielen Fakten, Porträts und Hintergrundberichten kann unter micado@caritas-pb.de bestellt werden.

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