Das Eiserne Kreuz und der Reservisten-Slogan auf der Spielerhose der Uni Baskets. - © Marc Köppelmann
Das Eiserne Kreuz und der Reservisten-Slogan auf der Spielerhose der Uni Baskets. | © Marc Köppelmann

Paderborn Reservistenverband ist neuer Sponsor der Uni Baskets Paderborn

Die Uni Baskets sind die erste Profimannschaft Deutschlands, die vom Reservistenverband der Bundeswehr finanziell unterstützt wird

Jochem Schulz

Paderborn. Die Sportstadt Paderborn besitzt einige Superlative. Der Osterlauf gilt als der älteste Straßenlauf des Landes. Die Volleyballer vom VBC waren sechsmal deutscher Vizemeister. Der SC Paderborn wäre beinahe als erstes Fußballteam von der 1. in die 4. Liga durchgereicht worden. Nun aber sorgen die Basketballer für Furore: Die Uni Baskets, die in der 2. Bundesliga antreten, sind die erste Profimannschaft Deutschlands, die vom Reservistenverband der Bundeswehr finanziell unterstützt wird. Die Gegenleistung der Baskets findet sich auf den Hosen der Spieler wieder. Dort prangt auf dem rechten Bein nun ein Eisernes Kreuz auf schwarz-rot-goldenem Grund. Darüber befindet sich der Slogan „Wir sind die Reserve". Christoph Schlösser freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Verband. „Die Reservisten sind an uns herangetreten. Wir haben das im Präsidium diskutiert und keinen Grund zur Ablehnung gefunden", sagt der Baskets-Präsident und spricht von einer guten Werbung für den Basketballsport. Die Präsidenten des Reservistenverbandes hatten allerdings zuletzt durchaus für Schlagzeilen gesorgt. So war der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter im Juni 2016 von seinem Amt zurückgetreten. „Ich möchte nicht das moderne, freundliche Gesicht eines rückwärtsgewandten Verbands sein", begründete Kiesewetter in einem Interview mit der Südwestpresse seinen Schritt und kritisierte die politische Ausrichtung des Verbandes: „Er entfernte sich von der Mitte". Gegen die "Ehe für alle" Kiesewetters Nachfolger ist Oswin Veith. Der hessische Christdemokrat, der in Berlin den hessischen Wahlkreis Wetterau vertritt, behält sich vor, gegen die „Ehe für alle" zu klagen und hat diese in einem Interview mit dem Gießener Anzeiger als „Mist" bezeichnet. „Das ist die persönliche Meinung von Herrn Veith. Zudem bin ich nicht der Ansicht, dass unser Verband rückwärtsgewandt ist", sagt Christian Faul. Der Mann aus Sennestadt ist Vize-Präsident des Reservisten-Verbandes und hat die Zusammenarbeit mit den Baskets eingestielt. „Wir erreichen mit unserer Werbung nicht nur eine junge Zielgruppe, die heute zum Teil gar nicht mehr mit der Bundeswehr und ihrer Reserve in Verbindung kommt. Wir konnten darüber hinaus auch Vorteile für unsere Mitglieder herausholen", gibt der Oberstleutnant der Reserve zu Protokoll und strebt eine langfristige Kooperation an. So wollen die Reservisten im kommenden Frühjahr gemeinsam mit den Baskets ein großes Sportfest veranstalten. Über Geld spricht Faul nicht. Die Vereinbarung mit dem Baskets sei aber, so lässt er durchblicken, unter kaufmännischen Gesichtspunkten günstig gewesen. Info-Stand im Sportzentrum Zudem wird der Verband am Samstag, 23. September, beim ersten Heimspiel der Uni Baskets gegen Crailsheim am Sportzentrum Maspernplatz einen Info-Stand errichten. Dort können Besucher, die zuvor in der Bundeswehr gedient haben, einen Anstecker in Form des Eisernen Kreuzes erhalten. Dieses betrachten die Reservisten als „Symbol für unser Bekenntnis" sowie als Erkennungszeichen. Die Universität Paderborn als Namenssponsor des Zweitligateam hat gegen die Zusammenarbeit mit den ehemaligen Soldaten nichts einzuwenden. „Der Verband ist durch den Bundestag legitimiert und wird aus Mitteln des Verteidigungshaushalts finanziert. Wir sehen überhaupt keine Veranlassung, dieses Sponsoring in Frage zu stellen", sagt Universitäts-Vizepräsidentin Simone Probst. Auch die Geschäftsführung der 2. Liga hat sich mit dem Thema befasst. „Die Paderborner sind an uns herangetreten. Wir haben in unseren Statuten keinen Grund für einen Einwand gefunden", erklärt der Liga-Geschäftsführer Daniel Müller. Wie viele Ansteck-Kreuze die Ex-Soldaten am Samstag loswerden, bleibt abzuwarten. Die vier US-Amerikaner, die in der Mannschaft von Uli Naechster ihr Geld verdienen, kommen dafür von vornherein nicht in Frage. Auch der Cheftrainer selbst kann die klassische Frage „Haben Sie überhaupt gedient" nur mit einem Nein beantworten. Das geht dem Präsidenten Schlösser nicht anders. Kommentar Ab in die Panzerkaserne Die Bundeswehr und die Paderborner Basketballer. Das ist eine lange Geschichte. Die durchweg langmähnigen Spieler der legendären Aufstiegsmannschaft des Jahres 1984 waren zu einem Gutteil begeisterte „Zivis". Später brachten die Feldjäger sogar regelmäßig einen fahnenflüchtigen Korbjäger vom Training im Sportzentrum zurück in die Kaserne. Statt der Militärpolizei aber kommen nun die Reservisten an den Maspernplatz. Und so werden sich die Baskets-Anhänger möglicherweise an neue Abläufe gewöhnen müssen. Auf der Anzeigetafel im Sportzentrum wird hinter dem Namen der Akteure auch der jeweilige letzte Dienstgrad (z. B. Obergefreiter d. R.) eingeblendet. Die musikalische Untermalung vor Spielbeginn und in der Halbzeit wechselt von Hip-Hop zu Traditionsmärschen. In jeder Halbserie wird ein Heimspiel in die Sporthalle der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf verlegt. Die Mannschaft tritt die Reise zu den Auswärtspartien in dem gepanzerten Transport-Kfz „Boxer" an. Trainer Uli Naechster fährt den Kommandeurswagen „Wolf" aus der Mercedes G-Klasse. Und sollte die Stadt Paderborn irgendwann doch noch eine neue Sporthalle errichten, ist die ehemalige Panzerkaserne an der Driburger Straße nun endgültig erste Wahl. Nur dort käme ein Eisernes Kreuz erst so richtig zur Geltung. Kontakt zum Autor

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