Kurze Wege: Online über Handys oder Tabletts sind Sportwetten jederzeit und immer machbar. - © Andreas Zobe
Kurze Wege: Online über Handys oder Tabletts sind Sportwetten jederzeit und immer machbar. | © Andreas Zobe

Paderborn Suchtpotenzial: Sportwetten stellen Risiko besonders für junge Menschen dar

Im Bereich Glücksspiel nimmt die Suchtgefahr beim Wetten auf Sportereignisse bei jungen Leuten immer mehr zu. Ständige Verfügbarkeit als großes Problem

Hartmut Kleimann

Paderborn. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Die Domstadt Paderborn liegt auf Landesebene im Bereich des Glücksspielangebots an dritter Stelle. Dominik Neugebauer, Leiter der Suchtkrankenhilfe des Caritasverbandes Paderborn, hat dafür sogar Zahlen parat. In 55 Spielhallen hängen in Paderborn 704 Geräte. So kommt auf 210 Einwohner ein Gerät und jährlich wandern so in der Stadt knapp 20 Millionen Euro in die kleinen Schlitze der Automaten. Ein anderer Trend, der angesichts großer Risiken ebenso immer weiter zunimmt, ist das Wetten auf Sportereignisse. So hat der Bremer Psychologe Tobias Hayer erforscht, dass ähnlich wie beim Alkoholkonsum auch bei den Sportwetten die Sportvereine ein Umfeld für ein problematisches Verhalten sind. Jugendliche, die selbst hinter den Ball treten, kokettieren mit einem gewissen Sachverstand bei ihrem Sport. „Aber die vermeintliche Kompetenz der Sportler ist ein Trugschluss", sagt auch Kathrin Waninger von der Landeskoordinationsstelle Glücksspielsucht NRW. Valentina Beckin, Fachkraft bei der Suchtprävention in Paderborn, sieht ein großes Übel in der „ständigen Verfügbarkeit im Internet". Jeder besitze heute ein Handy, „jeder hat eine App und auf irgendetwas tippen ist schon fast normal. Weil es jeder macht", sagt sie. Dabei falle das Wetten auf Sportereignisse auch unter das Jugendschutzgesetz und dürfe erst ab 18 Jahren betrieben werden. „Und längst nicht alle Anbieter nehmen den Jugendschutz ernst", merkt Neugebauer an. Somit sei ein 100-prozentiger Jugendschutz im Internet nicht machbar. "Sobald Geld ins Spiel kommt, sollte man die Finger davon lassen" Eine weitere Gefahr entstehe auch durch den hemmungslosen Umgang mit den neuen Medien. „Es gibt kein Problembewusstsein mehr", stellt Neugebauer im Alltag immer häufiger fest. Vor allem wenn dann Prominente wie Ex-Nationalkeeper Oliver Kahn ihren Namen und gleichzeitig ihren guten Ruf für große Wettanbieter hergeben. Das verleiht einem Risikogeschäft einen seriösen Touch, obwohl gerade die Livewetten alles andere als sicher sind. Gibt es dann mal ein Gewinnerlebnis, was ohne Zweifel vorkommt, löst das eine gewisse Euphorie aus. Und die Experten der Suchtberatung wissen sehr wohl, dass die meisten erwachsenen Spielsüchtigen schon in jungen Jahren mit solchen Dingen in Berührung gekommen sind. So appelliert auch Vera Seefeld, Dipl. Sozialpädagogin bei der Suchtberatung Paderborn an alle Eltern, ganz genau hinzuschauen, was die Kinder und Jugendlichen mit ihren Handys machen. „Das sollten sie einfach gut im Blick haben!" Wie wichtig so ein Appell ist, belegen die Experten einmal mehr mit Zahlen, als sie ein Fallbeispiel nennen, bei dem ein 26-jähriger Angestellter bei einem privaten Wettanbieter in einem Monat einen Einsatz von 9.218 Euro hatte. Bei einem Gewinn von 2.857 Euro blieb am Ende eine Verlust von stattlichen 6.271 Euro. Ohne Zweifel ein Fall, der mit jeder Menge Suchtpotenzial verbunden ist. „Das Thema Glücksspielsucht gibt es seit vielen Jahren", bietet die Suchthilfe Paderborn auch seit geraumer Zeit ambulante und stationäre Therapien an. Ebenso wichtig aber ist die Prävention. „Die Schulen sind ein guter Kooperationspartner und eine Zusammenarbeit mit den Sportvereinen ist ein Ziel, das wir uns gesetzt haben", erläutert Neugebauer. Aber auch in anderen Bereichen ist noch Luft nach oben. So werde in Hessen bereits ein Programm praktiziert, mit dem sich Personen aus Selbstschutz für Glücksspiele und Spielhallen sperren lassen können. „In NRW sind wir leider noch nicht so weit", kritisiert Neugebauer. Zudem gebe es auch seitens der Politik Bestrebungen, den Abstand zwischen den einzelnen Wettanbietern und Spielhallen festzulegen. „Dann müssten sicher einige Anbieter ihren Laden schließen", ist er überzeugt. Alles in allem sind dies aber Maßnahmen, die den Bereich der Sportwetten über das Internet überhaupt nicht erreichen. Aufklärung bleibt also das A und O. Das Bewusstsein für Probleme schärfen und den richtigen Umgang mit neuen Geräten lernen. Dafür hat Valentina Beckin einen ganz wertvollen Tipp parat: „Gegen Spielen ist ja nichts einzuwenden. Das ist sogar okay. Nur sobald Geld ins Spiel kommt, sollte man die Finger davon lassen."

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