Vielleicht bald häufiger: Bislang gibt es in Paderborn vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr. CDU und FDP wollen in NRW bald die Ausweitung ermöglichen. An der Pader könnten dann zwei weitere Shopping-Sonntage dazukommen. - © Marc Köppelmann
Vielleicht bald häufiger: Bislang gibt es in Paderborn vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr. CDU und FDP wollen in NRW bald die Ausweitung ermöglichen. An der Pader könnten dann zwei weitere Shopping-Sonntage dazukommen. | © Marc Köppelmann

Paderborn Was Paderborner über neue Möglichkeiten bei verkaufsoffenen Sonntagen denken

Verkaufsoffen: Die Werbegemeinschaft hat bereits eine Ausweitung des Angebots diskutiert, nachdem die künftige Landesregierung das Ladenöffnungsgesetz lockern will. Kritik kommt von Verdi und der Kirche

Birger Berbüsse

Paderborn. Achterbahnfahrt für die Paderborner Werbegemeinschaft: Nachdem es zu Jahresbeginn so aussah, als könnte es in Paderborn gar keine verkaufsoffenen Sonntage mehr geben, sind jetzt nach NW-Informationen sogar sechs statt der bisherigen vier im Gespräch. Hintergrund dieser Überlegungen sind die Pläne der künftigen Landesregierung, das Ladenöffnungsgesetz zu liberalisieren. Die schwarz-gelbe Koalition will eine rechtssichere Möglichkeit schaffen, um die Ladenöffnung an jährlich acht statt bislang vier Sonntagen zu gestatten. Diese im Koalitionsvertrag getroffene Vereinbarung bezeichnet die Paderborner Werbegemeinschaft als "eine sehr gute Nachricht". Bislang hätten der Kaufmannschaft vier Sonntage gereicht. "Aber aus vier könnten sechs werden", sagte die Vorsitzende Anne Kersting auf Anfrage der NW. Nach Bekanntwerden der Pläne von CDU und FDP sei im Vorstand der Werbegemeinschaft "locker" über das Thema gesprochen worden. Acht Sonntage hält Kersting allerdings für zu viel, da die Tage auch entsprechend gestaltet werden müssten. "Die Leute wünschen ein Erlebnis", so die Vorsitzende. Citymanager Uwe Seibel hält das Vorhaben der Koalition ebenfalls für die "richtige Richtung". Für ihn ist es nun das Wichtigste, dass der Anlassbezug für verkaufsoffene Sonntage gestrichen wird. "Dieses Damoklesschwert wollen wir nicht mehr über uns schweben haben", sagt Seibel, denn die Kommunen bräuchten Planungssicherheit. Die Gesetzgebung müsse das nun regeln. Erst danach könne man konkret über eine Erhöhung der verkaufsoffenen Sonntage nachdenken. Ende Mai klang das noch gänzlich anders: Nach dem Klageverzicht von Verdi für dieses Jahr hatten sowohl Kersting als auch Seibel betont, nicht mehr als vier verkaufsoffene Sonntage zu wollen. Acht Sonntage seien "deutlich zu viel" Dass CDU und FDP den Gemeinden die Kompetenz geben wollen, an mehr Sonntagen zu öffnen, begrüßt auch Jens Reinhardt, Chef des Paderborner Stadtmarketing: "Aus unserer Sicht ist alles gut, was die Innenstadt lebendig und lebenswert macht." Dabei komme es weniger auf die Zahl als vielmehr auf die Rechtssicherheit an. Ihm seien im Übrigen einheitliche Öffnungszeiten in der Stadt viel wichtiger als die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage. Verdi-Geschäftsführerin Martina Schu bleibt angesichts der Pläne von Schwarz-Gelb vorerst gelassen: "Das ist erst mal nur eine Absichtserklärung, die ich nicht überbewerte", sagte sie der NW. Schu geht außerdem nicht davon aus, dass der Anlassbezug einfach entfallen könne. "Das ist Verfassungsrecht", betont die Gewerkschafterin. Acht Sonntage seien außerdem "deutlich zu viel". Vier seien bereits nur ein gefundener Kompromiss. Schließlich gehörten verkaufsoffene Geschäfte nicht zu den Arbeiten, die sonntags unbedingt notwendig seien wie das bei Ärzten oder Krankenschwestern der Fall sei. "Vier sind die Obergrenze", hält Schu fest. Verdi wolle auch zukünftig "ganz penibel" dafür sorgen, dass die Rechtslage eingehalten wird - wenn es sein müsse, auch auf dem Klageweg. "Bedauerlich" nennt Paderborns Dechant Benedikt Fischer die Entscheidung der künftigen Regierung. Er erinnerte daran, dass die katholische Kirche grundsätzlich gegen verkaufsoffene Sonntage sei. Doch auch über die kirchlichen Bedenken hinaus sei der arbeitsfreie Sonntag ein großer kultureller Wert, um den Deutschland beneidet würde. "Das höhlen wir nach und nach aus", so Fischer.

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