Am Modell in Originalgröße: Padersprinter-Geschäftsführer Peter Bronnenberg (r.) und Professor Ralph Pütz stellten Funktionsweise und Messergebnisse der neuen Filtertechnik für mit Diesel betriebene Busse vor. - © Hans-Hermann Igges
Am Modell in Originalgröße: Padersprinter-Geschäftsführer Peter Bronnenberg (r.) und Professor Ralph Pütz stellten Funktionsweise und Messergebnisse der neuen Filtertechnik für mit Diesel betriebene Busse vor. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn In Paderborn fährt der sauberste Bus der Welt

Padersprinter: Das Paderborner Busunternehmen hat einen neuen Abgasfilter erprobt. Ein Gutachten bescheinigt sensationelle Partikel- und Stickoxid-Werte. Jetzt geht es um Förderung

Hans-Hermann Igges

Paderborn. „Der sauberste Bus der Welt fährt derzeit mal wieder in Paderborn." Ralph Pütz, Professor und Spezialist für Nutzfahrzeugforschung und Abgasanalytik an der Hochschule Landshut, konnte vor Fachpublikum und politischen Vertretern rund um Bürgermeister Michael Dreier im Paderborner Rathaus gar nicht genug lobende Worte finden für einen neuen Abgasfilter aus Finnland. Dieser wurde jetzt beim kommunalen Paderborner Busunternehmen Padersprinter erfolgreich erprobt. Dies sei von Fahrzeugherstellern bis vor kurzem noch ausgeschlossen worden. Im Betrieb auf zwei Linien habe er den Messwerten zunächst kaum glauben wollen und dann mitten im laufenden Test die Messinstrumente neu kalibriert, so Pütz. Doch es sei dabei geblieben: „Der Ausstoß von Stickoxiden bewegte sich zum Teil im kaum noch messbaren Bereich", so Pütz. „Was aus dem Auspuff des Busses kam, war sauberer als die Umgebungsluft." Und das trotz ausgesucht schwieriger Testbedingungen zum Beispiel bei besonders langsamen Fahrten durch die Fußgängerzone – Bedingungen, die normalerweise dicke Luft wie in Rom oder Paris erzeugen. Padersprinter bekam 1999 den Deutschen Umweltpreis Der Testbetrieb bestätigt die Bemühungen von Padersprinter-Chef Peter Bronnenberg, der schon seit Jahren dafür bekannt ist, fortschrittliche Umwelttechnik zum Teil gegen Hindernisse, die ihm seitens der Hersteller dabei in den Weg gelegt worden seien, in seiner Busflotte zu erproben und so Vorreiter für andere zu sein. Dafür bekam das Unternehmen schon 1999 einen Deutschen Umweltpreis. Bronnenberg: „Mit dem neuen Filter können selbst alte Euro-2-Busse auf die aktuelle Euro-6-Norm nachgerüstet werden." Wirtschaftlich sinnvoll sei die Nachrüstung wegen der noch langen Betriebsdauer für die 30 Busse der insgesamt 100 Fahrzeuge umfassenden Flotte, die der Euro-5-Norm genügen. Kostenpunkt pro Fahrzeug laut Bronnenberg: Zwischen 17.000 und 20.000 Euro. Der Padersprinter-Chef: „Zwar verfolgen wir auch die Entwicklung von Elektrobussen genau. Aber für das Geld, mit dem man 30 Diesel-Busse nachrüsten kann, bekäme man heute nur einen Elektrobus." Doch auch dieses Geld müsste erst einmal aufgebracht werden: Deshalb hatte Bronnenberg auch die drei Paderborner Bundestagsabgeordneten Burkhard Blienert (SPD) sowie Carsten Linnemann und Karl-Heinz Wange (beide CDU) eingeladen. Lobby für Fahrzeughersteller Linnemann versprach, sich für einen gemeinsamen Termin beim Bundesverkehrsministerium einzusetzen, um – am besten im Rahmen einer Nachrüstungsrichtlinie – Fördermöglichkeiten zu ermöglichen. Die Lobby der Fahrzeughersteller, so Linnemann, sei aber stark: „Die wollen neue Fahrzeuge verkaufen." Dem widersprach zumindest aus seiner Sicht als Vertriebsleiter Westdeutschland für das Geschäft mit Bussen der Daimler AG Ulrich Piotrowski: „Wir begrüßen alle Bemühungen um eine saubere Umwelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei uns irgend etwas dagegen spricht, Euro-5-Busse nachzurüsten."

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