Ein Mann muss sich vor dem Paderborner Landgericht wegen Totschlags verantworten. - © picture alliance / dpa
Ein Mann muss sich vor dem Paderborner Landgericht wegen Totschlags verantworten. | © picture alliance / dpa

Paderborn 24-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Jutta Steinmetz

Paderborn. „Cherchez la femme – da steckt eine Frau dahinter", lautet ein Satz, der schon oft Literatur geworden ist. Und gar nicht so selten steht er mit äußerst realen Kriminalfällen in Zusammenhang. So ist es auch mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen, die einen 18-Jährigen Anfang Mai fast das Leben gekostet hätten. Nun muss sich ein 24-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Paderborn verantworten. Neben ihm sitzen drei seiner 19 und 20 Jahre alten Freunde, die zwar nicht zugestochen, aber heftig geschlagen und getreten haben sollen. Ihnen droht eine Verurteilung wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung. Mohammed A. ist aus den Kriegswirren Syriens nach Deutschland geflohen. Hier an der Pader kommt er ganz gut klar. Der 18-Jährige spricht bereits so leidlich deutsch, arbeitet bei einem Paketdienst und hat eine Freundin. Just an dieser entzündete sich Anfang Mai ein tagelang schwelender Streit. Fremde Frau angesprochen Sie stand nämlich am Abend des 3. Mai weinend am Westerntor, war doch ein Treffen mit Mohammed A. an diesem Tag eher unglücklich verlaufen. Als aber Ilir B. die ihm damals noch fremde junge Frau ansprach, seine Hilfe anbot und sie zu einer Party einlud, rief diese via Mobiltelefon ihren Freund zu Hilfe. Der 18-Jährige eilte sofort herbei, wechselte mit dem ihm bis dahin völlig unbekannten Kontrahenten einige unfreundliche Worte und schlug diesem die Nase blutig. Fatal. Denn augenscheinlich mochte der 24-Jährige das nicht auf sich sitzen lassen. Laut Anklage fand sich nämlich Ilir B., der in einer Notunterkunft in Oerlinghausen lebt, einen Tag später erneut in Paderborn ein und verpasste, unterstützt von vier Freunden, Mohammed A. eine tüchtige Abreibung. Gleiches geschah auch am darauffolgenden Tag bei einem erneuten Treffen. Da kam allerdings ein Messer zum Einsatz, so dass der 18-Jährige in Lebensgefahr geriet, als durch den Stich seine Leber und Milz verletzt wurden. Gäste verständigten Krankenwagen Mit Hilfe eines Freundes schleppte sich Mohammed A. bis zum Lokal Kump, wo Gäste einen Krankenwagen verständigten. Sein Leben konnte nur dank einer Notoperation gerettet werden. Rasch geriet Ilir B. als Haupttäter, der mutmaßlich das Messer geführt hatte, in den Fokus der Ermittler. Am 10. Mai wurde er festgenommen. Ob diese Vorfälle so geschahen wie in der Anklage formuliert wurde und sie der 18-jährige Geschädigte erneut schilderte, dazu wollten die vier Angeklagten zunächst nichts sagen. Das Gericht wird am 18. Oktober weitere Zeugen hören.

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