Im Diesseits verwurzelt: Helmut Blomenkemper wünscht sich, dass die Gesellschaft säkularer wird. In Paderborn hat er mit Bianca Schröder den Humanistischen Stammtisch ins Leben gerufen. - © Birger Berbüsse
Im Diesseits verwurzelt: Helmut Blomenkemper wünscht sich, dass die Gesellschaft säkularer wird. In Paderborn hat er mit Bianca Schröder den Humanistischen Stammtisch ins Leben gerufen. | © Birger Berbüsse

Paderborn Humanisten wollen im katholischen Paderborn Fuß fassen

Helmut Blomenkemper möchte die Vereinigung in Paderborn etablieren und säkularen Menschen eine Plattform bieten. Ein sinnvolles Leben ohne Religion sei möglich

Birger Berbüsse

Paderborn. Vom Glauben zum Wissen: Helmut Blomenkemper wuchs in einem katholischen Elternhaus auf und schaffte es als Jugendlicher sogar zum Obermessdiener. Doch er machte sich zunehmend Gedanken über den Glauben und entfremdete sich vom Christentum, bis für ihn mit etwa 20 Jahren feststand: „Das kann ich nicht mehr ernst nehmen." Er trat aus der Kirche aus. Schließlich entdeckte er für sich den humanistischen Ansatz und sagt: „Wir müssen uns am Diesseits ausrichten." Als Mitglied des Humanistischen Verbands (HVD) will Blomenkemper diesen nun in Paderborn etablieren und säkularen Menschen eine Plattform bieten. „Wir wollen zeigen, dass es einen Gegenentwurf für ein ethisch-moralisch sinnvolles Leben gibt, ohne einer Religionsgemeinschaft angehören zu müssen", sagt der 63-jährige Delbrücker. Im Humanistischen Verband treffen und organisieren sich nach eigenen Angaben Menschen, die ein selbstbestimmtes Leben nach eigenen Bedürfnissen und Wünschen leben wollen. Im Diesseits statt im Jenseits leben Sie vertrauen nicht auf ein Jenseits und göttliche Anweisungen, leben stattdessen im Diesseits und sehen die Menschheit für sich selbst verantwortlich. Der Humanistische Verband ist eine anerkannte Weltanschauungs-Gemeinschaft und als Körperschaft des öffentlichen Rechts den Kirchen gewissermaßen gleichgestellt. Er sieht sich als Interessensvertretung konfessionsfreier Menschen. Warum das wichtig ist, erklärt Helmut Blomenkemper so: „Es gibt immer noch eine deutliche Benachteiligung nicht-religiöser Menschen." Und das, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung laut dem Statistischen Bundesamt mittlerweile 34 Prozent ausmache und damit höher liegt als der Anteil katholischer oder evangelischer Menschen. Als Beispiel nennt der pensionierte Betriebswirt etwa das Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen: Viele Menschen würden keinen Arbeitsplatz finden, da sich die Kirchen in diesen Bereichen in großem Umfang als Träger engagieren. Selbstbestimmung am Lebensende In den Medienräten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien nicht-religiöse Bürger bislang nicht vertreten. Besonders wichtig ist dem zweifachen Vater auch die Selbstbestimmung am Lebensende: „Da wurden lange Zeit nur die Kirchen gehört, die bestimmte Vorstellungen nicht zugelassen haben." Daraus folgert Blomenkemper: „Wenn nicht-religiöse Menschen wollen, dass sich das ändert, dann ist es sinnvoll, sich zu organisieren." Doch der Humanistische Verband bietet noch mehr: Auch ohne Religion wollten viele Menschen die „Feierkultur" aufrecht erhalten, weiß Blomenkemper. So gibt es Namens- und Jugendfeiern, Hochzeiten und spezielle Redner für Beerdigungen, um diese Lebensereignisse in angemessener Weise in säkularem Rahmen zu begehen. Humanisten in OWL "wachsen deutlich" Von den 15.000 Mitgliedern des Verbandes leben 1.000 in NRW. In Ostwestfalen-Lippe gebe es angesichts von nur 60 bis 70 Mitgliedern zwar noch Nachholbedarf. „Wir wachsen aber deutlich", sagt Blomenkemper. Weil sich zuletzt immer häufiger Menschen aus Paderborn im Umfeld der Bezirksgemeinschaft Bielefeld/OWL engagierten, wagt der Verband nun den Schritt in die katholisch geprägte Stadt. Den Anfang machen Helmut Blomenkemper und seine Mitstreiterin Bianca Schröder mit einem Stammtisch-Angebot. Das erste Treffen sei bereits „sehr vielversprechend" gelaufen, berichtet Blomenkemper. Etwa 12 bis 15 Paderborner seien ins Café Röhren gekommen, um sich über den Verband zu informieren und über ihre Beweggründe und Anliegen ins Gespräch zu kommen. Blomenkemper hofft, dass es beim nächsten Treffen vielleicht sogar noch mehr sein könnten. „Wenn wir etwa sechs Aktive zusammenbekommen, kann ich mir vorstellen, dass wir auch in Paderborn Veranstaltungen organisieren", sagt der pensionierte Betriebswirt. Dazu gehören etwa Vorträge und Diskussionsveranstaltungen. Der zweite Humanistische Stammtisch Paderborn findet am Sonntag, 10. Dezember, um 15 Uhr im Café Röhren statt.

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