Der Mann, der immer wieder für Aufregung sorgte, leidet an einer Psychose. - © picture alliance / dpa
Der Mann, der immer wieder für Aufregung sorgte, leidet an einer Psychose. | © picture alliance / dpa

Paderborn Paderborner stiehlt und lässt im Dom die Hosen runter

Ein 40-Jähriger ist schon seit vielen Jahren auffällig. Das Landgericht ordnete nun die Unterbringung in der Psychiatrie an

Jutta Steinmetz

Paderborn. Monatelang sorgte ein 40-Jähriger in Paderborn für Aufregung. Immer wieder stahl er in Geschäften alles Mögliche, ignorierte Hausverbote und machte selbst vor dem Dom nicht Halt, wo er ein äußerst unangemessenes Verhalten zeigte. Außerdem schlug Andreas X. (Name geändert) mehrfach grundlos auf andere Menschen ein. Dass das geschah, daran hat das Rechtssystem einen erheblichen Anteil. Auffällig war der Paderborner seit vielen Jahren, weil er fast schon notorisch stahl, aber auch weil er ab und an mit nacktem Oberkörper durch die Westernstraße lief oder in Geschäften Kleiderpuppen aus- und wieder anzog. Doch die Obrigkeit ließ es bei der Bestrafung der Diebstähle bewenden, und so musste Alexander X. immer wieder Haftstrafen absitzen. Sonst passierte mit ihm nichts. Als aufgrund der Weihnachtsamnestie 2015 wieder mal eine Haftzeit endete, war auch mit der hinter Gittern erstmals vorgenommenen Behandlung seiner psychischen Erkrankung Schluss und der 40-Jährige geriet wieder auf die abschüssige Bahn. Am Freitag wurde sein Fall vor dem Landgericht Paderborn verhandelt. In einer "Sturzgeburt" zur Sozialstation Einfach war es für die Richter der 1. Großen Strafkammer nicht, die Hintergründe aufzuklären. Andreas X. hüllte sich in Schweigen, lediglich seinen Namen und sein Alter nannte er. Einige der fast 50 Vorfälle, die innerhalb von wenigen Monaten geschehen waren, ließ er durch seinen Verteidiger Benedikt Klein einräumen, bevor ein Mitarbeiter des Sozialdienstes katholischer Männer (SKM) wenigstens etwas Erhellendes beibringen konnte. Dieser berichtete, dass Alexander X. nach der Haft kurz vor Weihnachten 2015 in der Art einer „Sturzgeburt" zur Sozialstation seiner Heimatstadt Paderborn gebracht worden sei – ohne jede Information zu dessen Problemen. Nach und nach wurde offenbar, dass Alexander X. an einer Psychose litt. Er habe „merkwürdiges Verhalten gezeigt und wirres Zeug geredet", berichtete der Zeuge. In der Haft sei er behandelt worden. „Die Behandlung war mit der Entlassung natürlich weg. Die Krankheit verschlimmerte sich." Alexander X. entglitt den Mitarbeitern der Sozialstation und geriet immer mehr aus der Spur. Er stahl Parfüms und Kleidung, ignorierte Hausverbote, die in diversen Geschäfte für ihn galten. Im Dom trieb er gleich zwei Mal sein Unwesen, als er während einer Messe schreiend durch den Mittelgang lief, um am Altar eine Kerze aufzustellen, und in der Karwoche 2016 Tücher von verhüllten Figuren zog, mit Weihwasser herumspritzte und am Paradiesportal seine Hosen herunterließ. Drei Mal schlug er unvermittelt und ohne Grund auf Männer ein, die er bei unterschiedlichen Gelegenheit getroffen hatte, aber nicht kannte. Krankheit für längere Zeit behandeln Solche Taten seien bei dem Krankheitsbild künftig nicht auszuschließen, sagte der psychiatrische Gutachter, dem Alexander X. wegen seiner Psychose als schuldunfähig galt. „Es wäre schön, wenn seine Krankheit einmal längere Zeit behandelt würde." Folglich regte er eine Unterbringung in der Psychiatrie an. Dem folgte das Gericht. Für diese Entscheidung seien aber weniger die Ladendiebstähle relevant gewesen, als die körperlichen Attacken, mit denen der 40-Jährige urplötzlich über drei ihm völlig fremde Menschen gekommen war, betonten die Richter um den Vorsitzenden Bernd Emminghaus. Die Unterbringung sei für X. vielleicht eine Chance, mit Hilfe der nun zwangsverordneten Therapie, doch noch auf die richtige Spur zu kommen. Die zahlreichen vormals vor allem wegen Diebstählen verhängten Freiheitsstrafen jedenfalls hätten krankheitsbedingt keinen Erfolg gezeitigt.

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