Präsentieren die Spielutensilien: Petra Welsing und Alfons Vollmer vom TV 1875 Paderborn haben sichtlich Spaß am schnellen Showdown-Sport. Die Dunkelbrille sorgt für Chancengleichheit bei Spielen zwischen sehbehinderten und sehenden Sportlern. - © Marc Köppelmann
Präsentieren die Spielutensilien: Petra Welsing und Alfons Vollmer vom TV 1875 Paderborn haben sichtlich Spaß am schnellen Showdown-Sport. Die Dunkelbrille sorgt für Chancengleichheit bei Spielen zwischen sehbehinderten und sehenden Sportlern. | © Marc Köppelmann

Paderborn Showdown-Spieler vom TV Paderborn treten in der 1. Bundesliga an

Team startet künftig als SG Moers/Paderborn

Werner Schulte

Paderborn. Im Untergeschoss des Sportzentrums im Goldgrund rasselt ein sechs Zentimeter dicker Ball im Affenzahn über den 3,66 Meter langen und 1,22 Meter breiten Tisch. Das Spielgerät ist mit Eisenkügelchen gefüllt, damit es auch gehört wird. Petra Welsing und Alfons Vollmer, die sich drei Mal die Woche im Domizil des TV 1875 Paderborn zum Training treffen, sind blind und betreiben die Sportart Showdown, auch Tischball oder Blinden-Tischtennis genannt. Ein inklusiver Sport für sehbehinderte und sehende Zeitgenossen, der in den 60er-Jahren in Kanada als Reha-Sport für Blinde erfunden wurde, anschließend über Holland nach Europa schwappte und seit etwa zehn Jahren auch in Deutschland betrieben wird. An beiden Enden des Showdown-Tisches, der von einer 14 Zentimeter hohen Bande umgeben ist, sind Tore eingelassen. Die gilt es zu treffen, indem der Ball mit einem 30 Zentimeter langen Schläger unter dem Mittelbrett, das eine Durchlasshöhe von zehn Zentimetern aufweist, zum Ziel in die Hälfte des Gegners befördert wird. Beide Spieler tragen eine Dunkelbrille. Damit ist die Chancengleichheit zwischen Sehbehinderten und Sehenden gewährleistet. Schutzhandschuh soll Verletzungen vorbeugen Ein an der Schlaghand getragener Schutzhandschuh soll Verletzungen vermeiden. Jede Partie besteht aus zwei Gewinnsätzen, jedes Tor wird mit zwei Punkten belohnt, gezählt wird bis elf. Wenn der Ball das Mittelbrett berührt oder den Tisch verlässt, erhält der Gegner einen Zähler. Vor drei Jahren haben auch Welsing und Vollmer die inklusive Sparte für sich entdeckt. In diesem Zeitraum hat sich bereits einiges bewegt. "Im Juli haben wir ein Zweitliga-Turnier mit vier Teams gewonnen und sind dann in die erste Bundesliga aufgestiegen", verrät Vollmer. Im Oberhaus starten die hiesigen TVer künftig mit einem Fusions-Team als Spielgemeinschaft (SG) Moers/Paderborn. Laut Reglement muss in jeder Mannschaft mindestens eine Frau vertreten sein. "Die Männer sind uns natürlich kräftemäßig überlegen", sagt Petra Welsing, die inzwischen auf Platz 53 der Weltrangliste geführt wird. Dort ist Vereinskollege Vollmer die aktuelle Nr. 70, nachdem auch er bei internationalen Turnieren in Holland oder Italien schon fleißig Punkte gesammelt hat. Die nächste Chance steht schon vor der Tür, denn im Januar 2018 geht's zu einem Wettkampf nach Finnland. Insgesamt frönen zurzeit acht Personen beim TV 1875, der auch den ersten Spieltisch finanzierte, der Sportart Showdown. Vor wenigen Wochen herrschte bei allen Beteiligten große Freude, als sich die Frauen vom Inner Wheel Club Paderborn bereit erklärt hatten, die Kosten für einen zweiten Spieltisch zu übernehmen. Für einen solchen sind immerhin 1.800 Euro fällig. Mitstreiter werden gesucht Deshalb könnte die Showdown-Abteilung des Vereins jetzt gut noch ein paar Mitstreiter verkraften. Vor allem an sehenden Menschen mangelt es noch gewaltig. Zudem suchen Vollmer und Co. zurzeit händeringend nach Schiedsrichtern, die dringend benötigt werden. "Das müssen aber ausnahmslos sehende Personen sein", sagt Vollmer, der in Kürze gern neue Gesichter im Sportzentrum des TV 1875 Paderborn im Goldgrund begrüßen würde. Trainiert wird dort an jedem Dienstag und Freitag zwischen 14.30 Uhr und 17 Uhr sowie samstags von 12 bis 14 Uhr.

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