Gute Lage, gute Aussichten: Geschäftsführer Jürgen Behlke und Stellvertreterin Claudia Auinger berichteten von einer weiterhin guten Lage der Konjunktur in den beiden Kreisen Paderborn und Höxter. - © Hans-Hermann Igges
Gute Lage, gute Aussichten: Geschäftsführer Jürgen Behlke und Stellvertreterin Claudia Auinger berichteten von einer weiterhin guten Lage der Konjunktur in den beiden Kreisen Paderborn und Höxter. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn/Höxter Fachkräftemangel wirft Schatten auf die Konjunktur im Hochstift

IHK-Umfrage: Über vielen Betrieben in der Region lacht beständig die Konjunktursonne. Noch besser kann es in Zukunft kaum laufen. Doch niemand weiß, wann sich das Klima wieder eintrübt

Hans-Hermann Igges

Paderborn/Höxter. Am Konjunkturhimmel über dem Hochstift herrscht nach wie vor eitel Sonnenschein – trotz weltweiter Krisenherde. Ob Industrie, Handel oder Dienstleistungsgewerbe: Die aktuelle Geschäftslage wird von einer großen Mehrheit der Betriebe als mindestens gut bewertet, und auch nur eine kleine Minderheit rechnet mit kurzfristig schlechteren Geschäften. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zum Herbst 2017. Daran beteiligt haben sich knapp 300 Betriebe in den Kreisen Paderborn und Höxter mit gut 17.000 Beschäftigten. Sie wurde jetzt von IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke und Stellvertreterin Claudia Auinger vorgestellt. Bezeichnend für die Lage ist die Anzahl Beschäftigter, die zum Stichtag 31. Dezember 2016 um 1,4 Prozent auf 115.360 in den Kreisen Paderborn und Höxter höher lag. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote im Kreis Paderborn auf 5,7 Prozent im letzten August. Starke Auslastung in der Industrie Zwar beurteile die Industrie die Aussichten nicht mehr so euphorisch wie zuletzt, so Behlke, berichte aber nach wie vor von einer sehr starken Auslastung und gehe tendenziell von einem Zuwachs an Beschäftigung aus, nachdem die Zahl der Arbeitskräfte in diesem Bereich zuletzt leicht gesunken war. Im ersten Halbjahr 2017 habe der Gesamtumsatz des Verarbeitenden Gewerbes im Kreis Paderborn mit knapp 2,9 Milliarden Euro um ein Prozent höher gelegen als im Vorjahr. Auch der Handel erwarte bei besseren Geschäften – wegen der nach wie vor starken Kaufkraft in der Bevölkerung – einen Zuwachs an Beschäftigung. Im Dienstleistungsbereich, zu dem auch Leiharbeitsbetriebe gezählt werden, gehe man ebenfalls zum allergrößten Teil von weiterhin guten Geschäften aus. Wie lange die gute Lage noch andauere, sei indes ungewiss, zeigte sich Jürgen Behlke vorsichtig, was weitere Prognosen angeht. "Geld ist noch immer die größte Triebfeder" Zu den Haupt-Risiken für die weitere Entwicklung zählen die Betriebe neben Arbeitskosten und Rohstoffknappheit vor allem den Fachkräftemangel. Jürgen Behlke: „Immerhin haben die Betriebe das Problem erkannt und versuchen gegenzusteuern. Zum Beispiel, indem sie sich viel mehr als früher an Arbeitsplatzbörsen beteiligen und Kooperationen mit Schulen eingehen. Da ist aber sicher noch Luft nach oben." Aber auch in Politik und Gesellschaft müsse umgedacht werden, indem die Vorteile des Dualen Ausbildungssystems wieder stärker betont würden. Behlke: „Auch an den Gymnasien sollte das stärker vermittelt werden. Es muss nicht jeder studieren." Das zeige sich im übrigen auch bei vielen Studienabbrechern, die dann über eine Ausbildung ihren Weg machten. Umgekehrt sei auch vielen Betrieben bewusst, dass sie dem Nachwuchs etwas bieten müssten. „Das Thema Arbeitsattraktivität hat deutlich gewonnen", sagt Claudia Auinger, stellvertretenden Geschäftsführerin der IHK Paderborn Höxter. Immerhin seien allein in diesem Jahr schon 27 Betriebe als familienfreundlich ausgezeichnet worden. Und nicht zuletzt: „Auch über die Bezahlung sollten sich viele Firmen Gedanken machen", sagt Jürgen Behlke und fügt hinzu: „Geld ist noch immer die größte Triebfeder."

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