Naturfreunde: (v. l.) Reinhard Schäck, Jutta Bellinghausen, Hubertus Vitt-Wagener und Dieter Dubisch im Philosophenweg. - © Jutta Steinmetz
Naturfreunde: (v. l.) Reinhard Schäck, Jutta Bellinghausen, Hubertus Vitt-Wagener und Dieter Dubisch im Philosophenweg. | © Jutta Steinmetz

Paderborn Am Philosophenweg geht der Natur die Luft aus

Jutta Steinmetz

Paderborn. Er zählt zu den Kleinodien Paderborns, der Philosophenweg, der aus dem Osten Paderborns zum Zentrum führt. Verwunschen ist er, selbst wenn auf der benachbarten Driburger Straße kleine und große Autos vorbeirauschen. Als vor einigen Wochen orange Punkte auf etlichen Bäumen auftauchten und auf Nachfrage dann städtische Pflegearbeiten angekündigt wurden, war es Zeit, dem Pfad einen Besuch abzustatten – mit Paderbornern, die ihn aus ganz verschiedenen Gründen sehr zu schätzen wissen. „Ich bin oft für spontane botanische Exkursionen mit meinen Klassen hierher gegangen", erzählt Jutta Bellinghausen von ihrer Zeit als Lehrerin am Reismann-Gymnasium und schwärmt von der Vielfalt. „Hier wachsen zum Beispiel mit Spitz-, Feld- und Bergahorn gleich drei Arten dieses Baumes." Allerdings habe sich in Sachen Biodiversität, wie die Fachleute Vielfalt in Flora und Fauna nennen, im Philosophenweg viel zum Nachteil verändert, sagt sie und blickt enttäuscht auf die Randstreifen neben dem Asphaltweg, wo fast nur Gras und Giersch wuchern. „Wildblumen interessieren hier in Paderborn keinen", ergänt Reinhard Schäck, Biologielehrer am Reismann, und berichtet von Wildblumenstreifen, die gezielt angelegt, aber bereits, bevor die Pflanzen ihre Samen ausbilden und verbreiten können, gemäht würden. „Das verstehe ich nicht", sagt er und blickt sich kopfschüttelnd am Anfang des Philosophenweges um. Jutta Bellinghausen zeigt auf eine arg zerfledderte Pflanze. „Das ist Nelkenwurz", sagt sie, „der wurde viel zu früh abgemäht und konnte keine Samen mehr ausbilden." Und ohne Samen kann sich der Nelkenwurz – ebenso wie andere Pflanzen – im Philosophenweg nicht vermehren. Dafür kommen dann mit geballter Kraft das Gras und auch der Giersch. „Früher blühte hier der Waldziest", weiß Jutta Bellinghausen genau. Aber dem hat das viele Mähen schon längst den Garaus gemacht. „Ich kann ja verstehen, dass der Graben frei gehalten werden muss und auch ein Stück der Böschung", sagt Dieter Dubisch von pro grün. Oft ist er den Weg zu Arbeit entlang geradelt. Aber auch seiner Ansicht nach wird es mit dem Mähen im Philosophenweg arg übertrieben. Die viel zu frühe Mahd hat hier gewaltige Nachteile für die Natur. Wenn mit der Zeit Nelkenwurz, Ziest und Co. auf der Strecke geblieben sind und statt ihrer nur noch Gras wuchert, ist zwar für sattes Grün gesorgt, doch Vögel und Insekten schauen in die Röhre. Sie brauchen in ihrem Lebensraum Pflanzen, die Blüten und Samen ausbilden. Reinhard Schäck zeigt auf die Efeuhänge, an denen sich der Philosophenweg vorbeischlängelt. Die Spalten und Ritzen des Kalksteins, das von Efeu überwuchert ist, sind eigentlich ideal für Wildbienen. „Aber das reicht nicht", sagt Schäck. „Es fehlt einfach an Blühpflanzen, an Nahrung." Dass der Philosophenweg etwas ganz Besonderes ist, findet auch Hubert Vitt-Wagener. Er verweist auf die Jakobsmuschel, die auf einigen Bäumen prangt und ihn als Teil eines Pilgerwegs kennzeichnet, sowie auf die vielen jungen Leute, die über ihn zur Schule eilen, auf Jogger und Spaziergänger. „Er ist eine der grünen Lungen Paderborns", meint er. Genau das aber lässt Dieter Dubisch nochmals den Kopf schütteln. Er versteht nicht, warum der neue Parkplatz an der Driburger Straße nicht mit einer Treppe an den Philosophenweg verbunden worden ist. „Jetzt müssen die Lehrer der beiden benachbarten Gymnasien, die ja vor allem dort parken sollen, an der stark befahrenen Straße entlang gehen", sagt Dieter Dubisch. „Dabei wäre doch der Philosophenweg eine super Alternative."

realisiert durch evolver group