Ein hauchzarter Traum in Rosa: Regentin Brigitte Möller wird von ihrem König Elmar Gerold durch ihr „Heidenreich“ geführt (2. Paar von links). Voran marschieren das Zeremonienmeisterpaar Stefan und Alexandra Gillmann. Fotos: Svenja Ludwig - © Svenja Ludwig
Ein hauchzarter Traum in Rosa: Regentin Brigitte Möller wird von ihrem König Elmar Gerold durch ihr „Heidenreich“ geführt (2. Paar von links). Voran marschieren das Zeremonienmeisterpaar Stefan und Alexandra Gillmann. Fotos: Svenja Ludwig | © Svenja Ludwig

Paderborn Paderborner Stadtheidefest mit eigenem Charme

Königschießen: Andreas Mönikes neuer Regent. Nieselregen kann gute Laune beim Festumzug am Samstag nicht trüben

Svenja Ludwig

Paderborn-Stadtheide. Wer am Samstagabend in der Nähe des Dr.-Rörig-Damms unterwegs war, konnte auf den ersten Blick glauben, er wohne einem Schützenfestumzug bei. Das Heidefest der Stadtheide-Vereinigung „ist aber kein Schützenfest“, wie der 1. Vorsitzende Carsten Heerde betont. Und so ist auch beim dazugehörigen Festumzug alles ein bisschen anders. Der Parade voran marschiert zum Beispiel eine Frau. Im anthrazitfarbenen Hosenanzug statt üppigem Kleid ist Anja Brink, 2. Vorsitzende der Vereinigung, mehr als schmückendes Beiwerk. Sie kommandiert die Umzugsteilnehmer und gibt Richtung sowie Tempo vor – für ortsfremde Zuschauer und die ordentlich uniformierten Schützen der Gastkompanien vielleicht keine alltägliche Situation. Uniformen gibt’s auch nicht. Und obwohl geographisch im Herzen Westfalens verortet, findet sich in der Stadtheide weit und breit keine „westfälische Reihe“. Die Vereinigungsmitglieder hofieren ihre Majestäten in bunten Scharen. König Elmar Gerold und seine drei Brüder, die die Prinzen gaben, schreiten im feinen Zwirn und Krawatte. Regentin Brigitte Möller trägt ein hauchzartes, rosafarbenes Abendkleid. Eine silberne Bordüre grenzt dabei das enge Neckholderoberteil vom luftig schwingenden, langen Rock ab. Bei kühlen Temperaturen ersetzt eine blassrosa Stola die Ärmel, Möllers blonde Hochsteckfrisur krönt ein filigranes Diadem. Den Hofstaat-Damen stehen flaschengrüne Roben mit schwarzen Spitzenjäckchen gut zu Gesicht. Ständiger Begleiter des Festakts ist ein leichter Nieselregen. Wer kann, verfolgt den Umzug durchs Fenster oder vom Balkon. Die Zuschauer mit weniger exklusiver Wohnlage zieht es dennoch auf die Straßen. Unter bunten Regenschirmen tragen sie die gute Laune bis zur Schwabenstraße. Denn dort erwartet die Stadtheider Majestäten und ihr „Heidevolk“ nach der Parade ein standesgemäßer Empfang im Festzelt. Bekannterweise trauert die Geschichte scheidenden gekrönten Häuptern nicht lange hinterher. Besonders populär ist da der Schlachtruf: „Der König ist tot, lang lebe der König“. Nun wird Gerold die Feierlichkeiten sicherlich unversehrt überstanden haben, doch neigt sich seine Amtszeit unweigerlich dem Ende zu. Und so wurden bereits am Freitagabend Thronfolger für den Stadtheider Festadel gesucht. Mit dem 26. Schuss errang dabei Andreas Mönikes die Regentschaft. Der 52-jährige Lagerist ist nach eigener Aussage ein echtes „Heidekind“ und nun „spontan“ König. An seiner Seite wird Ehefrau Claudia herrschen – übrigens eine Cousine der Gerold-Brüder. Damit bleibt die Königswürde gewissermaßen in der Familie. Die Krone des hölzernen Vogels fiel beim 22. Schuss, ausgeführt von Jens Kleinschlömer. Zepterprinz wurde Christian Mönikes mit dem 17. Schuss. Den Titel „Apfelprinz“ sicherte sich Marius Gerold (23. Schuss). Am Sonntag folgte das umfangreiche Familienprogramm mit dem Heideholschenlauf und Spendenübergaben (wir berichten noch).

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