Helfer vor Ort: Reinhard Graumann, Verkehrssicherheitsberater, Polizeihauptkommissar Thomas Samuel, Notfallärztin Adelheid Spils ad Wilken, Polizeioberkommissar Andreas Drost, Ralf Schmitz, Leiter der Feuerwehr und Notfallseelsorgerin Sabine Schmitz. - © Mareike Gröneweg
Helfer vor Ort: Reinhard Graumann, Verkehrssicherheitsberater, Polizeihauptkommissar Thomas Samuel, Notfallärztin Adelheid Spils ad Wilken, Polizeioberkommissar Andreas Drost, Ralf Schmitz, Leiter der Feuerwehr und Notfallseelsorgerin Sabine Schmitz. | © Mareike Gröneweg

Paderborn 50. Paderborner Crashkurs für sicheres Fahren

Mit abschreckenden Beispielen: Die Polizei schult zum 50. Mal zwischen 350 und 400 Schüler. Ziel ist das umsichtige Verhalten im Straßenverkehr

Mareike Gröneweg

Paderborn. Die Bilder schockieren: Autos, die vor Bäume geprallt sind, die völlig demoliert im Graben oder überschlagen auf der Straße liegen. Solch dramatische Motive projiziert die Polizei an die Wand der Maspernhalle. Der Grund: Sie will Jugendliche zu verantwortungsbewusstem Fahrverhalten erziehen. Es sind reale Bilder von zerbeulten Autos, von blutigen Unfallopfern. Erzählt werden dazu die persönlichen Geschichten, die hinter jedem Bild stecken. Zwischen 350 und 400 Schüler des Ludwig-Erhard Berufskollegs waren bei der 50. Auflage des Crashkurses im Kreis Paderborn  dabei. „Es war sehr interessant, von echten Fällen zu hören und auch, wie es den Polizisten dabei geht", resümiert die 19-jährige Birte Röttger. „Die heftigen Bilder zu zeigen, finde ich richtig. Man sollte abgeschreckt werden."Die meisten Schüler gehen abgeklärt und cool in die Veranstaltung und sind nach 15 Minuten nicht mehr ganz so cool, weiß auch August Barkhausen, der die Veranstaltung für das Ludwig-Erhard Berufskolleg organisiert. Während der Veranstaltung erzählen sechs Personen von ihren Erfahrungen, die sie an Unfallorten beruflich erlebt haben. Geordnet in der Reihenfolge der Rettungskette: Nach einer Einleitung des Verkehrssicherheitsberaters Reinhard Graumann folgt Feuerwehrleiter Ralf Schmitz, da die Feuerwehr in der Regel als erstes am Unfallort eintrifft. Anschließend berichtet eine Notfallärztin, dann ein Streifenpolizist. Er erzählt davon, Angehörigen vom Tod eines Familienmitglieds mitteilen zu müssen. Von ähnlichen Erfahrungen berichtet die Notfallseelsorgerin und zuletzt spricht ein Angehöriger. Ergänzt werden die Beiträge von kurzen Videoeinspielungen. Persönliche Vorträge Alle Vorträge sind auf ihre Art sehr persönlich gestaltet, um die Zuhörer zu berühren, zu emotionalisieren. Die Notfallärztin erzählt von schweren Operationen, verursacht von einem betrunkenen Fahrer, der nach einer Betriebsfeier lieber selber fahren wollte, als seine Freundin ans Steuer zu lassen. Als er mit seinem Auto gegen einen Baum fuhr, erlitt er eine schwere Brustkorbverletzung. Seine Freundin musste zunächst von den Rettungskräften aus dem Auto geschnitten werden. „Was ich auf dem Röntgenbild der Beifahrerin gesehen habe, hatte ich zuvor noch nie gesehen", erzählt Adelheid Spils ad Wilken, Oberärztin der Anästhesiologie im St. Johannisstift. Starke innere Blutungen aufgrund mehrerer Brüche im Beckenbereich brachten die Beifahrerin in Lebensgefahr. Die schmerzhaften Einzelheiten werden den Schülern drastisch vor Augen geführt, verstärkt noch durch die Röntgenbilder. Besonders emotional wurde es beim Vortrag des Polizeibeamten Andreas Drost, der selbst einmal als Angehöriger betroffen war. Es geht um den tödlichen Motorradunfall seines Bruders: „Ich stand vor meinem Haus und habe die Blumen gegossen. Als meine Kollegen kamen, dachte ich mir erst nichts dabei, aber dann hielten sie einen Personalausweis in der Hand. Da wusste ich: Das ist kein gutes Zeichen." Sein Bruder starb vor zwölf Jahren, nachdem er mit seinem Motorrad von der Fahrbahn abkam und gegen eine Plakatwand prallte. „Verpasst lieber einen Anruf als euer Leben" Drost will sensibilisieren, denn sein Bruder war nur „einen Wimpernschlag" lang abgelenkt. „Verpasst lieber einen Anruf als euer Leben", appelliert er an die Schüler. Hinter dem Crashkurs steht ein Konzept, das lange entwickelt wurde. „Wir haben auch mal Podiumsdiskussionen angeboten, aber das Crashkurs-Format funktioniert besser. Es geht um die persönlichen Geschichten", erklärt Graumann. Nach der Veranstaltung besuchen die insgesamt sechs Verkehrssicherheitsberater des Kreises die Schüler in ihren Klassen. Der Stoff aus dem Crashkurs soll dort nachgearbeitet und reflektiert werden. Die Schüler sind gebannt, in der Maspernhalle war es während der Vorträge absolut still. „Die Bilder zu sehen, war wichtig", findet auch Schüler Dominic Gerber. Der 18-Jährige fährt selbst schon Auto und denkt, dass die Veranstaltung noch nachwirken wird: „Ich habe heute gesehen, welche Kräfte auf ein Fahrzeug wirken, auch bei geringer Geschwindigkeit."

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