Vor dem Harrier-Cockpit: Projektleiterin Bettina Blum erarbeitet die Ausstellung „Briten in Westfalen“, die am 20. Oktober eröffnet wird. Fotos: Holger Kosbab - © Holger Kosbab
Vor dem Harrier-Cockpit: Projektleiterin Bettina Blum erarbeitet die Ausstellung „Briten in Westfalen“, die am 20. Oktober eröffnet wird. Fotos: Holger Kosbab | © Holger Kosbab

Paderborn "Briten in Westfalen"-Ausstellung gibt vielseitige Einblicke

Am 20. Oktober wird die Sonderausstellung „Briten in Westfalen“ im Paderborner Stadtmuseum eröffnet

Holger Kosbab

Paderborn. Sämtliche Handwerker, die gerade das neue Paderborner Stadtmuseum herrichten oder beim Aufbau der Sonderausstellung „Briten in Westfalen" helfen, haben es bereits gemacht: ein Foto vor einem Harrier-Cockpit, dem größten Exponat der Schau. In einer Ecke ist die Leihgabe des Flugplatzmuseums Gütersloh ein echter Hingucker. Doch auch wenn es das schwerste Stück ist, das ab dem 20. Oktober präsentiert wird – die Beschaffung kleiner Exponate war nicht weniger schwierig. Projektleiterin Bettina Blum hat ihre Arbeit der vergangenen zwei Jahre und das Ausstellungskonzept im Kulturausschuss des Stadtrats vorgestellt. In der Ausstellung stehen überall Paletten mit Holzkisten. Was beim Aufbau einer Schau nicht überrascht. Doch anders als bei anderen Expositionen sind die Kisten ein Teil des Konzepts. Sie transportieren den Umzugsgedanken, schließlich waren Umzüge und Kisten ein prägender Teil im Leben der Briten, um die es geht. Häufige Ortswechsel gehörten für die Soldaten und ihre Familien einfach dazu. Dazu passt ein Ausspruch der interviewten Tamara Richmond: „Home is where the Army sends us." Die Armee bestimmt, wo man wohnt. Zwei Jahre Vorbereitungszeit stecken in der Ausstellung. Zwei Jahre intensiver Recherche – unter anderem in London – und vor allem unzähliger Gespräche. Da sich die Dokumentenlage als äußerst schwierig erwies, musste Blum eben Leute befragen. „Mit Fragen und Zuhören habe ich einen Großteil der letzten zwei Jahre verbracht", sagt sie. Die Projektleiterin muss alle Exponate selbst beschaffen Blums Antrieb war die Frage: Wie kann man das museal darstellen? Auf Hilfe anderer Museen konnte sie nicht setzen, dort gibt es zum britischen Militär so gut wie nichts. Also musste sie selbst Exponate beschaffen. Wie gestellte Möbel, die für in Deutschland stationierte Soldaten ganz typisch waren. Bekommen hat sie diese aus Gütersloh, in der Ausstellung bilden sie „ein kleines Wohnzimmer mit fiktivem Blick nach draußen", sagt Blum. Im Kontrast dazu steht ein deutscher Wochenschau-Bericht über ein Nato-Manöver 1954 am Teuto, bei dem das Zünden einer Atombombe simuliert wurde. Wichtig wurde für Blum die Zusammenarbeit mit Kollegen der anderen Museen und Archive in der Region. Doch auch international gab es Netzwerkarbeit. Schließlich ging es darum, nicht nur die deutsche Perspektive zu haben, sondern auch die britische. Erkenntnisse sammelte Blum etwa auf einer Forschungskonferenz in London. Viele der gezeigten Objekte sind nur in Paderborn zu sehen Die Paderborner Ausstellung wird in ihrer Fülle, das steht bereits fest, einmalig. Wenngleich die Schau auch in anderen Städten Westfalens präsentiert wird, so gehen etliche Stücke aus Paderborn wieder zu den Leihgebern. Denn der Großteil der 800 Objekte, Dokumente und Fotografien ist nur geliehen. Insgesamt 200 Personen sind an der Schau in irgendeiner Form beteiligt. Untergliedert ist die Schau in die fünf Bereiche „Sieger und Besiegte", „Miteinander leben", „Klein London", „Militär in der Gesellschaft" und „Konversion". Bei ihrer Arbeit sei Bettina Blum der Frage gefolgt, was für die Zeit das Relevante war. Manchem sei die Darstellung der Briten in der Ausstellung vielleicht zu positiv, manchen zu negativ, sagt sie. Dieter Honervogt (CDU) betont, dass es wichtig sei, Informationen und die Erinnerungen zu einem solch langen Zeitraum zu bewahren. Sabine Kramm (Grüne) war wegen der Gefahr einer Militärlastigkeit zunächst skeptisch, jetzt sei sie „aber gespannt". Manfred Krugmann (SPD) lobte die Konzeption. Vor allem der Bereich des Alltagslebens sei wichtig. Führungen können gebucht werden bei Bettina Blum, Tel. (05251) 8 82 79 22.

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