Paderborn Shit happens: Cartoonist Ralph Ruthe begeistert in Paderborn

Der Bielefelder Cartoonist erklärt seinen 600 Zuschauern, was eine gute Zeichnung ausmacht. Und obendrein singt er auch noch lustige Lieder

Dietmar Gröbing

Paderborn. Der Mann kann zeichnen. Und eine ehrliche Haut ist er obendrein. Also redet Ralph Ruthe nicht lange um den heißen Brei und weist seine Artgenossen die Beschreibung zu, die sie verdienen. „Der Mensch ist doof", sagt der Bielefelder Cartoonist und nutzt diese Feststellung für eine Zeichnung über einen bewegungsfaulen „Coffee to go". Neben der beschriebenen Illustration waren am Sonntag viele artverwandte Ansichten in der Paderhalle zu sehen. Rund 600 Ruthe-Fans waren anwesend, um ihrem Lieblingszeichner bei der Arbeit zuzusehen. Doch nicht nur das. Ruthe erzählte auch etwas über seine Profession und sang obendrein komödiantische Lieder. Zeichnen allein reicht nämlich nicht, ist das karikaturistische Wirken an sich doch eine recht unspektakuläre Tätigkeit. Bevor das Bild nicht fertig ist, lacht kein Mensch. Wie gut, dass Ralph Ruthe ein Schnellzeichner ist. Was auch daran liegt, dass er selektive Fähigkeiten besitzt. „Scheiße passiert, hast du es noch nicht kapiert?" Konkret bedeutet dies, dass Ruthe oft nur ein einziges Bild benötigt, um auszudrücken, was er sagen möchte. Das setzt zugleich Abstraktion, das Weglassen unwichtiger Informationen und die Reduktion auf das Wesentliche voraus. Eigenschaften, über die der ehemalige Mitarbeiter des Satire-Magazins „Mad" verfügt. Doch auch Mehrbild-Cartoons und Kurzfilme sind bei dem Ostwestfalen in guten Händen. Ausgesuchte Beispiele bewiesen es. Sämtliche Darlegungen ließen sich unter der Überschrift „Shit happens" zusammen fassen. Weshalb Ralph Ruthe seiner zweistündigen Bühnenshow eben jenen Titel verpasste. Ein entsprechendes Lied gab es ebenfalls zu vernehmen, denn „Scheiße passiert, hast du es noch nicht kapiert?" Ruthe hat – und macht aus der Not eine Tugend, weiß er doch, dass sich „der Tragik viel Komisches entlocken lässt". Man muss nur das Beste draus machen. Das Positive in menschlichen Katastrophen Was Ralph Ruthe fast durchgängig gelingt, gewinnt er menschlichen Katastrophen doch etwas Positives ab. Dabei ist der Härtegrad des abgebildeten Malheurs egal. Entscheidend ist vielmehr, dass sich der Betrachter einer Zeichnung mit den Figuren identifizieren kann. Darüber hinaus „muss ein guter Cartoon an einem vertrauten Ort spielen und bekannte Situationen reflektieren". Das gilt auch für Ralph Ruthes Serie „Flossen", die Fische in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Dennoch sind die darin verhandelten Fragen keineswegs animalischer, sondern humaner Natur, findet unter Ruthes Regie doch eine Vermenschlichung der schwimmenden Probanden und ihrer Probleme statt. Und siehe da: Eine Geschwindigkeitsbegrenzung im Aquarium erscheint bei ihm nicht länger absurd, sondern witzig.

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