Laut und kultig: „Birth Control" mit Martin Ettrich (v.l.), Peter Föller, Hannes Vesper, Manfred von Bohr und Sascha Kühn. - © Gunther Gensch
Laut und kultig: „Birth Control" mit Martin Ettrich (v.l.), Peter Föller, Hannes Vesper, Manfred von Bohr und Sascha Kühn. | © Gunther Gensch

Paderborn Birth Control knüpfen an ihre besten Zeiten an

Die Hardrock-Großmeister aus deutschen Landen begeistern ihr Publikum

Gunther Gensch

Paderborn-Schloß Neuhaus. Seit 50 Jahren prägt die legendäre Krautrock-Band "Birth Control" die Entwicklung der deutschen Kultrock-Szene, am Samstag gab's ein Wiedersehen im Berufskolleg Schloß Neuhaus. Rappelvoll und gut vorgewärmt war die Aula, gestandene Männer um die 50, einige hatten schon ihre Töchter mitgebracht, und rockbegeisterte Frauen bereicherten die Szene. Manche fingerten die Ohrenstöpsel aus der Tasche, denn Mannis gewaltige Schlagzeugbatterie strebt als leuchtende Pyramide in den Rockerhimmel. Gute drei Stunden hatte der Aufbau gedauert, vermeldet Veranstalter Schubert mit Lob und Dank an seine Mitarbeiter, denn Garderobendienst und Getränkeverkauf zu moderaten Preisen erscheinen bestens organisiert. Dann wird es lebendig auf dem Podium, in der Mitte das Altrocker-Urgestein Peter Föller im bekannten Outfit, sein ganzes Leben schon als Musiker und Sänger dabei. Rechts vorne an den Tasten Sascha Kühn, daneben Hannes Vesper am Bass und ganz links Gitarrist Martin Ettrich. Quer durch verschiedene Formationen erprobt, finden sie seit ein paar Jahren in "Birth Control" wieder zusammen. Es beginnt zu donnern, klirren und vibrieren, Manni von Bohr stürmt unaufhaltsam los, aus dem riesigen Repertoire der Band kommen die ersten Nummern von "Titanic" und "Hoodoo Man", die frühen LPs aus den Siebzigern wurden später zu CDs digitalisiert. Die Texte von Frenzel, Fischer und Noske charakterisieren den politischen Standort der Band. Protest und kritisches Bewusstsein finden in starken Gesängen, virtuosen Solopassagen und energiereichem Zusammenspiel ihren überzeugenden Ausdruck, die Kraft der dreinschlagenden Beats massiert das Zwerchfell. Doch es geht auch lyrisch zu, auf der letzten CD "Here And Now", die der 2014 verstorbene Bernd Noske noch mitgestaltete, finden sich besinnliche Lieder. "Run Away With Me", "Truth Is Mine", heute von Frontman Peter Föller gesungen, mit rollenden Keyboards und gefühlvollen Gitarrensoli untermalt. Über allem natürlich und bis zur Nasenspitze in der Doppelbatterie versteckt, agiert Manfred von Bohr, vier Extremitäten scheinen ihm zu wenig für die Erzeugung seiner komplexen rhythmischen Figuren, neben dem Wachrütteleffekt begeistert er das kennerische Publikum mit langen solistischen Einlagen. "Birth Control wie wir sie lieben", heißt es von allen Seiten in der Bier- und Rauchpause. Am Ende des langen Abends danken begeisterte Zuhörer mit Johlen und Pfeifen den fünf Hardrock-Großmeistern für das außergewöhnliche Konzert.

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