Renommierte Größe in der deutschen Jazzszene: Die Blues Company mit (v. l.) Mike Titré, Leader Toscho Todorovic, Uwe Nolopp (Trompete), Volker Winck (Tenorsax). - © Johannes Kühle
Renommierte Größe in der deutschen Jazzszene: Die Blues Company mit (v. l.) Mike Titré, Leader Toscho Todorovic, Uwe Nolopp (Trompete), Volker Winck (Tenorsax). | © Johannes Kühle

Paderborn Blues Company rockt die Kulturwerkstatt

Brillantes Sextett aus Osnabrück: Viel Drive und große Spielfreude zeichnet die Bluesspezialisten aus. Und Freude am Experimentieren

Johannes Kühle

Paderborn. Auch ein weitaus bekanntes und vielgelobtes Ensemble braucht offenbar ein wenig Zeit, um in Schwung zu kommen. Die Osnabrücker „Blues Company", eine sehr renommierte Größe in der deutschen Jazz-Szene, machte von Anfang an einen routinierten Eindruck. In den ersten Stücken wirkte der Auftritt jedoch gerade deswegen nicht wirklich mitreißend. Zu hören bekamen die Gäste der Mai-Ausgabe des Paderborner Jazz-Clubs zunächst sehr bodenständigen Lehrbuch-Blues mit nur sanften Anklängen von souveränen Soli und freimütigen Melodien. Der erste Titel „Rock This House" konnte sein Versprechen leider (noch) nicht zu einhundert Prozent halten. Das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn schon bald stellte das Sextett unter dem Leadsänger und Gitarristen Toscho Todorovic eindrucksvoll unter Beweis, mit welchen Qualitäten es sich als erstklassiges deutsches Blues-Ensembles etablieren konnte. Die Band verfügt über eine tolle Bandbreite von Stilen und Ausdrücken, die in der Musik anklingen. Außerdem ist die „Blues Company", in ihrer Grundbesetzung seit dem 20. Mai 1976 (!) im Bühnengeschäft unterwegs, einfach ein unglaublich gut aufeinander eingespieltes Ensemble.   Es macht deswegen auch schlichtweg Spaß zu hören, wie immer freiere und ausdrucksstärkere Passagen aus der Musik herausdringen. Todorovic singt geradezu auf seiner Gitarre sehr sensibel geführte Melodielinien, während Mike Titré als Co-Leader seine Gitarre zunehmend gegen eine auch ziemlich gesangliche Mundharmonika austauscht. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen dem Blues aus den Staaten und der deutschen Kopie desselben, die im Falle der Blues Company durch außerordentliche Authentizität besticht. Komplettiert wird der Sound durch farbenreiche Soli von Uwe Nolopp an der Trompete und dem Tenorsaxophonisten Volker Winck. Beide bereichern neuerdings die Blues Company mit Bläserklängen. Die Musiker bewahren sich die ganze Zeit über einen angenehm vergnüglichen Touch. Auch dann, wenn Toscho Todorovic den bedrückenden Osnabrücker Sommerregen zum Thema einer sehr getragenen und verschwommenen Komposition macht. Hier weicht das Ensemble auch ganz bewusst ab von charakteristischen Bluesklängen und entfaltet Freude am Experimentieren. Die tröpfelnden Gitarrentöne ganz am Ende verdampfen im aufwallenden Sound des Beckens. Scharfer Kontrast Zum Glück kann die Blues Company nicht nur vergnüglich und melancholisch, sondern auch richtig ausgelassen: Einen denkbar scharfen Kontrast zum Regenlied setzen sie direkt im Anschluss. Da geht es richtig ab, mit viel Drive, großer Spielfreude und einer langanhaltenden Parade von Soli. Darin kommt jedes Instrument ausführlich zur Geltung: Auch Drummer Florian Schaube und sein Kollege Arnold Ogrodnik brillieren mit ausgefeilten Solopassagen. Der erste Titel hat sein Versprechen also doch einlösen können: „Rock This House", das beschreibt den Auftritt der Band in der Kulturwerkstatt insgesamt ziemlich trefflich. Einzelne Zuschauer, man glaube es kaum, tanzten sogar fröhlich zur Musik. Es bleibt zu hoffen, dass die Bluesspezialisten aus Osnabrück das Paderborner Publikum nicht wieder ganze zwei Jahre bis zu ihrer Rückkehr warten lassen.

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