Mit neuen Angeboten möchte die Stadtbibliothek Paderborn mehr Besucher anlocken. - © Reinhard Rohlf
Mit neuen Angeboten möchte die Stadtbibliothek Paderborn mehr Besucher anlocken. | © Reinhard Rohlf

Paderborn Paderborner Stadtbibliothek richtet sich neu aus

Leiterin Katrin Stroth präsentiert das neue Konzept der Stadtbibliothek Paderborn. Künftig sollen Besucher verstärkt mit kreativen Angeboten angesprochen werden

Holger Kosbab

Paderborn. Klavierspielen, in der Bibliothek? Kein Problem. Seit einigen Wochen steht ein E-Piano im unteren Bereich am Rothoborn, dem Hauptstandort der Paderborner Stadtbibliothek. Wer möchte, schnappt sich Notenhefte und übt, allerdings mit Kopfhörer, um die anderen Besucher nicht zu stören. Das E-Piano ist nur eines von vielen Angeboten, die Leiterin Katrin Stroth in der Bibliothek schafft, um sie für das Publikum attraktiv zu halten oder um neue Kunden anzusprechen – auch als Ort der Inspiration. Das Konzept dafür stammt aus Dänemark. Die Bibliotheken unterlägen seit Jahren einem gesellschaftlichen Wandel, sagt Stroth, als sie das Konzept im Kulturausschuss des Stadtrats vorstellt. Hauptgrund sei die Digitalisierung der Medien. Früher kamen die Leute zur Ausleihe in die Bibliothek, doch diese Zeiten seien vorbei. Informationen beschafften sich die Menschen heute im Internet. Ebenfalls verändert habe sich die Kundenerwartung an die Serviceleistungen. Durch die große Verfügbarkeit im Internet sollten Medien auch in der Bibliothek am besten sofort bereitstehen. Heute seien Bibliotheken Orte lebenslangen Lernens, Informationszentren und ein öffentlicher Raum, sagt Stroth. Wichtige Impulse für eine moderne Stadtbibliothek stammen aus den Bibliotheken in dänischen Städten Aarhus und Hjørring. Anders als Deutschland hat Dänemark ein Bibliotheksgesetz. Die Regierung verfolgt damit das Ziel, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu erhalten und Innovation sowie gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern. Bibliotheken als Anziehungspunkt Wissenschaftler haben dazu ein Modell entwickelt, nach dem Bibliotheken attraktive Anziehungspunkte sein sollen für die vier Bereiche Erkenntnis/Erfahrung, Engagement, Kompetenzstärkung und Innovation. Hierfür soll entsprechender Raum geschaffen werden. Für die Stadtbibliothek Paderborn seien daraus die Bereiche Lernraum, Treffpunkt und Inspiration entstanden. Der Lernraum sei bereits seit einigen Jahren vorhanden, sagt Stroth. Mit verschiedenen Angeboten werde er sehr gut angenommen. „Treffpunkt waren wir auch immer schon", erklärt die Leiterin. Dieser Bereich werde jedoch weiter ausgebaut mit Lerncafé, Spielen oder sogenannten Gaming-Möbeln. Der Inspirationsraum entstehe derzeit mit Hilfe von Landesmitteln. Das E-Piano ist ein Teil davon – genau wie Medien rund um Kreativität, Video-Schnitt oder eine Action-Kamera. Unter dem Bibliotheksdach sollen auch Kreativ-Boxen entstehen. Stroth denkt hier beispielsweise an ein Event, bei dem Mädchen verschiedene Nagellacke testen können. So will sie Besuchergruppen ansprechen, die ansonsten vielleicht nicht kommen. Für all dies gibt es jedoch noch keine Zeitschiene und keinen bezifferbaren Finanzbedarf. Einige kleinere Maßnahmen sollen innerhalb des nächsten halben Jahres umgesetzt werden, sagt Stroth. Bei anderen mit einem größeren Finanzaufwand werde die Politik – bald geht es in die Haushaltsberatungen für 2018 – entscheiden. Stärken der Paderborner Stadtbibliothek wie die Leseförderung oder die Angebotsvielfalt stehen laut Stroth Schwächen gegenüber wie die Erreichbarkeit und das Raumangebot (fehlende Veranstaltungsräume, mehrere Standorte), die Ausstattung mit altem Mobiliar oder ein mangelnder Bekanntheitsgrad. Hier würde Stroth gerne eine Marketingkampagne starten, für die sie allerdings zusätzliches Geld benötigt. Auch das Land NRW analysiert fortwährend die Situation der Bibliotheken. Dabei habe es für Paderborn einen Katalog mit Empfehlungen gegeben, sagt Stroth. So dürfe der technische Standard nicht niedriger werden. In wenigen Wochen wird es in dieser Hinsicht jedoch einen Schritt nach vorne geben. Dann soll die Bibliotheks-App kommen, wenngleich zunächst nur für Android-Smartphones.

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