Blättern, gucken, tauschen: Die große Jahrestagung der Deutschen Exlibris Gesellschaft bietet den Freunden der kleinen Kostbarkeiten beste Gelegenheit, neue Grafiken für die eigene Sammlung zu finden. - © Marc Köppelmann
Blättern, gucken, tauschen: Die große Jahrestagung der Deutschen Exlibris Gesellschaft bietet den Freunden der kleinen Kostbarkeiten beste Gelegenheit, neue Grafiken für die eigene Sammlung zu finden. | © Marc Köppelmann

Paderborn Internationale Exlibris-Tauschbörse in Paderborn

Bis Montagmittag tauschen über 200 Sammler aus 22 Ländern kleine Grafiken. Mittendrin sind 22 Künstler, die neue Buchmarken gestalten

Jutta Steinmetz

Paderborn. Die Gebrauchskunst hat keinen guten Ruf. Es mangele ihr an Aura, also an Echtheit, heißt es oft. Ein Besuch der Jahrestagung der Deutschen Exlibris Gesellschaft (DEG) bringt dieses Urteil der Geringschätzung ins Wanken - mit vielen tausend mehr oder minder großen Grafiken, die weiland gern zur Kennzeichnung des Eigentümers in Bücher geklebt wurden und heute begehrte Sammelobjekte sind. "Erste Exlibris gab es schon im alten Ägypten", erklärt Henry Tauber. Er ist Präsident der DEG und zeichnet gemeinsam mit der Paderbornerin Lydia Willemsen und Siegfried Bresler aus Bielefeld verantwortlich für die diesjährige Tagung. 255 Sammler und Künstler aus 22 Ländern sind ihrem Ruf an die Pader gefolgt. "Mit so vielen haben wir nicht gerechnet", schmunzelt Bresler. So herrscht in den Tagungsräumen und im Foyer des Welcome Hotels geschäftiges Treiben. Da wird in dicken Mappen gestöbert, in denen die kleinen Kunstwerke sicher verwahrt sind, Blätter werden intensiv geäugt, aber vor allem wird gefachsimpelt. Denn über die Buchmarken gibt es viel zu erzählen: Zum Beispiel über die erste Blütezeit, als Albrecht Dürer das erste Exlibri für einen Privatmann schuf, nämlich für seinen Freund Willibald Pirckheimer. Oder über die Ära des Jugendstils, als nicht mehr Wappen und Co., sondern Frauenakte, Landschaften, griechische Mythologie oder das Thema Tod Einzug hielten auf der ersten Buchseite. Wer aber meint, dass Exlibris auf dem Niveau von Zigaretten- oder Paninibildchen anzusiedeln sind, der täuscht sich gewaltig. Denn selbst viel gerühmte, große Künstler widmeten sich dieser Kleinform. Es fällt der Name Paul Klee ebenso wie Pablo Picasso oder Salvatore Dalí. Und dann sind da ja auch die 22 Grafiker, die reichlich Beispiele ihres Können mitgebracht haben. Vor allem aus Weißrussland, Tschechien, Japan und China sind sie nach Paderborn gekommen und begehrte Gesprächspartner für die Sammler - obschon heute nur noch wenige Menschen das Bedürfnis haben, ihre Bücher mit hochwertigen Kleingrafiken als ihr Eigentum zu kennzeichnen. "Das Sammeln von Exlibris ist Mäzenatentum im Kleinen", erklären Präsident Henry Tauber und sein Vize Karl-Friedrich Kröger. Schließlich sei es durchaus erschwinglich, einen Künstler mit der Schaffung eines eigenen Exlibris zu beauftragen. Kostenpunkt laut Tauber: zwischen 300 und 1.500 Euro. Dafür hält man dann eine 50 Blatt starke Auflage eines kleinen Kunstwerks in den Händen. Ein Exemplar bewahrt man für sich, die anderen bietet man Gesinnungsgenossen zum Tausch an. "So kann man mit relativ kleinem Geld eine Kunstsammlung aufbauen", erklärt Tauber. Karl-Friedrich Kröger hat schon oft bei Künstlern eigene Exlibris in Auftrag gegeben. Wie viele andere Sammler auch hat er sich dabei einem bestimmten Thema verschrieben. Als Ingenieur lässt er besonders gern Motive aus der Industrie verarbeiten. "Man hat außerdem immer ein schönes Geschenk", sagt er. "Man muss aber darauf achten, dass es der Adressat zu schätzen weiß."

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