Gastgeber und Gäste: (v. l.) Abdullah Scheikhna, Karsten Strack, Kristin Lohse, Tobias Fenneker, Maher Kordi, Norbert Mertens und Sigrid Tenge-Erb in der Buchhandlung Linnemann. Foto: Dietmar Gröbing - © DIG
Gastgeber und Gäste: (v. l.) Abdullah Scheikhna, Karsten Strack, Kristin Lohse, Tobias Fenneker, Maher Kordi, Norbert Mertens und Sigrid Tenge-Erb in der Buchhandlung Linnemann. Foto: Dietmar Gröbing | © DIG

Paderborn Weltenbummler aus Paderborn

Talkrunde: Mehr als 100 Anwesende verfolgen die jüngste Ausgabe der Reihe „Aus der Nachbarschaft“. Fünf Fernreisende kommen in die Buchhandlung Linnemann

Dietmar Gröbing

Paderborn. Das Repertoire an interessanten Paderbornern scheint unerschöpflich. Zumindest, wenn man den Machern der Talkreihe „Aus der Nachbarschaft" Glauben schenkt. Denn Tobias Fenneker und Karsten Strack zaubern regelmäßig ungewöhnliche Menschen mit ungewöhnlichen Geschichten aus dem Hut. Zuletzt am Mittwoch, als man sich erneut in der Buchhandlung Linnemann traf. Wieder war die Veranstaltung ausverkauft, wieder nahmen fünf Paderbornerinnen und Paderborner auf dem Auditorium Platz. Alle sind „Weltenbummler aus der Nachbarschaft". Namentlich handelt es sich um Kristin Lohse, Sigrid Tenge-Erb, Norbert Mertens, Maher Kordi und Abdullah Scheikhna. Letzterer lebt seit 15 Jahren in der Paderstadt, stammt aber ursprünglich aus Mauretanien. Um die Heimat zu besuchen, schwingt sich Scheikhna regelmäßig in sein Auto, das ihn innerhalb von fünf Tagen an die afrikanische Atlantikküste transportiert. 5.500 Kilometer über Land und Wasser. Eine echte Strapaze, doch für den Familienzusammenhalt, laut Scheikhna „das Allerwichtigste in Mauretanien", ist ihm kein Weg zu weit. Hingegen ist dem studierten Wirtschaftsinformatiker materieller Besitz nicht wichtig. „Ich bin arm und werde arm bleiben", sagt Scheikhan, der weiß, dass man „Glück nicht am Kontostand ablesen kann". 35-tägige Tortur Den Freiheitsgrad auch nicht. Was Maher Kordi schmerzlich erfahren musste, als er von einem Tag auf den anderen keine Freiheit mehr besaß. Vom Assad-Regime unschuldig ins Gefängnis verfrachtet, erlebte der Syrer eine 35-tägige Tortur. Auf körperliche und seelische Pein folgte die vom Vater mit finanzieller Hilfe ermöglichte Flucht. Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich kommt Maher Kordi schließlich nach Paderborn, wo er seit 20 Monaten „Menschlichkeit und Freundlichkeit vorfindet". Die hat auch Norbert Mertens erlebt – während seines Aufenthalts in den USA. Der gelernte Apotheker hat seinen Laden nach zwei Jahrzehnten harter Arbeit dicht gemacht und eine neue Heimat in seinem Sehnsuchtsland gefunden. Weil es aber nirgends so schön ist wie in Paderborn, hat Mertens mittlerweile wieder heimischen Boden unter den Füßen. Was auch für Sigrid Tenge-Erb gilt, die mehrere Jahre in Shanghai lehrte. Die Pädagogin unterrichtete Chinesisch und „transportierte" die Sprache anschließend an die Pader. Am Reismann-Gymnasium steht dank Tenge-Erb das Fach Chinesisch auf dem Lehrplan. Da sich mit Chinesisch in Australien wenig anfangen lässt, griff Familie Lohse kurzerhand auf Englisch zurück. Das geht fast immer und überall. Sogar auf dem fünften Kontinent. Der dreimonatige Aufenthalt in „down under" war laut Kristin Lohse dem „Fernweh" geschuldet. Nachdem sie ihren Mann und die beiden Kinder überredet hatte, ging es los. Per Minicamper umrundeten die Lohses das australische Festland. Damit nicht genug: Ein zweimonatiger Trip nach Neuseeland schloss sich an. Der Lohn: Unvergessliche Momente, die jeden Cent der investierten 35.000 Euro wert waren.

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