Am Ausgangspunkt: Hier in Corvey startet der Jakobsweg am Karolingischen Westwerk bis nach Dortmund. - © Simone Flörke
Am Ausgangspunkt: Hier in Corvey startet der Jakobsweg am Karolingischen Westwerk bis nach Dortmund. | © Simone Flörke

Paderborn/Möhnesee Geführte Wanderungen auf dem Jakobsweg

Neues Angebot: Michael Mylius startet im nächsten Jahr Wanderungen auf dem Alten Hellweg vom Weserbergland über Paderborn bis ins Ruhrgebiet. Anmeldungen sind schon möglich

Simone Flörke

Paderborn/Möhnesee. „Der landschaftlich wie kulturhistorisch facettenreichste Pilgerweg in Deutschland führt vom UNESCO-Weltkulturerbe in Corvey über Paderborn und Soest bis Dortmund zur St.-Reinoldi-Kirche", sagt Michael Mylius. „Auf diese etwa 175 Kilometer lange Etappe möchte ich als Reiseführer ab März 2018 einladen." Und zwar auf verschiedenen Etappen. Anmeldungen dafür sind bereits online möglich. Es sind geführte Wanderungen mit landschaftlichen, kulturellen oder politischen Infos und Abstechern, mit Stadtbesichtigungen und Führungen an spannenden Orten, mit Bustransfers und Übernachtungen. Zu Fuß die Heimat erkunden, Natur erleben, eigene Grenzen erfahren und innere Ruhe wiederfinden: Entstanden ist die Idee dazu, weil der gebürtige Höxteraner Mylius („mit Weserwasser getauft"), der in der Region aufgewachsen ist, in Höxter und Steinheim lebte und vor fast zwei Jahren an den Möhnesee gezogen ist, den Weg vor der Haustür selbst entdeckt, erwandert und lieben gelernt hat. Im vergangenen Jahr war das, in zwei Etappen. Es sei die Neugier gewesen, sagt der 54-Jährige, die ihn angetrieben hat. Heimat- und naturverbunden, wie er ist. „In den Köpfen der Menschen hat sich so das Hape-Kerkeling-Zitat ,Ich bin dann mal weg’, festgesetzt, mit dem man den spanischen Jakobsweg nach Santiago de Compostela verbindet." Dass ein überaus vielfältiger und spannender Jakobsweg direkt vor der Haustür entlangführe, das wüssten viele gar nicht. Und die Resonanz auf seine eigenen Wanderungen hat Mylius dazu bewegt, diese Begeisterung auch anderen weitergeben zu wollen. „Viele Menschen spielen seit langem mit dem Gedanken, möchten mal raus, mal weg, mal zur Ruhe kommen, einen Schicksalsschlag oder einen beruflichen oder familiären Rückschlag verarbeiten. Oder einfach die Natur und Kultur genießen. Sie schieben das vor sich her, weil ihnen allein die Sicherheit fehlt. Oder sie trauen sich nicht aus gesundheitlichen oder aus Altersgründen." Da will Michael Mylius einhaken und diese Unterstützung im Hintergrund, diese stille Begleitung auf der Strecke anbieten – in kleinen Gruppen von sechs bis zehn Personen und auf verschiedenen Etappen. Und zwar gemeinsam mit seiner Partnerin in diesem Projekt, Astrid Gerdes aus Soest. „Das Thema hat mir keine Ruhe gelassen", sagt der 54-Jährige selbst. Also knüpfte er Kontakte zu Touristikern, zu Hoteliers, zu Seelsorgern, Ortsheimatpflegern, Rehaeinrichtungen. Und stieß überall mit seiner Idee auf offene Türen. Denn auch Menschen mit einer Krankheit, nach der Reha oder deren Angehörige möchte er mit diesem neuen Angebot ansprechen. „Wir wollen keine Touren mit sportlichen Höchstleistungen. Die Etappen sind immer so geplant, dass auch Menschen mit Diabetes oder Rheuma sie bewältigen können." Und dabei Nachdenkliches, Historisches, Unterhaltsames über die Landschaft erfahren, in der sie unterwegs sind.

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