Homophobe Schriftzüge auf einem Firmenwagen sorgen im Kreis Paderborn für Aufsehen. - © picture alliance / NurPhoto
Homophobe Schriftzüge auf einem Firmenwagen sorgen im Kreis Paderborn für Aufsehen. | © picture alliance / NurPhoto

Paderborner hetzt auf Firmenfahrzeug gegen Schwule

Friderieke Schulz

Paderborn/Bielefeld. Das Foto eines Paderborner Firmenfahrzeuges sorgt für mächtig Ärger im Netz. Grund ist nicht das Auto selbst, sondern eine homophobe Aussage, die an der Scheibe prangt. Als Stefan K. (Name geändert) seinen Wagen auf dem Parkplatz des Tierparks in Bielefeld abstellte, schaute er direkt auf den Schriftzug „Schwule sind krank. Die PO-litik ist für den Arsch", der von Innen auf der Heckscheibe des Firmenwagens klebte. „Ich habe einige homosexuelle Freunde und wir haben gerade die Ehe für Alle gefeiert", sagt Stefan K., der dementsprechend entsetzt war. Hinzu kamen die zwei Aufkleber unter dem Schild, die er der rechten Szene zuordnete. „Odin statt Allah" steht auf einem, auf dem anderen ist die schwarze Sonne zu sehen. Am Montag bestritt Firmeninhaber Willy Ader die Aufkleber nicht. Wohl aber, das Plakat selbst angebracht zu haben. Er konnte sich nicht erklären, wie es ins Innere seines Wagens gekommen war. Beim persönlichen Gespräch am Dienstag änderte er die Meinung und gab zu, das Plakat angeklebt zu haben. Eine Handlung, die er bereue. „Ich habe mich maßlos über das Gesetz Ehe für Alle geärgert und übertrieben", sagt der 52-Jährige. Nicht die Öffnung der Ehe für Homosexuelle, sondern die fehlende Grenzziehung des Begriffes hätten ihn geärgert. Dazu stehe er, auch wenn er nicht die richtigen Worte verwendet habe. Firmeninhaber kann Aufregung nicht verstehen Rechtsextrem sei er dennoch nicht. „Das sind germanische Zeichen, die bereits 6.000 Jahre vor Christus existierten", so Ader, der inzwischen alle Aufkleber entfernt hat. Den Aufruhr im Netz kann er nicht verstehen. „Man versucht, mich in die rechte Ecke zu drängen. Ich distanziere mich von rechtem Gedankengut, lasse mir aber nicht nehmen meine Meinung zu sagen, oder zu glauben, woran ich glauben möchte", sagt Ader, der seinen Schriftzug nicht als beleidigend empfindet: „Wenn zu mir jemand sagt: Willy, du bist krank, kann ich darüber auch lachen." Distanz sucht der Flughafen Paderborn, der den Flugzeugservice als Mieter beherbergt. „Die Geschäftsführung distanziert sich auf das Schärfste von der auf dem Fahrzeug erkennbar gemachten Haltung. Jedwede Art von Diskriminierung lehnen wir strikt ab", teilt Stefan Hensel von der Unternehmenskommunikation mit. Derzeit prüfe das Unternehmen, ob es rechtliche Schritte einleiten kann. Beim Staatsschutz in Bielefeld wird der Schriftzug ebenfalls nicht als Streich behandelt. Die Ermittlungen wurden aufgenommen. Es besteht der Verdacht der Volksverhetzung. Der Fall wurde der Staatsanwaltschaft zur rechtlichen Prüfung vorgelegt. Die Verwendung des Symbols schwarze Sonne und der Odin-Schriftzug sind übrigens nicht verboten. Odin ist als Göttervater aus der nordgermanischen Mythologie bekannt. Die schwarze Sonne ist laut der Bundeszentrale für politische Bildung kein historisches Symbol, sondern ein Kunstsymbol der SS, auch wenn aus der rechten Szene oft behauptet wird, dass ihre Ursprünge ebenfalls viel weiter zurück liegen. Viele Neonazis verwenden beide Symbole bewusst in Anspielung auf den SS-Ahnenkult.

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