Rund 50.000 Euro sollen in Paderborn in die frühkindliche Bildung im digitalen Bereich fließen. - © picture alliance / Hans Wiedl/dpa-Zentralbild/ZB
Rund 50.000 Euro sollen in Paderborn in die frühkindliche Bildung im digitalen Bereich fließen. | © picture alliance / Hans Wiedl/dpa-Zentralbild/ZB

Paderborn Diskussion um Tablets für Kita-Kinder

Kontroverse: Die Stadt soll Geld für frühkindliche Medienpädagogik bereit stellen. 
Was CDU und FDP befürworten, halten Gegner sogar für gefährlich

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Die neueste Paderborner Leitidee der „Digitalen Stadt" soll auch bei den jüngsten Paderbornern ankommen: Mehrheitlich sprach der Jugendhilfeausschuss dem Stadtrat die Empfehlung für ein Projekt namens „Kita Digital" aus. Auf Vorschlag von CDU und FDP sollen 50.000 Euro für „frühkindliche Bildung im Bereich digitaler Medien", so die Formulierung im Antrag, bereit gestellt werden. Kitas sollen Fördermittel für entsprechende medienpädagogische Projekte beim Jugendamt beantragen können, das diese dann bewertet und bei grundsätzlicher Eignung dem Jugendhilfeausschuss zur Genehmigung vorlegen soll. Das Vorhaben stieß im Ausschuss allerdings auch auf heftige Kritik. Claudia Steenkolk (SPD) sprach von einem Schnellschuss und plädierte dafür, „erst Mal das Fachpersonal zu hören". Kinder im Kindergartenalter sollten in erster Linie soziale Kompetenzen erlernen, und zwar im direkten Miteinander. Im Kindergarten habe das nichts zu suchen Das gehe nicht mit einem Tablet. Steenkolk: „Das sollte man, wenn überhaupt, im Rahmen eines Gesamtkonzeptes zur Digitalisierung in der Stadt besprechen." Brigitte Tretow-Hardt (Grüne) hielt die Beschäftigung mit Tablets für erst im höheren Kindesalter für angemessen. Auch Roswitha Köllner (Linksfraktion) urteilte: „Digitalisierung hat im Kindergarten nichts zu suchen." Sie bezog sich auf neuere wissenschaftliche Erkenntnisse der Gehirnforschung. In die gleiche Richtung argumentierte Shmuel Rubens (Jüdische Kultusgemeinde). Er fand zu einer noch drastischeren Bewertung: „Der Einfluss der Geräte auf die Entwicklung der jungen Gehirne ist fatal. Das wäre ein Verbrechen an den Kindern." Holger Budde (CDU) versuchte, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Gerade wegen der angesprochenen Gefahren sollten Kinder doch lernen, mit der Technik umzugehen. Außerdem sehen wir uns dann ja jedes einzelne Projekt genau an." Sein Fraktionskollege Georg Ortwein hielt es für unnötig, vorher Fachexpertisen einzuholen. Man erkenne ja am Antragsverhalten, ob das Personal in den Kitas in dem Programm einen Sinn sähen. Abwägend formulierte am Ende auch Sozialdezernent Wolfgang Walter seine Sicht: „Medienpädagogik gehört zum Auftrag unserer Erziehungseinrichtungen. Es liegt in unserer Verantwortung, uns die entsprechenden Konzepte anzusehen. Die Entscheidung liegt dabei am Ende beim Ausschuss."

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