Extremschwimmer André Wiersig aus Paderborn versucht in dieser Woche den Santa Catalina Kanal vor Los Angeles zu durchschwimmen. - © Marc Köppelmann
Extremschwimmer André Wiersig aus Paderborn versucht in dieser Woche den Santa Catalina Kanal vor Los Angeles zu durchschwimmen. | © Marc Köppelmann

Paderborn Paderborner Extremschwimmer will den Santa Catalina Kanal durchqueren

"Ocean's Seven": In der Nacht zum 20. Juli startet André Wiersig zu seiner vierten Kanaldurchquerung. Rund zwölf Stunden wird er dann durch den Pazifik schwimmen

Viktoria Bartsch

Paderborn. André Wiersig aus Paderborn hat ein klares Ziel: die "Ocean's Seven", also die sieben am schwierigsten zu durchschwimmenden Meerengen der Welt, zu meistern. Drei davon hat er bereits geschafft. Nun plant er in der Nacht zum 20. Juli den Santa Catalina Kanal vor der Küste Los Angeles zu durchqueren. Rund 35 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Insel und dem Festland. Nur mit Badehose und Schwimmbrille wird Wiersig in der Nacht ins Wasser gehen. "Der Neoprenanzug ist verboten", sagt er. Schätzungsweise wird er zwischen neun und zwölf Stunden im Pazifik schwimmen, "das hängt natürlich von der Strömung ab." Dann können aus den 35 Kilometern Luftlinie auch schon mal bis zu 50 Kilometer im Wasser werden, schätzt der Extremschwimmer. Auch Haie sind ein Thema, die seien besonders am Nachmittag entlang des Huntington Beach aktiv. "Deswegen muss ich auch vorher ankommen." Ein Begleitboot mit vollständiger Crew wird dabei sein, wenn Wiersig durch den Kanal schwimmt. "Die halten dann Funkkontakt zu den anderen Schiffen und passen auf, dass nichts passiert." Auch ein offizieller Mitarbeiter der Channel Swimming Association wird dabei sein und darauf achten, dass alles regelkonform abläuft. "Dass ich zum Beispiel das Boot nicht berühre und keine Hilfe beim Schwimmen bekommen", erklärt Wiersig. Auch sein Schwager Jürgen Peters kommt mit. Er begleitet Wiersig mit einem Kanu durch den Pazifik und versorgt von dort aus mit Essen. Rund acht Monate hat sich Wiersig intensiv auf das Abenteuer im Santa Catalina Kanal vorbereitet. Um das Schwimmen im offenen Meer samt Wellengang zu trainieren, verbrachte der 45-Jährige beispielsweise eine Woche auf Mallorca. "In der Zeit bin ich mehr als 100 Kilometer im Meer geschwommen." Aber auch mentales Training sei wichtig gewesen: "Man muss kopfmäßig total auf dem Punkt sein, sonst packt man das nicht." Dabei lag der Fokus darauf, sich auch in der Dunkelheit sicher zu fühlen. Doch wie lernt man das? Wiersig ist dafür zum Beispiel nachts ohne Handy in den Wald gegangen. "Für das was ich mache, muss man lernen Ruhe zu bewahren. Verfällt man draußen im offenen Meer in Panik, hat man verloren." Es ist nicht die erste große Herausforderung, die Wiersig auf sich nimmt. Zweimal hat er schon den Iron Man gemeistert und für die "Oceans Seven" bereits den Ärmelkanal zwischen England und Frankreich, den Nordkanal zwischen Irland und Schottland und den Kaiwi Kanal zwischen den Inseln Moloka'i und O'ahu bei Hawai durchschwommen. "Mir geht es darum, die eigene Komfortzone zu verlassen und zu lernen, sich auch auf andere Personen zu verlassen." Und: Er habe einen anderen Blick auf die Meere bekommen. "Wenn einem eine Mülltüte oder Europalette da draußen entgegenkommt, dann weiß man, wie schlecht es dem Meer geht", sagt Wiersig. Schafft der 45-Jährige den Santa Catalina Kanal zu durchschwimmen, stehen noch drei Kanaldurchquerungen für die "Ocean's Seven" aus: die Cook Street bei Neuseeland, die Straße von Gibraltar zwischen Marokko und Spanien und die Tsugaru-Straße bei Japan. Bislang haben sechs Menschen die "Ocean's Seven" gemeistert - André Wiersig wäre der erste Deutsche.

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