Imposantes Bild: Insgesamt 48 Tonnen musste der Autokran vom Tieflader unten in der Königstraße auf die Ebene der Königsplätze in Position hieven. Auf der leicht gebogenen Brücke lagen sechs Tonnen Ballast. Sie wirkten gegen die Kräfte, die durch die vier Stahlseile, an denen die Brücke hing, entstanden. - © Marc Köpppelmann
Imposantes Bild: Insgesamt 48 Tonnen musste der Autokran vom Tieflader unten in der Königstraße auf die Ebene der Königsplätze in Position hieven. Auf der leicht gebogenen Brücke lagen sechs Tonnen Ballast. Sie wirkten gegen die Kräfte, die durch die vier Stahlseile, an denen die Brücke hing, entstanden. | © Marc Köpppelmann

Paderborn Millimeterarbeit mit 42 Tonnen Granit

Die erste von vier schweren Natursteinbrücken liegt seit gestern an Ort und Stelle. Die trotzdem leicht wirkende Konstruktion überspannt eine nun heller gewordene Königstraße

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Nach und nach nehmen die Königsplätze mitten in der Paderborner City ihre neuen Formen an: Seit gestern überspannt eine neue Natursteinbrücke die Königstraße in Höhe des früheren Kaufhauses Dany. Sie ist der erste von vier relativ filigran wirkenden Granitstegen, die die derzeitigen, klobig wirkenden Betonbauwerke ersetzen und somit mehr Licht in die darunter verlaufende Königstraße bringen sollen. Bis die Brücke gegen 11 Uhr auf die vorbereiteten Lager einschwebte, war jede Menge Millimeterarbeit nötig. Als der Tieflader mit dem Schwertransport gegen 10 Uhr auf der Königstraße in Position stand, war der alleraufregendste Teil für Bauleiter Roland Forner und Rainer Glowienka, Inhaber der ausführenden Firma BIG (Baugesellschaft und Ingenieurbüro Glowienka) schon überstanden. Auf den Millimeter genau musste der Tieflader, der am frühen Morgen eingetroffen war und über den Innenstadtring und die Marienstraße sein Ziel angesteuert hatte, nämlich in eine auf der Königstraße markierte Position fahren. Grund dafür, so Forner: "Die Decke der darunter liegenden Tiefgarage ist auf eine Tragkraft von 30 Tonnen ausgelegt. Insgesamt wog der Schwertransport mitsamt Brücke jedoch 95 Tonnen. Deshalb mussten die Decken auf beiden Ebenen der Tiefgarage zunächst genau eingemessen und dann mit Dutzenden Stahlstützen gesichert werden." Die 14 Meter lange und drei Meter breite Brücke der Kusser Granitwerke in Aicha vorm Wald bei Passau kostet nach Angaben der Stadt inklusive Transport und Aufbau 200.000 Euro. Sie besteht aus verklebten 35 Zentimeter dicken Granitblöcken, die mit Stahlgliedern verspannt sind und ein leichtes Gewölbe bilden - ein Verfahren, das bei Granitbrücken erst seit etwa zwei Jahren angewendet werde, so Reiner Glowienka. Um den dadurch entstehenden Kräften nach oben entgegen zu wirken, wurde die Brücke mit zusätzlichen sechs Tonnen Ballast auf der Brückenmitte transportiert. Diese sollten den dabei entstehenden Schwingungen, die zum Bersten der Brücke hätten führen können, entgegen wirken. Die Autobahnroute aus dem Bayerischen Wald nach Paderborn führte über 900 Kilometer durch Thüringen und Sachsen Anhalt via A 2 und dann A 33 in drei Tagesetappen nach Paderborn, weil einige der Autobahnbrücken auf dem direkten Weg über Würzburg und Kassel dem Gewicht des Schwertransport nicht gewachsen gewesen wären. Reiner Glowienka: "Allein für die Durchfahrtgenehmigungen durch die einzelnen Bundesländer waren vier Wochen Vorbereitungszeit nötig." Um die 48 Tonnen schwere Last in Position zu hieven, war ein 350-Tonnen-Kran nötig. Neuer Gussasphalt macht die Königsplätze winterfest Als nächstes werden die beiden Betonbrücken über der Kreuzung von Königstraße und Marienstraße abgerissen. Dazu wird der Bereich ab 4. Januar zwei Wochen gesperrt. Dort werden ebenfalls zwei Granitstege gelegt. Ein vierter Granitsteg folgt im Spätsommer im Bereich Alte Torgasse. Nach den Problemen mit der Nivellierung der Königsplätze gehen dort die Arbeiten inzwischen zügig voran. Derzeit wird dort Gussasphalt als Unterbau für das Pflaster aufgebracht. Dieser kann im Winter bereits betreten und bei Bedarf auch mit Salz abgestreut werden. Ebenfalls im Zeitplan befindet sich der Bau des zentralen Erschließungselementes an der Königstraße. Dort sind zwei Aufzüge geplant, die Tiefgarage, Königstraße und Königsplatz verbinden. Der Rohbau dafür soll nach Auskunft der Bauleitung bis Ende dieses Jahres fertig werden.

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