Kulturell geprägte Naturlandschaft: Flußaue an der Alme. - © Annette Fischer
Kulturell geprägte Naturlandschaft: Flußaue an der Alme. | © Annette Fischer

Paderborn Ungewöhnliches Buch über die Hochstiftregion erschienen

Natur entdecken: Das neue Buch über die Hochstiftregion ist ein anspruchsvoller Exkurs über "unsere" Landschaft

Karl-Martin Flüter

Paderborn. Die Landschaft, in der wir leben, prägt uns - und wir prägen sie. Doch wie diese Landschaft entstanden, was macht sie aus? Die Autorin Annette Fischer liefert Antworten. Bei ihrer Suche nach dem, was die heimatliche Natur und Landschaft wirklich ist, geht Annette Fischer so weit zurück, wie nur möglich ist: bis ins Erdaltertum vor rund 417 Millionen Jahren. Natürlich bedeutet es eine gewaltige Herausforderung, sich an eine derart umfassende Erkundung der Heimat zu machen. Nicht nur, weil Annette Fischer die unterschiedlichsten Wissenschaften zu Rate zieht - Geologie, Geschichtswissenschaft, Biologie - sondern auch weil der Gegenstand ihres Interesses so vielgestaltig ist. Die Landschaft im Hochstift zwischen Lippe und Weser, Eggegebirge und Hellweg Börde ist so abwechslungsreich wie sonst kaum eine andere Region in Deutschland. Drei Jahre hat die Fotografin und Soziologin für ihr Buch recherchiert, hat die einschlägige Literatur über die Landschaft und Natur Ostwestfalens studiert, ist zu hunderten Fototerminen übers Land gefahren. Am Ende steht ein Buch, das beides ist: ein Sammelband mit hervorragender Natur- und Landschaftsfotografie. Und ein anspruchsvoller Exkurs über "unsere" Landschaft. Die Autorin liefert in drei Einstiegskapiteln einen Rundblick über die Region, einen Überblick über die erdgeschichtliche Prägung und die Beziehung von Menschen und Natur ab, bevor sie sich den einzelnen Landschaften widmet. Die Fotografin sucht das Typische der jeweiligen Landschaft, findet neue Perspektiven und entdeckt fast Vergessenes wieder, wie die "Große Brichkuhle" - einen beeindruckenden großen Erdfall im Bad Lippspringer Wald. Dabei entgeht Annette Fischer der Gefahr, die Landschaft als schön anzuschauende Kulisse darzustellen. Das Kleine ist ihr so wichtig wie die großen Panoramen. Oft verbindet sich mit dem Foto ein Hinweis, wie und warum sich das entwickelt hat, was der Betrachter vor sich sieht. Belehrend ist Annette Fischers Buch deshalb nicht, aber es ist ernsthaft. "Natur entdecken" ist keiner jener "repräsentativen" Bildbände, die gerne verschenkt und danach nur noch selten aufgeblättert werden. Das Buch ist auch kein Ratgeber, der Natur und Landschaft aus den Augen der Freizeitgesellschaft bewertet und mit Tipps und Ratschlägen die Interessen der Freizeitindustrie bedient. Nicht nur deshalb ist Annette Fischers Buch eine gute und wichtige Lektüre. Die Leser ihres Buchs lernen, wie die heimatliche Landschaft zu dem wurde, was sie heute ist und die erfahren, wie labil dieser Zustand ist. Das Buch ist ein Plädoyer dafür, mit der kulturell geprägten Naturlandschaft achtungsvoll und schonend umzugehen. Leser von "Natur entdecken" werden ihre Heimat anders sehen: nüchterner, weniger idealisierend vielleicht, dafür aber fundierter und verständnisvoller.

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