Ziehen Schlussstrich: Robert P. und sein Anwalt André Pleßner (v.l.) akzeptierten den Vergleichsvorschlag des Gerichts. - © Jutta Steinmetz
Ziehen Schlussstrich: Robert P. und sein Anwalt André Pleßner (v.l.) akzeptierten den Vergleichsvorschlag des Gerichts. | © Jutta Steinmetz

Paderborn Entlassener JVA-Ausbilder wählt den Neuanfang

Arbeitsrecht: Seit Robert P. seinen Sohn verlor, ist er traumatisiert und kann keine jungen Menschen mehr ausbilden. Nun hat der Malermeister seine Kündigung akzeptiert

Jutta Steinmetz

Paderborn. Lange Jahre hat Robert P. in der Justizvollzuganstalt Hövelhof junge Straftäter ausgebildet. Seit 2015 sein 16 Jahre alter Sohn aus ungeklärter Ursache starb, ist der Paderborner traumatisiert. Die Folge: Er kann nicht mehr mit jungen Menschen arbeiten. Gegen seine Kündigung durch das Land NRW klagte der Malermeister vor dem Arbeitsgericht Paderborn. Dort akzeptierte er seine Kündigung zum 31. Dezember, weil ihm sein Arbeitgeber eine Abfindung in Höhe von 30.000 Euro zahlen will. Angeregt hatte diese Lösung die 4. Kammer Paderborner Arbeitsgerichts, nachdem die Vorsitzende Richterin Sandra Wullenkord nochmals genau den Stand der Dinge abgefragt hatte. Unstreitig sei Robert P. seine bisherige Tätigkeit unmöglich, fasste die Richterin zusammen, aber es sei mitnichten so, dass seine Arbeitskraft überhaupt nicht zur Verfügung stehe. Alle Möglichkeiten müssen ausgeschöpft sein Es müssten daher alle denkbaren Möglichkeiten wie Weiterbildungen und Umschulungen ausgeschöpft sein, bevor eine außerordentliche Kündigung greife, gab sie zu bedenken – nachdem Rechtsanwalt Sören Riebenstahl als Vertreter der Landesinteressen berichtet hatte, Anfragen bei 88 Landeseinrichtungen gestellt, aber keine positive Antwort erhalten zu haben. Arbeitsrechtler André Pleßner machte indes unmissverständlich klar, dass er alle Maßnahmen des Landes, für seinen Mandanten eine Beschäftigung zu finden, für unzureichend hielt. Er verwies auf aktuelle Beschäftigungsangebote, die im NRW-Stellenportal zu finden und für seinen Mandanten passend seien. Keine Weiterbeschäftigung beim Land NRW „Es ist kein Grund zu feiern", bilanzierte Pleßner nach der Verhandlung. Schließlich habe sein Mandat nicht nur seine Arbeitsstelle verloren, sondern auch den Status des Angestellten im öffentlichen Dienst. Die Annahme Vergleichs aber „war der einzig gangbare Weg", sagt er. „Die Verhandlung hat gezeigt, dass das Land meinen Mandaten nicht weiter beschäftigen will." Robert P. sieht den Vergleich als Möglichkeit des Neuanfangs, auch wenn er es schade findet, „dass es so endet. Ich war gerne Ausbilder." Jetzt will er schnell eine neue Stelle finden. „Vielleicht kann ich nun wieder besser schlafen", verließ er gestern dann doch mit einigem Optimismus das Arbeitsgericht.

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