Paderborn Wie leicht Handys und Computer zu hacken sind

Technik: IT-Fachmann Tobias Schrödel weist vor 400 HNF-Besuchern auf Sicherheitslücken in Computern und Handys hin. Wiederholung am 31. Januar

Dietmar Gröbing

Paderborn. Computertechnik ist dröge und wenig unterhaltsam? Genau das Gegenteil ist der Fall, wie Tobias Schrödel am Dienstag bewies. Im Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF) bestritt der Münchner Informatiker eine „Live-Hacking-Show", die zugleich die neue HNF-Vortragsreihe „Vernetzt und vermessen – Leben in der digitalen Welt" einleitete. 400 Neugierige hatten zur Fürstenallee gefunden, um „Deutschlands erstem IT-Comedian" bei seiner Tätigkeit zuzusehen. Die bestand vorrangig in der launigen Vermittlung von Sicherheitslücken. Wofür Tobias Schrödel ein Laptop und ein Handy genügten. Damit alle Anwesenden an den Ausführungen des 45-Jährigen teilhaben konnten, wurden die von Schrödel vollzogenen Arbeitsschritte auf eine Großleinwand projiziert. Schnell wurde klar, dass es, um der Sicherheit willen, im Digitalkosmos bestimmte Regeln zu beachten gilt. Speziell im Umgang mit den eigenen elektronischen Geräten und ihren Schutzmechanismen. Denn Computer und Handys sind extrem anfällig gegenüber Angriffen von Hackern. Wer weiß, welcher Logik ein Smartphone folgt, weiß demzufolge auch, wie es zu hacken ist. Tobias Schrödel wusste es, war der Süddeutsche doch jahrelang als Experte in Sachen Datenschutz tätig. Mittlerweile gibt der Entertainer sein Know-how an die Allgemeinheit weiter, wohl wissend, dass Sicherheit nicht nur unabdingbar ist, sondern „auch Spaß machen kann". Also riss sich Schrödel nach wenigen Minuten Hemd, Krawatte und Sakko vom Leib, um das darunter lagernde Iron Maiden-T-Shirt zu entblößen. Vom Hard Rock zum Passwort war es nur ein kleiner Schritt, verkündete der Referent doch kurz danach, dass ein sechsstelliges Passwort ohne Sonderzeichen dank eines russischen Anbieters „in Sekundenschnelle" zu knacken ist. Übrigens lassen sich Passwörter problemlos im Internet kaufen. Kostenpunkt: 1 bis 4 Euro. Wer zahlt, könne sich beispielsweise beim Versandhändler Zalando einhacken und „Schuhe auf fremde Rechnung bestellen". Alles andere natürlich auch. Doch Vorsicht: Wer ein Foto von seinem Diebesgut macht und es nichtsahnend bei Facebook postet, muss mit einer bösen Überraschung rechnen. Dank der mitgesendeten Fotoinfos lässt sich problemlos feststellen, wo die betreffende Person wohnt und wie sie heißt. Sozialer Hintergrund inklusive. Da Facebook gesammelte Daten gern an Werbefirmen verkauft, wird der Spam-Ordner garantiert nicht arbeitslos. Auch per Laserprinter angefertigte Farbdrucke, Fotos, Flugblätter oder (Falsch-)Geldscheine lassen sich dank mikroskopisch eingearbeiteter „tracking dates" problemlos zurückverfolgen. Was nicht unbedingt für den Absender des vor ihrem Büro liegenden USB-Sticks gilt. Gerade deshalb sollte man das herrenlose Gerät niemals an das eigene anschließen. Die Folgen können unter Umständen verheerend sein. Aufgrund des großen Andrangs mussten am Dienstag etliche Interessierte draußen bleiben. Daher hat sich Tobias Schrödel bereit erklärt, seinen 90-minütigen Vortrag am Dienstag, 31. Januar, ab 19 Uhr zu wiederholen. Der Zutritt zum Computermuseum wird auch an diesem Abend frei sein.

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