Gut eingespielt: Christina Stürmer mit dem Gitarristen Matthias Simoner im Audimax. - © Holger Kosbab
Gut eingespielt: Christina Stürmer mit dem Gitarristen Matthias Simoner im Audimax. | © Holger Kosbab

Paderborn Christina Stürmer unplugged in der Paderborner Uni

Jan Josef Liefers muss seinen geplanten Kurzauftritt im Audimax verletzungsbedingt absagen

Holger Kosbab

Paderborn. Ein Auftritt in einem Hörsaal und das noch am Vormittag? „So was machen wir nicht so oft, vor allem nicht um diese Uhrzeit“, sagte Christina Stürmer zu ihrem kurzen Auftritt im Audimax der Uni Paderborn. „Nie genug“, „Seite an Seite“, „Ich lebe“ und „Engel fliegen einsam“: Diese vier Songs gab es unplugged – mit Stürmers Stimme und Matthias Simoner an der Gitarre. Neben Stürmer hätte auch Jan Josef Liefers mit einigen Musikern seiner Band Radio Doria spielen sollen. Doch dem kam ein Videodreh dazwischen, bei dem er sich am Donnerstag so an einem Wirbel verletzte, dass er den Kurz-Gig absagte. Vielleicht hatte es sich durch die sozialen Netzwerke schon verbreitet, dass Liefers nicht kommen werde. Jedenfalls war das Interesse an dem Doppel-Kurzkonzert mit ihm und Stürmer am Freitagvormittag überschaubar. Etwa 200 jüngere und ältere Hörer, Studenten, aber auch Fans, saßen in den Reihen. „Wer jetzt gehen möchte, weil er nur wegen Liefers hier ist, der kann dies jetzt tun“, sagte Hochschuldozent und Saxofonist Uli Lettermann zu Beginn des poppigen Semesterauftakts. Sofort machte dies niemand, später verließen aber einige noch vor Stürmers Auftritt den Hörsaal. Lange Gesichter zeigten sich zudem bei weiteren Besuchern.Ein Fan reist aus Thüringen an Auch Kornelia Schmidt-Schopohl aus Paderborn war enttäuscht. Sie liebe die Münsteraner Tatorte und wollte Liefers „gerne mal live sehen“, sagte sie. Allerdings fände sie auch spannend, was Stürmer geschafft habe. Und mit ihrem bisher letzten Konzert könne ohnehin nichts mithalten: die Rolling Stones beim Europatour-Auftakt in Hamburg vor einigen Wochen. Stürmer und Liefers seien gute Musiker, meinte BWL-Student Jan Hansel. Die sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn sie schon da wären. Speziell für Christina Stürmer angereist war Jens Grosch – und zwar aus Neustadt an der Orla in Thüringen. Er ist ein echter Fan der Sängerin. Und da er ohnehin schon das Ticket für das Warburg-Konzert am Abend hatte, nahm er auch gerne noch den Abstecher in die Uni mit. Thomas Krettenauer, Lehrstuhlinhaber für Musik und ihre Didaktik, war es vermeintlich gelungen, die beiden Gäste zusammen mit einigen ihrer Bandmusiker und Manager für Unplugged-Kostproben ins Audimax zu holen – vor ihrem Konzert am Freitagabend in Warburg. Dorthin würde es ein fit gespritzter Liefers schaffen, sagte Krettenauer. Auch wenn er den Paderborn-Prolog aufgrund der Verletzung absagte.Liefers schafft es nur als Projektion in den Hörsaal Für Liefers sprang Nadine Dubberke, kurz Nadu, ein und gab drei Songs. Die Studentin des Studiengangs Populäre Musik und Medien sang unter anderem von Café Olé, den es gebe, auch wenn die Welt untergeht. An einer kleinen Podiumsdiskussion wollte sich Christina Stürmer nicht beteiligen. Laut Management könne sie nicht so einfach vom Gespräch ins Singen wechseln. Statt Liefers wurde Radio-Doria-Mitglied Gunter Papperitz (Keyboard, Texte, Arrangements) von Uli Lettermann zum Musikgeschäft und zum Tatort-Liefers befragt. Zum Tatort-Liefers könne er nichts sagen. Er kenne nur den Musik-Liefers, mit dem er seit 15 Jahren zusammenarbeite. Ungewöhnlich sei die Plattform für ihr allererstes Konzert gewesen: Rock am Ring, Hauptbühne. Vor ihrem neuen Album „2 Seiten“ reiste die Band in den Iran, um den Kopf frei zu bekommen für neue Impulse. Und dann schaffte es Liefers doch noch ins Audimax. Durch den Einspieler eines Live-Mitschnitts von „Jeder meiner Fehler“ wurde er an die Wand projiziert.

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