Vor dem Bürogebäude an der Riemekestr. 160: Atos-Betriebsleiter Ulrich Wilmsmann ist froh über den Wechsel in die sanierten Räumlichkeiten einige hundert Meter entfernt im Almepark. - © Hans-Hermann Igges
Vor dem Bürogebäude an der Riemekestr. 160: Atos-Betriebsleiter Ulrich Wilmsmann ist froh über den Wechsel in die sanierten Räumlichkeiten einige hundert Meter entfernt im Almepark. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Paderborner IT-Dienstleister Atos zieht um

Was seitens des in Europa führenden IT-Dienstleisters ein Bekenntnis zum Standort Paderborn sein soll, wirft auch ein Schlaglicht auf die andauernde Immobilienkrise am Heinz-Nixdorf-Ring

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Der Elektroschrott liegt in Containern, viele Unterlagen sind schon nicht mehr griffbereit, dafür liegen große Kartons bereit: 640 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IT-Dienstleisters Atos am Standort Paderborn stehen kurz vor dem Umzug. Der führt sie ab Anfang September zwar nur ein paar hundert Meter weiter in den nördlichsten Gebäudeteil C unter der Adresse Heinz Nixdorf Ring 1, aber dafür unter einem Dach zusammen. Und: In eine schöne neue Bürowelt. Die alten Büros, rund 9.000 Quadratmeter an der Riemekestraße 160 und auf der gegenüber liegenden Straßenseite, am Heinz-Nixdorf-Ring 1, genannt HNR 1, Gebäudeteil F, bleiben leer zurück. "Wir waren besonders hier an der Riemekestraße schon länger unzufrieden damit, dass einfach nicht entsprechend ins Gebäude investiert wurde", sagt Ulrich Wilmsmann, Standortleiter von Atos IT Solutions and Services GmbH. Jetzt freut er sich auf durchsanierte eineinhalb Etagen auf 10.000 Quadratmetern im Gebäude C am Heinz Nixdorf Ring 1, gleich neben dem Hauptgebäude von Diebold, dem Nachfolgeunternehmen von Wincor Nixdorf. Das Angebot des Eigentümers, des Diebold Rentenfonds, sei gut gewesen, lässt er durchblicken. Jetzt bekommt Atos nicht nur Räume mit schallgedämpften Glaselementen und Decken, sondern endlich auch einen standesgemäßen Eingang mit eigener Lobby und einem Kundenzentrum. Zudem müsse man selbst keine Kantine mehr vorhalten - Essen werden die Atos-Mitarbeiter bei Diebold. Den Umzug inklusive der Verlagerung der kompletten Netzinfrastruktur lässt sich Atos einen nicht genau bezifferten, aber auf jeden Fall siebenstelligen Betrag kosten. "Wir sehen das auch als Bekenntnis zum Standort Paderborn", sagt Ulrich Wilmsmann. Der Betriebsleiter fing vor 30 Jahren noch unter Heinz Nixdorf persönlich beim Vorläuferunternehmen an. Er hat seitdem sämtliche Veränderungen erlebt und mitgestaltet: Von Nixdorf zu Siemens, von Siemens zu Atos. Siemens hält zwölf Prozent an dem Unternehmen mit Zentrale in Paris. Beide treten nach eigener Darstellung gemeinsam am Markt auf und betreuen 130 Großkunden, investieren gemeinsam in Forschung und Entwicklung. "Atos ist eine echte Erfolgsstory", schwärmt Wilmsmann über seinen Arbeitgeber, der mit rund 12 Milliarden Euro Jahresumsatz inzwischen führender Anbieter von IT-Dienstleistungen in Europa ist. Auf dem deutschen Markt liegt Atos auf Platz 2 hinter T-Systems und vor IBM. Bei insgesamt 12.000 Mitarbeitern in Deutschland ist der Standort Paderborn zwar nicht der größte, hat aber inzwischen die Mitarbeiter der Nachbarstandorte Kassel und Bielefeld absorbiert und auch einige aus Essen dazu bekommen. Große Kunden sind zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit, für die man die monatlichen Statistiken rechnet, das Bundesamt für Güterkraftverkehr mit seinem Mautsystem, die Bundeswehr oder die hessische Polizei, aber auch führende Banken. Alle vier Jahre darf Atos als IT-Dienstleister für Olympia sogar die olympischen Ringe neben dem eigenen Schriftzug nutzen. Mit dem Aus- und Umzug werden nun allerdings die Leerstände in den Immobilien links und rechts der Wendeschleife an der Riemekestraße zum immer größeren Problem. Am Gebäude an der Riemekestraße 160 wirbt ein Plakat mit einer Emailadresse der Mayfield Properties mit "attraktiven Gewerbeflächen". Auch gegenüber, in "HNR 1, Gebäude F", gehen im Herbst noch mehr Lichter aus, wenn Autoelektronik-Zulieferer ROB Cemtrex, Nachfolger von Flextronics, die letzten Leute entlassen hat. Auf riesigen 75.000 Quadratmetern Büro- und Produktionsfläche macht sich denn gespenstische Leere breit. Dabei hatte Eigentümer Fortress, ein US-amerikanischer Fonds, in die Immobilie nach dem Kauf 2013 sogar investiert. Das Dach war saniert worden, Lüftungstechnik und Heizung wurden auf Stand gebracht. Doch offenbar war alle Mühe vergebens, neue Mieter zu finden, auch Bürgermeister Michael Dreier winkte ab, als man ihm ein Konzept vorlegte, wie aus HNR 1 die neue Stadtverwaltung hätte werden können. Fortress verkaufte die Immobilie schließlich vor Kurzem an den Finanzinvestor Publity. Dieser bewirbt das Gebäude HNR 1 inzwischen auf seiner Internetseite unter anderem mit der glorreichen Geschichte von Computerpionier Heinz Nixdorf und der guten Verkehrsanbindung. Allerdings zählt dazu aus Sicht der Leipziger Zentrale offenbar nicht der Flughafen Paderborn/Lippstadt, den man unerwähnt lässt. Dafür aber der 90 Kilometer entfernte Flughafen in Dortmund.

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