Gender Studies: Volker Peckhaus, Dekan der Fakultät für Kulturwissenschaften (v. l.), Birgit Riegraf, Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Qualitätsmanagement und die Vortragenden Thomas Schroedter, Mechthild Bereswill und Britt-Marie Schuster. - © Johannes Pauly
Gender Studies: Volker Peckhaus, Dekan der Fakultät für Kulturwissenschaften (v. l.), Birgit Riegraf, Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Qualitätsmanagement und die Vortragenden Thomas Schroedter, Mechthild Bereswill und Britt-Marie Schuster. | © Johannes Pauly

Paderborn Paderborner Uni: Wie Sprache diskriminieren kann

Geschlechterforschung: Unter dem provokanten Titel „Gender-Terror“ diskutieren Wissenschaftler an der Universität über Sprache, Antifeminismus und Debattenkultur

Mareike Gröneweg

Paderborn. Den Flyer zur Veranstaltung mit dem Titel „Gender-Terror" findet Mitveranstalterin Barbara Rendttorff in der Paderborner Mensa beschmiert wieder. „Ihr macht mich krank", hatten Studierende darauf geschrieben. Das sei ein Paradebeispiel für die Ablehnung und Anfeindung, die der vergleichsweise jungen wissenschaftlichen Disziplin, den Gender Studies, entgegen schlagen. Um mit Vorurteilen aufzuräumen und aufzuklären, befassten sich drei Wissenschaftler am Montag an der Universität Paderborn in Kurzvorträgen mit antifeministischen Argumenten. Zu den Veranstaltern gehören das Zentrum für Geschlechterstudien, die Gleichstellungsbeauftragte der Universität und die Fakultät für Kulturwissenschaften. „Wir haben wenige Veranstaltungen, die so gut besucht sind", stellt Birgit Riegraf, Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Qualitätsmanagement, fest. Der Raum ist bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt, einige setzen sich bereitwillig auf den Boden. Dieses Interesse spiegelt sich auch in der gesellschaftlichen Debatte. Ob in den Medien, der Politik oder Gesprächen auf der Straße: Die Schlagworte Geschlechterforschung, Gleichberechtigung und Feminismus fallen häufig. Welle an Kritik Mit der Debatte einher geht eine Welle an Kritik. „Die Diskussionen werden oft emotional geführt und sind von hasserfüllten Aussagen begleitet", weiß Rendtorff. Besonders deutlich werde die Polemik oft in Leserkommentaren unter Artikeln im Internet, die einen Bezug auf Gleichberechtigung haben, erklärt Britt-Marie Schuster in ihrem Vortrag. Die Germanistin untersuchte einschlägige Artikel, in denen es um geschlechtersensible Sprache geht. Das meint: Lösungen finden, damit sich zum Beispiel unter dem Begriff „Studierende" alle angesprochen fühlen, also auch Frauen sowie inter- oder transsexuelle Menschen. Vorschläge aus den Gender Studies sind neue Schreibweisen und Sprachreformen, die nicht nur die männliche grammatische Form berücksichtigen. Ein viel diskutiertes Beispiel für eine neue Schreibweise ist die Formulierung mit einem Sternchen, also „Student*in". „Dass sich hierbei auch inter- und transsexuelle Menschen angesprochen fühlen, ist von Vorteil. Doch viele empfinden es als Irritation in der Sprache", so Schuster. Thomas Schroedter ging in seinem Vortrag auf antifeministische Internetseiten ein. Hier gibt es, so Schroedter, besonders viele populistische Ansichten zu den Gender Studies. „Eine typische, antifeministische Aussage ist: Der Genderismus sei von homosexuellen Menschen erfunden", so Schroedter. „Genderismus ist dabei ein Wortkonstrukt, das die Geschlechterforschung als Ideologie und nicht als Wissenschaft darstellen soll." Emotionale Debatte Als dritte Rednerin beschäftigte sich an dem Nachmittag Mechthild Bereswill mit der Emotionalität der Debatte rund um die Geschlechtergerechtigkeit. „Auch wenn sich viel geändert hat in den letzten Jahrzehnten, liegt dennoch viel im Argen", resümiert Bereswill und fragt sich: „Wie kann es also sein, dass das Ende dieser Diskussion gefordert wird?"

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