In historischem Gestühl: Hannelore Sill, Vorsitzende des Trägervereins, und Georg Nowak, einer von 15 Mitgliedern, die ehrenamtlich durchs Museum führen. - © Hans-Hermann Igges
In historischem Gestühl: Hannelore Sill, Vorsitzende des Trägervereins, und Georg Nowak, einer von 15 Mitgliedern, die ehrenamtlich durchs Museum führen. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Neue Bleibe fürs Paderborner Schulmuseum gesucht

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Schiefertafel und Griffelkasten, Rohrstock und Strafenbuch: Das Paderborner Schulmuseum vermittelt seit 1998 am Jühenplatz einen authentischen Eindruck davon, wie vor über hundert Jahren unterrichtet wurde. Sogar Szenen des Dokumentarfilms "Paderborn - Der Film" über das Leben in Paderborn in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden hier gedreht. Doch kurz vor seinem 20. Geburtstag steht das Museum vor einer Zäsur: Es muss bis zum Jahresende eine neue Bleibe gefunden haben. Die Ära im Verlagshaus Schöningh geht unwiderruflich zu Ende. Der Eigentümer des Hauses hat dem Schulmuseum die fristgerechte Kündigung zum Ende dieses Jahres geschickt. Das Schulmuseum hatte in den letzten Jahren stets zwischen 800 und 1.000 Besucher gehabt. Georg Nowak, ehemaliger Lehrer der Grundschule Mastbruch und einer der 15 ehrenamtlich Aktiven: "Vor allem Schulklassen schauen sich hier an, unter welchen Bedingungen noch ihre Groß- und Urgroßeltern unterrichtet wurden." Gleichzeitig informiert das Museum auf Wandtafeln nicht nur über die Geschichte sämtlicher Paderborner Schulen, sondern auch über die Geschichte des Bildungswesens von der Antike bis zur Gegenwart. Regelmäßig beteiligte sich das Museum auch an Offenen Museumsnächten. Fruchtbar war zudem die Zusammenarbeit mit der Universität: Mehrfach beschäftigten sich Studierende mit historischen Themen und hinterließen zum Beispiel in Gestalt eines Museumskoffers informative Spuren für die Besucher. Der Trägerverein zahlte für die Unterbringung des Museums im Hause Schöningh keine Miete. Hannelore Sill: "Es wird wohl schwer werden, einen ebenso kulanten Vermieter zu finden, doch wir sind darauf angewiesen." Deshalb sei man dankbar für jeden Hinweis. Auch der Bürgermeister sei eingeschaltet. Gebraucht würden Räumlichkeiten mit rund hundert Quadratmetern, schätzt die Bad Lippspringerin. Man wolle mit dem Museum auf jeden Fall in der Paderborner Innenstadt bleiben. Viele Schulklassen hätten einen Besuch im Museum mit anderen Sehenswürdigkeiten in der Stadt verbunden. Schade sei es allerdings um einen Teil der Einrichtung, der fest eingebaut sei. Hannelore Sill: "Den müssen wir wohl hier zurücklassen." Aufgebaut wurde das Schulmuseum maßgeblich von der verstorbenen Paderborner Pädagogik-Professorin Waltraut Schöler und vom früheren Konrektor der Hauptschule Kilian, Theodor Fockele. Erst kurz vor seinem Tod 2014 verließ er endgültig den Vorstand des Vereins, in dem er noch Ehrenvorsitzender war. Die Einrichtung des Museums war gespendet; der Hauptraum war erst im letzten Jahr mit historischem Schulgestühl aus Lichtenau-Herbram umgestaltet worden. Hannelore Sill: "Wir hoffen sehr, dass wir den 20. Geburtstag des Schulmuseums im nächsten Jahr in neuen Räumen feiern können."

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