Täglich grüßt die Schranke: Bis zu 30 Minuten Wartezeit pro Stunde sind am Bahnübergang keine Seltenheit. - © Marc Köppelmann
Täglich grüßt die Schranke: Bis zu 30 Minuten Wartezeit pro Stunde sind am Bahnübergang keine Seltenheit. | © Marc Köppelmann

Paderborn Bau der Bahnunterführung in Benhausen lässt auf sich warten

Benhausen: Mit einem Baubeginn ist nicht vor 2020 zu rechnen. Demnächst soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Auch eine Beteiligung der Öffentlichkeit ist vorgesehen

Birger Berbüsse

Paderborn. Wer über die Eggestraße (L775) zwischen Benhausen und Paderborn fährt, muss viel Geduld mitbringen. Der Bahnübergang vor Benhausen verursacht bis zu 30 Minuten Wartezeit pro Stunde. Geduld ist auch beim Warten auf die bereits vor vier Jahren beschlossene Lösung dieses Problems gefragt. Wie die Neue Westfälische erfahren hat, ist mit dem Baubeginn nicht vor 2020 zu rechnen. Die Deutsche Bahn AG und der Landesbetrieb Straßen NRW planen, wie berichtet, eine Eisenbahnüberführung. Das heißt: Im Bereich der Eggestraße wird die Bahnstrecke untertunnelt. Sie erhält an der jetzigen Kreuzung eine Brücke, unter der die L775 hindurch geführt wird. Die Schienen bleiben höhenmäßig unverändert. Die Kosten für die aufwendige Maßnahme belaufen sich nach derzeitigem Stand auf 5,5 Millionen Euro. In einer Bürgerversammlung vor zwei Jahren hatte ein Vertreter der Bahn einen Baubeginn für 2018 in Aussicht gestellt - vorausgesetzt, dass das Planfeststellungsverfahren zügig vonstatten geht. Dies steht allerdings immer noch aus, wird aber wohl demnächst eingeleitet. Der Landesbetrieb Straßen NRW und die Deutsche Bahn teilten der Neuen Westfälischen auf Anfrage übereinstimmend mit, dass die Vorplanung des Brückenbauwerks und die genehmigte Entwurfsplanung mittlerweile vorlägen. Aktuell erfolge die Aufstellung der Planfeststellungsunterlagen, in deren Zuge auch eine weitere Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen sei. Die Unterlagen werden dann bei der Bezirksregierung eingereicht, welche das Planfeststellungsverfahren einleitet. Dies wird vermutlich im zweiten Quartal dieses Jahres geschehen. Einen "verlässlichen" beziehungsweise "seriösen" Zeitplan für den Prozess wollen derzeit weder Bahn noch Straßen NRW benennen. Beide Seiten verweisen darauf, dass sie auf die Dauer des Planfeststellungsverfahrens keinen Einfluss haben. Gemäß der Kreuzungsvereinbarung zwischen Land und Bahn ist die Realisierung der Maßnahme "voraussichtlich in den Jahren 2020 bis 2022 vorgesehen". Dies ist jedenfalls der aktuelle Kenntnisstand der Stadt Paderborn, die laut Pressesprecher Jens Reinhardt "ein sehr hohes Interesse" an der Unterführung hat. Entsprechend regelmäßig erfolge auch eine Anfrage hinsichtlich des Sachstandes. Schließlich werde der Straßenverkehr durch den Bahnübergang "in erheblichem Maße beeinträchtigt", so Reinhard. Besonders gravierende Auswirkungen habe dies für die Rettungsdienste, die bei Einsätzen in Benhausen oder Neuenbeken Umwege fahren müssen. "Da im Ernstfall jede Minute zählt, ist die gegenwärtige Situation nicht haltbar", so Reinhardt. Auch der Busverkehr leidet unter den immer längeren Schrankenschließzeiten, wegen derer die Fahrpläne nicht mehr eingehalten werden könnten. Zudem sei der wirtschaftliche Schaden erheblich, ein niveaugleicher Bahnübergang außerdem stelle darüber hinaus ein Sicherheitsrisiko dar. Auf ein zügiges Vorankommen drängt hinter den Kulissen auch Paderborns Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann, der 2013 die abschließenden Gespräche mit der Bahn führte. Er habe zwischenzeitlich den Eindruck gehabt, es gebe "Abstimmungsprobleme" zwischen Bahn und Landesbetrieb. "Jetzt läuft es aber besser", so Linnemann. Egal wann es losgeht, alleine die Bauzeit für das Brückenbauwerk ist mit eineinhalb Jahren veranschlagt. Der weitere Bauablauf befindet sich noch in der Abstimmung. Benhausens Ortsvorsteher Franz Driller sieht die Warterei angesichts der jahrzehntelangen Debatte ganz nüchtern: "Das ist dann halt so." Kommentar Falsche Erwartungen geweckt Von Birger Berbüsse Die Witze drängen sich geradezu auf – schließlich ist die Deutsche Bahn nicht unbedingt für ihre Pünktlichkeit bekannt. Da überrascht es nicht unbedingt, dass nicht nur Züge, sondern auch Bauprojekte wie der Bahnübergang vor Benhausen auf sich warten lassen. Nun ist die Bahn bei diesem so ambitionierten wie dringend nötigen Projekt aber eben nicht allein verantwortlich, sondern arbeitet eng mit Straßen NRW zusammen, außerdem müssen viele Bedingungen und Reglementierungen beachtet werden. Das kann dann angesichts dieser Komplexität schon mal dauern. Vorwerfen darf man den Verantwortlichen allerdings, dass sie etwas voreilig mit Jahreszahlen in die Öffentlichkeit gegangen sind, die sich mittlerweile allesamt als hinfällig erwiesen haben. Denn dadurch wurden in der Bevölkerung falsche Erwartungen geweckt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die ganze Warterei letztlich auch wirklich lohnt. Wir werden es sehen. Irgendwann. Kontakt zum Autor

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