Männer öfter im Vergleich mehr Firmen als Frauen. - © picture alliance / Bildagentur-online
Männer öfter im Vergleich mehr Firmen als Frauen. | © picture alliance / Bildagentur-online

Paderborn Worin sich Männer und Frauen bei der Firmengründung unterscheiden

Gleichstellungskommission: Wirtschaftsförderer Wolters erläutert die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Existenzgründern

Svenja Ludwig

Paderborn. Endlich der eigene Chef sein oder das Hobby zum Beruf machen - den Traum von der Selbstständigkeit haben viele Menschen. Trotzdem ist Existenzgründung weitgehend Männersache. "Aus der Beratungspraxis wissen wir, dass die unterschiedlichen Geschlechter verschieden mit dem Thema Existenzgründung umgehen", informierte Frank Wolters, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, in der Sitzung der Gleichstellungskommission der Stadt Paderborn im Technologiepark. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft steht Firmengründern und -inhabern bei allen Etappen des Unternehmens zur Seite: Von der bloßen Idee bis zum Finanzierungskonzept, von der Fördermittelaquise bis zur Expansion, in Krisenzeiten und auch bei der Nachfolgeregelung. Ein großer Unterschied zwischen Mann und Frau zeige sich laut dem Experten im Kommunikationsverhalten im Rahmen des Beratungsgesprächs: "Frauen gehen wesentlich offener mit kritischen Fragestellungen um, während Männer sich bestätigt wissen wollen." Unterschiede in der Biografie Der Prozentsatz derjenigen, die sich überhaupt beraten lassen, bekräftige diesen Eindruck. Während hauptsächlich Männer Firmengründer würden, nähmen weit mehr Frauen im Vorfeld ein Gespräch in Anspruch, in der Domstadt etwa 90 pro Jahr. "Das hat mit der Wahrnehmung von Beratung zu tun", sagte Wolters. Das "starke" Geschlecht mache Dinge lieber selbst falsch, als sich schlecht beraten zu lassen, wie der Wirtschaftsfachmann versicherte. Eine weitere Ursache für die Ungleichheit sei in der Erwerbsbiografie zu sehen. Da Frauen meistens in abhängigen Arbeitsverhältnissen tätig seien, hätten sie Schwierigkeiten, sich Führungswissen und -kompetenzen anzueignen. "Männer können diese Erfahrungen leichter im Berufsleben machen", erläuterte Wolters. Auch die Lebensumstände spielten eine Rolle. Bei hoher Arbeitslosigkeit käme es vermehrt zu Existenzgründungen, bei guter Konjunktur seien es die, die aufgrund der eigenen Fähigkeiten wirklich selbstständig sein wollten. Ein spezielles Thema für die Frau sei zudem der Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Erziehungspause. "Da machen sich Damen oft Teilzeitselbständig", weiß Wolters. Ein wesentlicher Faktor bei der Selbstständigkeit von Frauen ist deren Herkunft. Migrantinnen seien überproportional vertreten. "Im Verhältnis 2,5-mal so oft", so Wolters. Gründungen oft in der IT-Branche Für den Experten, der nach eigener Aussage kein Freund von Statistiken sei, sage das aber wenig aus. "Heißt das, dass Migrantinnen schlauer oder mutiger sind?", fragte Wolters und fuhr fort: "Ich glaube, nein. Bei Frauen mit Migrationshintergrund können wir davon ausgehen, dass die Existenzen aus der Not heraus gegründet wurden." Diese Unternehmen seien überwiegend prekärer Natur. In Paderborn bewegten sich etwa 95 Prozent der Firmengründungen im Dienstleistungssektor, was dem bundesweiten Bild entspricht. Im ostwestfälischen Silicon Valley sind das häufig IT- oder Technologieunternehmen. Das seien Branchen, in denen Männer traditionell überrepräsentiert seien, schloss Wolters.

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