Leben an der Kette: Für die junge Hündin Cinderella ist es nun vorbei. Inzwischen wartet sie auf ein neues Zuhause. - © Krellaus
Leben an der Kette: Für die junge Hündin Cinderella ist es nun vorbei. Inzwischen wartet sie auf ein neues Zuhause. | © Krellaus

Paderborn "Suris Stiftung" rettet Hunde aus Spanien und Rumänien

Beate Rost rettet mit Hilfe ihrer Paderborner Unterstützer Hunde aus dem Ausland und vermittelt sie nach Deutschland

Friderieke Schulz

Paderborn. Als Beate Rost 2013 der Hündin Suri begegnete, veränderte sich ihr Leben. Die spanische Hündin kam über einen Tierschutzverein zu ihr. Seitdem ist Rost selbst für die Rechte der Vierbeiner aktiv. Weil mit ihr alles begann, ist Suri Namensgeberin für das Tierschutzprojekt „Suris Stiftung", das die 52-Jährige 2014 ins Leben gerufen hat. Suri hat ein trauriges Schicksal. „Sie wurde schon als Welpe ausgesetzt. Damals wurde sie von einem Alkoholiker gerettet, der sich durch ihre weißen Pfötchen an einen Hund seiner Kindheit erinnerte. Ihre Pfoten sind nicht nur das eine Mal ihre Lebensversicherung gewesen", sagt Beate Rost. Die Geschichte ihrer Suri füllt ein ganzes Buch. Das Schicksal ihrer Hündin hat der Paderbornerin, die die Hälfte des Jahres in Berlin lebt, die Augen geöffnet. „Ich begann mich mehr dafür zu interessieren, wie Tiere leben und Menschen über sie denken. Ab dem Zeitpunkt hätte ich so tun müssen, als wenn ich es nicht wüsste. Ich wollte aber helfen", sagt die 52-Jährige. Wo Tiere Hilfe brauchen Das war 2013. Seitdem ist sie in vielen Ländern, vor allem Spanien und Rumänien, aktiv. Und das ist ihr wichtig: „Ich arbeite unabhängig von Ländern und Behörden dort, wo Tiere Hilfe brauchen." In Spanien unterstützt sie ein Tierheim in der Nähe von Barcelona und vermittelt bis heute Hunde von dort nach Deutschland. Auch in Rumänien und Deutschland hilft sie. Bei ihrer Arbeit geht es ihr vor allem um Herzenshunde, „Vierbeiner, die niemand will. Diejenigen, die überall rausfallen", sagt Rost. Diese Einzelschicksale sollen auf die Missstände aufmerksam machen und dazu anregen, etwas zu verändern – wie es bei ihr selbst geschehen ist. Denn die Zukunft der Hunde in Spanien und Rumänien bedeutet meist den Tod. „In Spanien sind die Tierheime Wirtschaftsbetriebe. Die Betreiber erhalten zum Beispiel für die Aufnahme eines Hundes 70 Euro, für die folgenden 21 Tage jeweils 10 Euro von den Behörden. Danach lohnt es sich für sie nicht mehr, die Hunde zu behalten. Entweder die Tiere werden getötet oder verkauft. Zum Beispiel als Trainingsobjekte für Kampfhunde." Ein Schicksal, das besonders die Jagdhunderasse Galgo betrifft. „Rund 50.000 Galgos sterben jährlich in Spanien. Sie werden in Masse für die Jagd gezüchtet. Wenn sie sich dort verletzen oder zu alt sind, werden sie getötet oder ausgesetzt", sagt Rost. Doch auch in Rumänien sind die Umstände furchtbar. „Das Land erhält für jeden eingefangenen Hund 250 Euro von der EU, um die Tiere zu kastrieren und so das Straßenhundeproblem zu lösen", sagt Rost. Doch das ist nur Theorie, die Praxis ist grausamer: „Die Hunde werden nicht kastriert, sondern getötet. Die EU-Gelder werden größtenteils unterschlagen. Nur 50 Euro davon erhält der Tierfänger pro Hund. Das ist viel Geld in einem Land mit einem durchschnittlichen Einkommen von 300 Euro im Monat", sagt Rost und erklärt, dass die Einstellung zu Tieren in Rumänien generell anders sei. Dort ist der Hund ein Nutztier. „Nützt er nicht mehr, muss er weg. Tausende Hunde, auch so gut wie jeder Welpenwurf, werden dann in den Wäldern ausgesetzt. Einen Tierarzt sieht dort nie ein Tier", sagt Rost und atmet schwer auf: „Die Leute dort haben nicht einmal das Geld, um selbst zum Arzt zu gehen." Vor Ort ist meist der Paderborner Eberhard Krelaus, der einen guten Kontakt zu zwei Rumäninnen hat, die immer wieder Hunde von der Straße einsammeln, für Suris Stiftung versorgen, bis sie nach Deutschland können. Dabei sind private Tierheime oder Pflegestellen nicht erlaubt. Beschwert sich der Nachbar, kann es sein, dass alle Tiere beschlagnahmt und getötet werden. „Der Tod gehört leider eng zum Tierschutz", weiß die 52-Jährige. Das sorgt für Druck. Denn nur 14 Tage haben die Tierschützer, um Hunde vor der Tötung zu retten. Deswegen ist Rost immer auf Spendensuche. In regelmäßigen Briefen berichtet sie ihren Unterstützern, stellt Hundeschicksale und neue Projekte vor. Auch ihr Buch über Suri und die sechs weiteren Werke über Thematiken des Tierschutzes helfen beim sammeln, denn auch der Erlös fließt in Gänze in die Arbeit. Die meisten ihrer Unterstützer kommen aus dem Paderborner Land. Dort sind auch viele Pflegestellen für die Tiere. Auf dem Hof eines Mitstreiters in Tecklenburg finden zudem rund 50 Hunde einen Platz bis zur Vermittlung. Die Hälfte des Jahres verweilt Rost mit Suri und ihrem Zweithund Corrito, ebenfalls ein todkranker Hund aus dem Tierschutz, in Berlin. Die andere verbringt sie in Altenbeken, wo sie sich ein Haus gekauft hat. Unterstützt wird sie auch von ihrem Mann: „Wir sind eine Einheit im Denken." Er habe auch dann noch Verständnis, wenn das fehlende Geld für die Ausreise der Tiere aus dem privaten Geld stammt. In sieben Jahren möchte das Paar gern wieder komplett in Paderborn leben – und dann mehr Hunde bei sich aufnehmen. Denn wegschauen kann und möchte Rost nicht mehr.

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