Virtuelle Raumgestaltung: Lucas Richter schaut sich mit der VR-Brille im Wohnzimmer um, Marcel Dawin begleitet ihn am Tablet. - © Birger Berbüsse
Virtuelle Raumgestaltung: Lucas Richter schaut sich mit der VR-Brille im Wohnzimmer um, Marcel Dawin begleitet ihn am Tablet. | © Birger Berbüsse

Paderborn Premiere für den Werkstofftag: Maler-Azubis blicken in die Zukunft

430 Auszubildende des 2. und 3. Lehrjahres lernen neue Techniken kennen. Die Branche beklagt Nachwuchs- und Fachkräftemangel

Birger Berbüsse

Paderborn. "Innovation" lautete das Schlagwort des ersten Werkstofftages der ostwestfälischen Malerinnungen. Die hatten gestern 430 Auszubildende des 2. und 3. Lehrjahres nach Paderborn eingeladen, um ihnen die neuesten Techniken und Materialien vorzuführen. "Wir wollen unseren Azubis zeigen, was die Zukunft ist", sagt der Paderborner Obermeister Dietmar Ahle. In der Regel kämen diese in ihrer Ausbildung noch nicht mit den neuen Techniken in Berührung. Bei der Maler-Einkauf in Paderborn präsentierten deshalb 18 Partner des Maler- und Lackierhandwerks ihre Innovationen. Bestes Beispiel dafür ist eine Erfindung, die den Arbeitsalltag "verändern und erleichtern" wird, wie Dietmar Ahle sagt: Virtual-Reality. Mit einer speziellen Brille kann sich der Kunde in seinem virtuell nachgebauten Wohnzimmer auf Knopfdruck verschiedene Wandfarben oder Tapetenmuster anschauen und so viel einfacher entscheiden, was am besten in seine gute Stube passt. Nach der Erprobungsphase soll die Technik nun "in die Breite gehen", so Dietmar Ahle. Einige Berufsschulen hätten bereits Interesse angemeldet. Innungen arbeiten zusammen Mit den neun Berufsschulen in OWL arbeiten die Innungen gut zusammen, betonen die Obermeister. Dennoch macht der Nachwuchs Sorgen. Es gibt ganz einfach zu wenig davon, auch weil die Abbrecherquote sehr hoch sei. Dabei lockt der Malerberuf laut den Obermeistern nicht nur mit abwechslungsreicher Arbeit, sondern auch mit guter Bezahlung. Das Gehalt steige von 660 Euro im 1. auf 940 Euro im 3. Lehrjahr, sagt der Höxteraner Obermeister Alfred Gemmeke. Eine Geselle bekomme einen Stundelohn von 16,80 Euro. "Das ist im Handwerk sehr hoch", sagt Gemmeke. Außerdem gebe es Betriebsrente sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld. Auch die Auftragslage sei hervorragend. "Das Problem ist der Fachkräftemangel", klagt Dietmar Ahle. Aus diesem Grund haben sich die sieben Innungen in OWL zusammengeschlossen und treffen sich monatlich zum Austausch. Ihr Schwerpunkt ist es, die jungen Leute für den Beruf zu begeistern und dann im Job zu halten. Daraus ist auch der nun erstmals veranstaltete Werkstofftag entstanden. Bei den Auszubildenden wie Lucas Richter und Marcel Dawin kam das Angebot gut an. "Wir haben viel für die Zukunft gesehen", sagen die beiden am Virtual-Reality-Stand. Geht es nach den Innungen, soll der Werkstofftag alle zwei Jahre stattfinden.

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