Arbeiten am "Zentangle": Familie Meisen ist extra aus Meschede zur Nacht der Bibliotheken angereist. - © Johannes Kühle
Arbeiten am "Zentangle": Familie Meisen ist extra aus Meschede zur Nacht der Bibliotheken angereist. | © Johannes Kühle

Paderborn Paderborner Stadtbibliothek zeigt ihre Hightech-Ausstattung

Von Büchern und Virtual-Reality-Brillen: Bei der Nacht der Bibliotheken gab's viel mehr zu bestaunen als gedruckte Wörter zwischen zwei Buchdeckeln

Johannes Kühle

Paderborn. Von einer "Nacht der Bibliotheken" erwartet der Besucher vielleicht nicht unbedingt mehr als einen Abend mit reichlich viel Literatur. Dabei sprengen einige Angebote diesen Rahmen ganz deutlich: Im ersten Stock der Zentralbibliothek zum Beispiel kann der Besucher einen Weltraumspaziergang absolvieren, im Ozean mit Haien um die Wette schwimmen oder die dunkle Vorzeit der Dinosaurier miterleben. Angst und bange wird ihm, wenn plötzlich ein Tyrannosaurus erscheint oder mit atemberaubender Geschwindigkeit ein Meteorit auf ihn zufliegt. "Wahnsinn", sagt der elfjährige Lambert, setzt die Virtual-Reality-Brille ab und scheint fasziniert, teilweise auch etwas erschrocken von den vielen Erlebnissen auf seiner virtuellen Entdeckungstour. "Ich hatte wirklich den Eindruck, dass die Unterwasserwelt und die Dinosaurier echt waren", erzählt er aufgeregt. "Und ich habe gar nicht mehr bemerkt, was um mich herum in der Bibliothek geschehen ist." Die Virtual-Reality-Brille ist ein Highlight unter den verschiedenen Angeboten, mit der die Stadtbibliothek bei der bundesweit gleichzeitig stattfindenden Nacht der Bibliotheken ihre Besucher begeistern will. "Dieses Jahr steht die Bibliotheksnacht unter dem Motto 'Place to be'", erläutert Bibliothekarin Beate Kreimeyer. "Wir haben uns überlegt, unser ganzes Haus als solchen zu gestalten." Dazu gibt es in jeder Abteilung ein exemplarisches Angebot: Für Musikbegeisterte gibt es einen Ukulelenworkshop; für Erholungssuchende eine heilpraktische Handmassage, außerdem ein Kostüm-Fotoshooting und eine Stilberatung, um nur einige Beispiele zu nennen. Ganz klassisch veranstaltet die Paderborner Schauspielerin Christina Seck im Erdgeschoss ein Literaturquiz. Wer in der ersten Runde spontan ein kurzes Zitat - zum Beispiel aus Twains "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" oder dem Märchen vom Froschkönig - dem richtigen Text zuordnen kann, bekommt ein Glas Sekt als Belohnung. Schwieriger wird es in einer zweiten Runde. Hier sind tiefgründige Kenntnisse der zeitgenössischen Literatur gefragt, um längeren Romanauszügen den richtigen Autor und den Titel zuordnen zu können. Ebenfalls im Erdgeschoss liegen im DIN A1-Format riesige Mandalas aus: "Zentangle" heißt diese moderne, aufwendige Form des Ausmalbildes. Familie Meisen ist extra aus Meschede angereist, um die Paderborner "Nacht der Bibliotheken" miterleben zu können, und bringt für das Zentangle viel Ausdauer mit: "Mein Bruder Silas und ich malen schon seit einer Stunde", freut sich die neunjährige Maya. "Aber das Mandala ist so groß, dass wir wahrscheinlich gar nicht fertig werden können". Und das, obwohl sich auch Mutter und Vater am Ausmalen beteiligen. Zwischen Bücherregalen improvisiert findet sich im zweiten Obergeschoss das Atelier von Sandra Rustemeier-Lubecki. Die VHS-Dozentin hat in vier Kollektionen, benannt nach Jahreszeiten, Tücher in mehr als hundert verschiedenen Farbtönen vorrätig. "Jeder Kunde wird mit verschiedenen Zusammenstellungen aus jeweils vier Farben ausgestattet", erklärt Rustemeier-Lubecki das Vorgehen. Gerade legt sie einer Kundin knallige Farbtücher aus der Frühlingskollektion um. "Natürlich möchte ich meinen individuellen Farbstil in Zukunft auch beim Kleidungskauf berücksichtigen", zeigt sich diese mit der Farbauswahl zufrieden. Viele interessierte Besucher zieht auch der 3D-Drucker, der sich seit zwei Jahren in Bibliotheksbesitz befindet. Katrin Stroth, Leiterin der Stadtbibliothek, produziert hier farbenfrohe kleine Kunststoffkunstwerke. "Sogar die Stammkunden registrieren den 3D-Drucker erst, wenn er aktiv im Einsatz ist. Dabei ist es uns ein Anliegen, auch moderne Techniken und Unterhaltungsmedien für alle Paderborner zugänglich zu machen". Viele Besucher seien fasziniert von den bisher ungekannten Möglichkeiten. Nach 45 Minuten Druckzeit ist der nächste Schlüsselanhänger endlich fertig: Stroth überreicht ihn an die türkische Schülerin Deniz, die für ein Schuljahr in Paderborn zu Gast ist. "Ein tolles Andenken an die Bibliotheksnacht", bedankt sich diese zufrieden.

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