Im Gespräch mit Schülern: (v. l.) Burkhard Blienert (SPD), Isabell Can, Carsten Linnemann (CDU), Siegfried Nowak (Die Linke), Sascha Pöppe (FDP), Jana Eickel, Hartmut Oster (Bündnis 90/ Die Grünen) und Victoria Schmidt diskutierten in der Aula. - © Mareike Gröneweg
Im Gespräch mit Schülern: (v. l.) Burkhard Blienert (SPD), Isabell Can, Carsten Linnemann (CDU), Siegfried Nowak (Die Linke), Sascha Pöppe (FDP), Jana Eickel, Hartmut Oster (Bündnis 90/ Die Grünen) und Victoria Schmidt diskutierten in der Aula. | © Mareike Gröneweg

Paderborn So diskutieren Politiker mit Schülern der Michaelsschule

Bundestagskandidaten stellen sich den Fragen der Politik-AG

Mareike Gröneweg

Paderborn. Von der viel diskutierten Politikverdrossenheit der Jugend ist im Gymnasium St. Michael nichts zu spüren. Denn obwohl die Podiumsdiskussion mit Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Paderborn keine Pflichtveranstaltung für die Schüler war: Die Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt. „Selten habe ich eine so ruhige und konzentrierte Atmosphäre in der Aula erlebt", sagt Lehrerin Marielies Klösener-Voß, die die Politik-AG betreut. Schülerinnen der Politik-AG organisierten mit Klösner-Voß die Veranstaltung, zu der die Paderborner Bundestagskandidaten der CDU, Grünen, SPD und Linken kamen. Die Kandidatin der FDP, Nicole Hagemeister, wurde aufgrund einer „familiären Notlage" vor dem Publikum entschuldigt und von dem Paderborner Ratsherrn Sascha Pöppe vertreten. Nicht eingeladen war der Bundestagskandidat der AfD, Andreas Kemper. „Ich möchte eine Partei wie die AFD nicht im Haus haben", sagt Schulleiterin Elisabeth Cremer, „denn sie machen ausländerfeindliche Aussagen und versuchen die deutsche Erinnerungskultur zu verdrängen." Rote und gelbe Karten regeln Sprechzeiten Die Schülerinnen Jana Eickel (16), Isabell Can (15)und Victoria Schmidt (15) befragten die Teilnehmer zu sozialer Gerechtigkeit und Digitalisierung, bevor auch das Publikum Fragen stellte. Um die Sprechzeiten der Kandidaten besser zu steuern, überlegte die Politik-AG sich im Vorfeld ein System: Die Statements sollten maximal zwei Minuten dauern, deshalb gab es nach eineinhalb Minuten die gelbe und nach zwei die rote Karte. Beim Thema Digitalisierung kamen die Karten direkt zum Einsatz, denn hier vertreten die Kandidaten eine klare Position. Isabell Can fragte nach, wie Lehrer neue Medien in ihren Unterricht nutzen sollen, wenn ihnen diese Medienkompetenz nie vermittelt wurde. Sascha Pöppe von der FDP fordert mehr Technik – beispielsweise interaktive Whiteboards an den Schulen. CDU-Kandidat Carsten Linnemann setzt sich für lebenslanges Lernen ein und will Seminare für Lehrer im Bereich der Medienkompetenz fördern. SPD-Kandidat Burkhard Blienert merkt an, dass es solche Fortbildungen bereits gibt, aber noch stärker genutzt werden müssen. Siegfried Nowak, Kandidat der Linken, antwortet knapp: „Ja, Lehrer müssen gefördert werden." Auf die Nachfrage Cans „Wie können Lehrer gefördert werden?" antwortet Nowak: „Mit Geld." Cybermobbing als Thema der Digitalisierung Diskriminierung im Internet, sogenanntes Cybermobbing, wurde ebenfalls angesprochen: „Das ist ein Problem, das die Politik nicht allein lösen kann", findet Hartmut Oster von den Grünen. Man müsse zudem die Probleme vor dem Bildschirm lösen. Als das Publikum Fragen stellte, kritisierte eine Schülerin: „Sie alle benutzen so viele Fachausdrücke, dass zumindest ich Sie kaum verstehen kann." Sie kommentierte auch die spitzen Bemerkungen, die häufig zwischen Nowak und Pöppe ausgetauscht wurden: „Sollten Sie nicht an einem Strang ziehen, anstatt sich gegenseitig runterzumachen?" Über die regen Diskussionen und interessanten Beiträge freuten sich die Moderatorinnen Schmidt, Can und Eickel am meisten. „Es gab eine dynamische Diskussion, und ich denke, unsere Mitschüler konnten einen guten Überblick über die Parteien gewinnen." Ungewöhnlicher Altersdurchschnitt Das Format der Podiumsdiskussion kam auf der anderen Seite auch bei den Politikern gut an. So scherzte Blienert, dass die Bundestagskandidaten den Altersdurchschnitt der Veranstaltung ausnahmsweise nicht nach unten drücken, sondern nach oben heben.

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