Padersprinter: Ältere Diesel-Fahrzeuge der Paderborner Flotte werden nach und nach umgerüstet, um gesundheitsschädliche Stickoxid-Emissionen zu senken. FOTO: PADERSPRINTER - © padersprinter
Padersprinter: Ältere Diesel-Fahrzeuge der Paderborner Flotte werden nach und nach umgerüstet, um gesundheitsschädliche Stickoxid-Emissionen zu senken. FOTO: PADERSPRINTER | © padersprinter

Wirtschaft Padersprinter: Diesel-Busse in Paderborn werden sauberer

Padersprinter rüstet um und senkt den Stickoxid-Ausstoß auf minimale 0,1 Gramm pro Kilometer

Andrea Frühauf

Paderborn. Nicht nur in Großstädten wie Stuttgart oder München drohen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Auch in Bielefeld und Paderborn werden zu viele Stickoxide ausgestoßen. Der Verkehr ist laut Umweltbundesamt insgesamt für gut 60 Prozent der Stickoxidbelastung in den Innenstädten verantwortlich. Der Bund will die Umrüstung von Stadtbussen mit 150 Millionen Euro fördern. Paderborn sieht die Nachrüstung von Diesel-Bussen im ÖPNV mit Abgasbehandlungssystemen als „einen wichtigen Schwerpunkt". Peter Bronnenberg, seit gut 20 Jahren Geschäftsführer von Padersprinter, dem städtischen Bussystem in Paderborn, lässt aktuell 15 Diesel-Busse mit den Abgasnormen Euro IV und V „auf besser als Euro VI" umrüsten, wie er dieser Zeitung sagt. Im nächsten Jahr sollen „so früh wie möglich weitere 14 Fahrzeuge dazu kommen". Und der Ingenieur betont: „Pro Bus sparen wir so fast eine Tonne NOx (Stickoxid) pro Jahr ein." Dabei verweist er auf wissenschaftliche Untersuchungen. Seitenhieb für Autobauer Zwei Gelenkbusse wurden bereits umgerüstet. Ralph Pütz, Professor und Spezialist für Nutzfahrzeugforschung und Abgasanalytik an der Hochschule Landshut, hat den Stickoxid-Ausstoß im Realbetrieb auf der Straße gemessen. Das Ergebnis: Der Ausstoß sank auf minimale 0,1 Gramm pro Kilometer. Sein Fazit: „Was aus dem Auspuff des Busses kam, war sauberer als die Umgebungsluft." Bei guten Diesel-Neufahrzeugen liegt der NOx-Ausstoß laut Bronnenberg bei 0,3 bis 0,4 Gramm pro Kilometer. Pütz lobt Bronnenberg in höchsten Tönen. Er kritisiert Autohersteller, die sich davor drückten, Diesel-Pkw technisch mit Hardware umzurüsten und scheinheilig auf mehrjährige nötige Tests verwiesen, weil sie lieber neue Autos verkauften. „Busunternehmen machen das auf eigene Kappe", sagt Pütz nüchtern. Für Pkw schätzt er die Umrüstungskosten auf 3.000 Euro. „Ich kenne vier Anbieter, die das können, darunter zwei deutsche Unternehmen." Namen nennt Pütz aus Wettbewerbsgründen nicht. Bielefeld sucht Fördermöglichkeiten für Brennstoffzellentechnik Der Padersprinter-Chef lässt seine Flotte (rund 100 Busse) auf neueste Harnstofftanks umrüsten. Die Technik kaufte er von dem finnischen Technologieunternehmen Proventia, mit dem gemeinsam ein innovatives SCRT-System, das auch im schwierigen Innenstadtverkehr die Schadstoffe PM (Feinstaub) und NOx effizient aus dem Abgas entferne, in einen Bus eingebaut wurde. Das System wandelt mithilfe eines Harnstoff-Wasser-Gemischs (AdBlue) die Stickoxide in den Abgasen in Wasser und harmlosen Stickstoff um. Dafür wird ein spezieller Katalysator in das Fahrzeug eingebaut, das Harnstoff-Wasser-Gemisch muss getankt werden. NOxBuster City funktioniere mit gewöhnlichem AdBlue, das überall an Tankstellen erhältlich sei, heißt es bei Proventia. Keine E-Busse geplant Bronnenberg, der den Kauf von E-Bussen derzeit nicht erwägt („zu viele unproduktive Stunden durch erforderliches Nachladen"), die Entwicklung aber weiter beobachten will, sieht für die Umrüstung auch Kostenvorteile. Das Nachrüstsystem im Rundum-Sorglos-Paket gebe es für 20.000 Euro, der neueste Euro-VI-Bus koste dagegen rund 400.000 Euro. Sprich: „Für die Beschaffung eines neuen Fahrzeuges können wir 20 ältere Euro-V-Busse auf den weltweit saubersten Stand bringen." In Bielefeld haben nach Angaben der Stadtwerke 69 der 100 moBiel-Busse die Abgasstufe Euro VI. MoBiel werde sich bemühen, unter anderem durch Fördergelder, die gesamte Busflotte bis Ende 2019 mit dem Euro-6-Standard auszustatten, so eine Sprecherin. Auch bemühe sich moBiel weiterhin um eine Förderung zum Kauf von Bussen mit Brennstoffzellentechnik. Die Stadt Bielefeld hatte bereits im April bei der EU einen Antrag auf Förderung für die Umrüstung der Buslinie 29 auf Brennstoffzellentechnik gestellt. Diesem Antrag wurde nicht entsprochen, so dass nun nach neuen Fördermöglichkeiten Ausschau gehalten werde.

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