Paderborn Paderborner Lokalredakteure berichten über den journalistischen Alltag

Vorsicht Satire

Peter Hasenbein

Paderborn. Bücher über Journalismus im allgemeinen und Lokaljournalisten im Besonderen sind nicht ganz so ungewöhnlich. Doch was der Autor Andreas Drouve mit spitzer Feder auf den Büchermarkt gebracht hat, das ist schon ein ganz besonders tiefer Blick ins Leben eines Lokaljournalisten. Der 52-Jährige weiß wovon er spricht: Immerhin ist der Mann mit Wohnsitz in Pamplona ausgebildeter Redakteur, hat selbst die tiefsten Tiefen und höchsten Höhen des Lokaljournalismus erlebt - jedenfalls jagt er seinen Protagonisten durch eben diese absurde Welt. Alles selbst erlebt - anders kann es gar nicht sein, denn sonst hätte der gebürtige Dürener nicht so detailliert über eben diese Spezies, die sich Lokaljournalisten nennt, so wohlfeil schreiben können. Wohlfeil? Na ja. Ganz so wohlfeil kommt sie denn doch nicht daher die Welt des Lokaljournalisten. Gehetzt von Termin zu Termin, egal ob werktags oder am Wochenende, egal ob Jahresversammlung, Bundesverdienstkreuzverleihung oder Laientheater - unser Mann vom "Bürweiler Blitz" - so nennt Andreas Drouve seine fiktive Lokalzeitung - ist immer vor Ort. Er kennt sich aus mit der überbordenden Bürokratie, den Reden, die bis zum Einschlafen wach halten, die Auswüchse des Brauchtums und den Lobbyismus. "Ein Feuerwerk an Ideen und Skurrilitäten in unverwechselbarem Stil", lobt der Klappentext das Büchlein - und hat recht. Einfach fabelhaft zu lesen, vergnüglich auf jeder Seite - und ganz nah dran an der Realität? Jedenfalls lässt der Verlag keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem Werk um eine Satire handelt, bei dem man schon vom ersten Satz an nichts mehr ernst nehmen sollte. Oder deswegen gerade doch? Das, verehrte Leserinnen und Leser, können Sie am Samstag, 25. März, ab 17.30 Uhr im Paderborner Deelenhaus überprüfen. Denn dann kommt es zu einem ungewöhnlichen Zusammentreffen: In Zusammenarbeit mit dem Paderborner Kulturamt setzt sich die Neue Westfälische bei der Lesung von Andreas Drouve mit aufs Podium - genauer gesagt: NW-Lokalchef Peter Hasenbein und seine Kollegin Sabine Kauke. Auch sie sollten wissen, wovon sie sprechen. Immerhin leitet Peter Hasenbein die Redaktion seit 1995. Noch länger arbeitet sich seine Kollegin Sabine Kauke an der Paderborner Wirklichkeit ab: Sie ist bereits seit 23 Jahren Lokalredakteurin. Eine brisante Mischung also: Der Autor, der die Seele des Lokaljournalisten samt der Gesellschaft, in der er sein Unwesen treibt, durchmessen hat auf der einen Seite und zwei langjährige NW-Redakteure in Paderborn, die sich gern an diesem "Feuerwerk der Ideen und Skurrilitäten" messen lassen wollen, auf der anderen Seite. Ist alles so absurd wie in dem 267-Seiten-Schmöker geschrieben - oder ist doch alles ganz anders? Oder noch viel skurriler als der "Nestbeschmutzer der Lokaljournalistenbrut" (O-Ton Drouve über Drouve) so einfach an die Öffentlichkeit zerrt? Am 25. März soll im Deelenhaus genau darüber diskutiert werden. Auch mit den Gästen der Veranstaltung: Wer dabei ist, hat ebenfalls die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden oder Fragen an die Podiumsteilnehmer zu stellen. Und eine Lesung soll?s natürlich auch sein: Gut eine Stunde wird Andreas Drouve aus seinem Buch "Den letzten beißt der Grottenolm" vortragen. Schon das allein dürfte den Besuch im Deelenhaus wert sein. Eintritt frei. Im Anschluss an die Lesung signiert der Autor gerne Bücher. Wer sich noch schnell einlesen will, wird wie folgt fündig: Andreas Drouve, "Den letzten beißt der Grottenolm - Aus dem Alltag eines furchtlosen Lokaljournalisten", erschienen im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, 9,99 Euro. ISBN: 978-3-86265-589-2

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