Gibt nicht auf: SCP-Präsident Wilfried Finke lässt sich von der negativen Ratsentscheidung nicht entmutigen. Die Suche nach den dringend benötigten Geldgebern, um die Lücke in der Planungskasse zu stopfen, läuft weiter auf Hochtouren – mit ersten Erfolgen. - © Marc Köppelmann
Gibt nicht auf: SCP-Präsident Wilfried Finke lässt sich von der negativen Ratsentscheidung nicht entmutigen. Die Suche nach den dringend benötigten Geldgebern, um die Lücke in der Planungskasse zu stopfen, läuft weiter auf Hochtouren – mit ersten Erfolgen. | © Marc Köppelmann

SC Paderborn Paderborns Präsident Finke kämpft um Geldgeber

Bei der wichtigen Suche nach Unterstützern hat der Präsident offenbar erste Erfolge erzielt. Einige Sponsoren greifen wegen Absage durch die Stadt tiefer in die Tasche

Birger Berbüsse

Paderborn. Wäre die Ratssitzung ein Fußballspiel und die abgegebenen Stimmen Tore gewesen, man würde von einem Kantersieg für die einen und einem Debakel für die anderen sprechen. Mit 59:5 stimmten die Ratsmitglieder gegen eine Stundung von Verbindlichkeiten für den SC Paderborn. Aufgegeben haben die Verantwortlichen trotz dieses Rückschlags aber noch nicht. „Ich werde bis zur letzten Patrone kämpfen", kündigte SCP-Präsident Wilfried Finke im Gespräch mit der Neuen Westfälischen an. Mit der Entscheidung des Stadtrates habe man rechnen müssen, sagt Finke, der zuvor von Bürgermeister Michael Dreier per Brief informiert worden sei, dass es wohl zur Ablehnung kommen werde. Er selbst habe aber mit den Fraktionsspitzen gute Gespräche geführt, so dass ihm das Ergebnis letztlich „zu eindeutig" sei. Das gelte es nun aber zu akzeptieren. Finke fügt jedoch hinzu: „Was das im Hinblick auf Folgekosten für den Steuerzahler bedeutet, kann man erst später sehen." Lücke von rund zwei Millionen In der Planungskasse für die Spielzeit 2017/18 zur Abdeckung der Ausgaben klafft eine Lücke von rund zwei Millionen Euro. Diese muss spätestens bis zum 2. Juni geschlossen sein – sonst droht der Zwangsabstieg. Deshalb läuft derzeit die intensive Suche nach Geldgebern. „Da war der Ratsentscheid natürlich kein gutes Zeichen in die Paderborner Unternehmerschaft", gibt der Präsident zu. Finke hat aber auch Positives zu berichten. Ihn hätten schon viele Sponsoren angerufen, die kein Verständnis für diese Entscheidung haben. „Die wollen uns nun noch stärker unterstützen", berichtet Finke. „Einige 100.000 Euro" hätte der Verein bereits zusammen. Ob es am Ende reiche, müsse sich zeigen. Zunächst steht an diesem Samstag ohnehin erst einmal der sportliche Part im Vordergrund. Die über den Abstieg oder Klassenerhalt entscheidende Partie in Osnabrück sei ein 50/50-Spiel, sagt Finke, der wegen seiner vielen Verpflichtungen nicht im Stadion sein wird. „Ich hoffe natürlich auf das bessere Ende für uns." "Image hängt immer auch mit Leistung zusammen" Die Daumen für den SC Paderborn drückt auch Jürgen Behlke, Vorsitzender des Fördervereins Pro Leistungssport: „Persönlich tut es mir sehr leid, wie es so für den Verein gekommen ist." Die Ablehnung der Stundung sei aus Sicht des Rates aber nachvollziehbar, sagt Behlke, der auch Paderborner IHK-Chef ist. Es sei schwierig für die Stadt, da Steuergelder hinzuzugeben. Gewiss hätte die 1. Liga der Stadt einen Imagegewinn gebracht. „Aber Image hängt immer auch mit Leistung zusammen", sagt Behlke. Zuletzt seien die Leistungen eher keine Werbung mehr für die Stadt gewesen. Behlke gibt auch zu bedenken, dass im Verein viele Dinge gelaufen seien, über die man nachdenken müsse. Neben der Aufgabe, Geld reinzuholen, müsste auch überlegt werden, wie man Geld einspare. Auch im fernen Seoul schaut zumindest ein Mann aufmerksam auf das Schicksal des SC Paderborn. Manfred Schnieders begleitet als Vorsitzender des DFB-Spielausschusses die U20-Fußballer bei der Weltmeistermeisterschaft. „Ein Abstieg wäre eine Katastrophe und nicht finanzierbar", befürchtet der Salzkottener. Für die Region wäre ein Abrutschen des SCP in den Amateurfußball ein Riesenverlust. Im Nachwuchsleistungszentrum sollten schließlich die Talente aus der Umgebung gefördert werden. „Deshalb ist es wichtig, dass der SCP im Profifußball bleibt", hat Schnieders besonders den Nachwuchs im Blick. Der Aufsichtsrat des SC Paderborn wollte sich auf NW-Anfrage nicht äußern. Fan-Kritik im Internet Die abgelehnte Stundung durch den Stadtrat beschäftigt nicht nur die Verantwortlichen, sondern auch die Anhänger des Vereins. Die äußern im Internet auf www.nw.de und der Facebook-Seite der NW ihren Unmut über die Entscheidung der Politiker. „Irgendwann kommen auch wieder bessere Zeiten für den SCP", glaubt @ZORRO65. Er würde aber jetzt schon mal den Ratsmitgliedern ein Stadionverbot auf Lebenszeit erteilen. „Aber auch die Mitglieder müssen sich hinterfragen. Ganz Paderborn guckt seelenruhig dabei zu wie der SC untergeht." Das sei einfach traurig. Für @Dominik Schäfers ist die Entscheidung „semioptimal". Schließlich gingen der Stadt auch Einnahmen verloren, zum Beispiel durch die Touristen. „Ich denke, wenn die Insolvenz kommt, ist es aus mit dem SCP. Auch wenn ich kein Fan bin, ist es eine ganz traurige Sache, damit verliert die Region echt was." @Chris Ruck denkt ebenfalls an eine mögliche Insolvenz: „Dann bleibt die Stadt auf höheren Kosten als der notwendigen Hilfe sitzen..." Dass keinerlei Gelder von der Stadt kommen, findet @PBFan71 persönlich traurig und extrem schade. Zwar habe die Stadt schon viel getan. In „einer so prekären Situation" wäre jedoch ein weiteres Engagement wünschenswert gewesen. Stimmen, die Verständnis äußern „Jeder Verein stellt eine wirtschaftliche Einheit dar, ähnlich wie eine Firma", schreibt @Buddy1964. Wenn dann ein Verein nicht in der Lage sei, wirtschaftlich zu überleben, dann gehe er in die Insolvenz, wie jede Firma auch. „Naja, die Karre in den Mist fahren und das mit Anlauf und Vollgas und dann der Stadt die Schuld für ein mögliches Aus geben – ganz großes Kino", urteilt @Albert Rudolf Quax. Für @Consultant ist es zwar noch nicht zu spät, noch eine Lösung zu finden. Er sieht bei dem Projekt „Öffentliche Unterstützung" allerdings ein allgemeines Versagen der Vereinsspitze: „Weder Finkes Beschimpfung auf der Mitgliederversammlung noch die Demo waren zielführend."

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