Meister an den Stangen: Nach dem Triumph im offenen Doppel, wo sich die beiden einen ersten Platz holten, gaben der 25-jährige Cornelius Kniepert und Maura Porrmann (26) auch in den Einzelwettkämpfen ihr Bestes. - © Svenja Ludwig
Meister an den Stangen: Nach dem Triumph im offenen Doppel, wo sich die beiden einen ersten Platz holten, gaben der 25-jährige Cornelius Kniepert und Maura Porrmann (26) auch in den Einzelwettkämpfen ihr Bestes. | © Svenja Ludwig

Paderborn Paderborn richtet die Deutsche Meisterschaft im Tischfußball aus

Bei den Stadtmeisterschaften im Multicult waren auch Weltmeister und Stars der Szene am Ball

Svenja Ludwig

Paderborn. Wer beim Bierchen in der Kneipe oder bei einer turbulenten Partie mit dem Nachwuchs schon immer das Gefühl hatte, an ihm sei ein Kicker-Ass verloren gegangen, der sollte nun die Stangen ölen und die Schrauben fest ziehen. Denn 2020 richtet die Stadt Paderborn die Deutsche Meisterschaft im Tischfußball aus. Und wirklich jeder kann mitmachen. Während die Entscheidung der Führungsriege des deutschen Tischfußballs und des Paderborner Jugendherbergswerk am Samstag fiel, rollte der Ball bereits im Multicult, dem Jugendtreff am Maspernplatz. An 26 genormten Tischen kämpften Weltmeister, Profis und ambitionierte Amateure um die Paderborner Stadtmeisterschaft. Physische Überlegenheit Das besondere am Kickern: Physische Überlegenheit führt nicht zwangsläufig zum Ziel. „Junioren schlagen Senioren, das Kind mit dem amputierten Bein schlägt das Kind ohne Handicap, Mädchen schlagen Jungen", weiß Engelbert Diegmann, Vorsitzender der deutschen Tischfußballjugend. Der lebende Beweis: Maura Porrmann. Die 26-Jährige fixiert die Torwart- sowie die Verteidigerstange locker mit Daumen und kleinem Finger der linken Hand. Die rechte, behandschuhte führt den Ball in der Stürmerreihe. Jetzt läuft die Zeit: nur wenige Sekunden hat sie, um abzuschließen. Die gegnerischen schwarzen Figuren tänzeln in scheinbarer Unvorhersehbarkeit vor dem kleinen Tor herum. Doch Porrmann hat eine Lücke entdeckt. Blitzschnell verpasst sie ihren Angreifern einen gekonnten Dreh, die weiße Kugel schießt an den Plastikgegnern vorbei und schlägt mit einem lauten Knall im Tor ein. Ein kurzes Lächeln, dann ist sie wieder konzentriert. Tischfußball ist ästhetisch Bereits am Samstag hat sie mit Partner Cornelius Kniepert (25) den Pokal im Offenen Doppel gewonnen, indem sie „die männliche Konkurrenz an die Wand spielte", erinnert sich Diegmann. Jetzt will Porrmann auch bei den offenen Einzelturnieren nachlegen. Was die gebürtige Höxteranerin an dem Sport so fasziniert? „Ich mag die Schussgeschwindigkeit", gesteht sie, „und Tischfußball ist sehr ästhetisch. Es gibt Spielzüge mit besonderer Schönheit". Tatsächlich hat das, was die mehr als hundert Sportler aus ganz Deutschland zeigen, wenig mit wildem Gepöhle zu tun. „Es ist wie Schach", sagt Diegmann. Es gehe weniger um Kraft und Geschwindigkeit, sondern um Taktik und Bewegungsmuster. Veranstaltet werden die Stadtmeisterschaften von der Paderborner Kickerliga. Dass mit der Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft auch die Arbeit der Szene gewürdigt wird, freut Sophie Windbrake vom Vorstand. „Paderborn kriegt das super hin, das wird sicher auch ein Erfolg", prophezeit die Studentin. Nur ein paar mehr Zuschauer wünscht man sich. Erstmals werden die Deutschen Meisterschaften in drei Jahren aber eine Botschaft übermitteln. „Wir wollen nicht nur eine Meisterschaft, sondern auch ein Kinder- und Familienfest und das inklusiv", sagt Diegmann. Einen Grundschulmeister werde es ebenso geben wie einen Wettkampf zwischen Rollstuhlfahrern. Erwachsene und Profis seien indes „Rahmenprogramm".

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